Pub-Sterben in England: „Die Leute besorgen Dosenbier und gucken Casting-Shows“
Die Laune bei Englands Pub-Besitzern ist schlecht. Immer mehr traditionelle Kneipen müssen schließen.
Foto: dpaSouth Shields. Drei Viertel von ihnen haben in den vergangenen 40 Jahren dicht gemacht – doch das Verschwinden der britischen Tankstelle hat wohl noch keine Bürgerinitiative auf den Plan gerufen. Beim Pub hingegen, dieser urbritischen Institution, ist der Aufschrei groß: Derzeit machen im Schnitt jede Woche 25 von ihnen zu. So mancher Brite beklagt gar den Verlust eines kulturellen Erbes.
„Der Mist im Fernsehen, der hat dem Pub den Todesstoß versetzt“, sagt Steve Bannister. Er betreibt mit seiner Frau den „Lamb Inn“ im nordenglischen Dorf Rainton. „Die Leute besorgen sich Essen zum Mitnehmen, ein paar Dosen Bier und gucken eine Casting-Show.“
Viele Faktoren machen dem Pub zu schaffen: schärfere Alkoholkontrollen, Rauchverbote und billiger Alkohol aus dem Supermarkt. Aber auch sich verändernde Gewohnheiten – seit 2010 ist der britische Bierumsatz um ein Viertel gesunken, Wein erfreut sich dagegen größerer Beliebtheit. Als eine Reaktion auf die Pub-Krise hat die Regierung die Steuern auf Bier und Cider gesenkt. Es sind aber auch nicht-wirtschaftliche Gründe, die zum Abgesang des Pubs beitragen: Die althergebrachte Domäne des männlichen, weißen Briten, der leicht schäbige Eckpub, wirkt zunehmend verstaubt.
Das französische Traditionsunternehmen BGI / Groupe Castel verkauft nicht nur Bier, sondern auch Wein und Soft Drinks. Insbesondere in Afrika sind die Franzosen mit ihren Marken Castel und Flag gut aufgestellt.
Ausstoß: 29,8 Millionen Hektoliter
*Quelle: Barth-Haas Group/Statista, alle Zahlen für 2014
Foto: www.groupe-castel.comDie Japaner haben durchaus Sinn für ausgefallene Bierkreationen, entwarfen vor wenigen Jahren ein Frozen Beer. Obwohl die Brauerei, die zum Industriekonglomerat Mitsubishi gehört, ihre Vormachtstellung auf dem Heimatmarkt vor zehn Jahren an Asahi abtreten musste, ist sie global führend.
Ausstoß: 43,1 Millionen Hektoliter
Foto: ReutersYanjing ist der Durchstarter in Asien. In rasantem Tempo hat sich das Kleinunternehmen zu einem mächtigen Konzern im asiatischen Raum entwickelt. Die Gründung der Brauerei liegt nur gut 30 Jahre zurück.
Ausstoß: 48,3 Millionen Hektoliter
Die Erfinder des Dosenbiers sind auch international längst eine Größe. 2012 übernahm das Unternehmen die tschechische Brauereigruppe StarBev, zu der auch Staropramen gehört. Dadurch gehören die Amerikaner vor allem in Osteuropa zu den führenden Brauern.
Ausstoß: 58,1 Millionen Hektoliter
Die Chinesen haben ihren Einfluss in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Als einer der Hauptsponsoren der olympischen Spiele von 2008 in Peking hat sich Tsingtao fest etabliert. Bereits seit 1972 vertreibt die Firma ihre Produkte auch in den USA.
Ausstoß: 70,5 Millionen Hektoliter
Dieses Unternehmen setzt auf Kompetenz aus Europa: Das Joint Venture aus dem chinesischen Unternehmen CR Enterprise und SAB-Miller aus Großbritannien produziert die Marke „Snowbeer“ für den chinesischen Markt. Und das durchaus erfolgreich. Wächst die Marke weiter wie bisher, dürfte bald im Ranking aufsteigen.
Ausstoß: 117,4 Millionen Hektoliter
Die Dänen haben sich längst von einer regionalen Marke zum Global Player entwickelt. Zu Carlsberg gehören auch die deutsche Kultmarke Astra sowie Lübzer und Holsten.
Ausstoß: 120,3 Millionen Hektoliter
Die Welt trinkt Heineken, möchte man meinen. Die Marke hat sich international längst etabliert. Heineken ist auch an den deutschen Marken Kulmbacher und Paulaner beteiligt.
Ausstoß: 188,3 Millionen Hektoliter
Die britische Brauerei ist berühmt-berüchtigt für das „Miller“. Die ur-amerikanische Marke gehört seit 2002 zum SAB-Miller-Konzern und hat sich die australische Traditionssorte Foster's einverleibt. Bald wird SAB Miller jedoch selbst übernommen – durch den Bier-Riesen AB Inbev
Ausstoß: 191,3 Millionen Hektoliter
Der amerikanisch-belgisch-brasilianische Brauriese kann seinen Marktenteil weiter steigern. Mittlerweile stammt jedes fünfte Bier, das weltweit verkauft wird, aus dem Konzern. Die bekannteste deutsche Marke im Portfolio ist Beck's. Mit der Übernahme von SAB Miller wird AB Inbev den Biermarkt noch stärker als ohnehin auf sich konzentrieren.
Ausstoß: 409,9 Millionen Hektoliter
„Pubs müssen sich ändern, sie müssen etwas bieten, das man sonst nirgends bekommt“, fordert David Brazier von der Initiative CAMRA, die sich dafür einsetzt, dass Pubs neben herkömmlichen Bieren auch Ales – also traditionelle obergärige Biere – ausschenken. So mancher der schätzungsweise 45.000 noch bestehenden Pubs hat diese Marktlücke erkannt und verkauft Bier aus örtlichen Kleinbrauereien. Andere konzentrieren sich auf das nicht-flüssige Angebot. Im „Lamb Inn“ der Bannisters etwa gibt es auch Lebensmittel – und die 150 Einwohner Raintons erhalten regelmäßig Flugblätter mit den Menü-Specials.
Unter den wertvollsten Spirituosenmarken der Welt sind deutsche Destillen fast gar nicht vertreten. Nur eine Marke schafft es überhaupt in die Top 50: Jägermeister. Der Kräuterlikör aus dem niedersächsischen Wolfenbüttel hat es durch offensive Marketingkampagnen zu großer Bekanntheit gebracht. Von der Weltspitze ist die Marke allerdings noch weit entfernt. Zur Studie: Jährlich stellt die Markenbewertung Brand Finance die Studie „Brand Finance Drinks 50“ vor. Dazu berechnet sie anhand der Lizenzgebühren, die ein Unternehmen für die jeweilige Spirituosenmarke zahlen müsste, deren Markenwerkt. Ein zusätzliches Marken-Rating gibt, in Anlehnung an Kredit-Ratings, Auskunft über Stärken, Risiken und Potentiale einer Marke im Vergleich zu den Mitbewerbern.
Foto: obsDas chinesische Unternehmen Yanghe aus Suqian ist mit Baijiu bekannt geworden. Der chinesische Schnaps wird aus Getreide, meist Hirse, hergestellt. Entfernt ähnelt er Wodka und Kornbrand.
Foto: ScreenshotAuch Wuliangye zählt zu den bekanntesten Baijiu-Produzenten der Welt. Die Kernmarke des Unternehmens aus Yibin wird aus Hirse, Mais, Klebreis, Langkornreis und Weizen gebrannt.
Foto: Screenshot
Eigentlich in Südschweden gebrannt, ist Absolut Vodka mittlerweile ein Getränk aus französischer Hand. 2008 verkaufte die schwedische Regierung den Mutterkonzern Vin & Sprit für rund 5,6 Milliarden Euro an das französische Unternehmen Pernod Ricard. Und Absolut ist nicht die einzige Marke, mit der es der Spirituosenriese aus Frankreich in die Top 10 schafft.
Foto: AFPMit seiner gleichnamigen Rum-Marke schafft es Bacardi Limited unter die zehn wertvollsten Spirituosenmarken. Doch andere Produkte des Unternehmens mit Sitz auf den Bermudas haben einen noch besseren Namen.
Foto: Bacardi Dtl.
International sind bei Whisky Scotch und Bourbon am bekanntesten. Der meistverkaufte Bourbon kommt aus der amerikanischen Kleinstadt Lynchburg, Tennessee: Jack Daniel’s. Die 1866 von Jasper Newton Daniel gegründete Destillerie verkauft rund 90 Millionen Liter Whiskey im Jahr.
Foto: ImagoSmirnoff ist der meistverkaufte Premium-Wodka der westlichen Welt. Das schlägt sich auch im Markenwert nieder, auch wenn Absolut Vodka stark aufholt. Inzwischen gehört die in Moskau gegründete Brennerei zum britischen Diageo-Konzern.
Foto: ReutersNoch vor dem Bourbon liegt der Scotch: Die Marke Chivas Regal hat im vergangenen Jahr 23 Prozent an Wert gewonnen – so viel wie keine andere Marke in den Top Ten. Den Eigentümer Pernod Ricard wird es freuen.
Foto: PRWährend derzeit Whisky und vor allem Gin im Trend liegen, ist der Cognac in der öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund gerückt. Nicht aber bei den Verkaufszahlen: Von 2011 bis 2013 gab es Rekordjahre in Folge, im vergangenen Jahr gibt der Absatz leicht um 3,6 Prozent auf 155 Millionen Flaschen zurück. Marktführer Hennessy konnte seine Position festigen, der Marktwert liegt bei mehr als drei Milliarden US-Dollar.
Foto: apIn Deutschland kaum bekannt, in anderen Teilen der Welt ein echter Star an der Theke: Hirse-Branntwein von Moutai. Die chinesische Marke ist so beliebt, dass es im Spirituosen-Ranking für Rang 2 reicht. In Deutschland kostet die 0,5-Liter-Flasche etwa 130 Euro.
Foto: PRJohnnie Walker ist der meistverkaufte Scotch Whisky der Welt. Die britische Diageo-Marke wird weltweit vertrieben und kann so global von der gestiegenen Nachfrage nach Premium-Spirituosen profitieren. Bereits mit dem Markenwert aus dem Jahr 2014 hätte Johnnie Walker die Spitze gegen Kweichow Moutai verteidigt, konnte aber nochmals um 13 Prozent zulegen.
Foto: ReutersSolchen Firlefanz wird man im „Steamboat“ in South Shields nicht finden: Essen gibt es hier nicht, dafür gutes Bier. So will sich Betreiberin Kath Brain von der Konkurrenz abheben. „Wir sind eine richtige Kneipe“, sagt sie. „Ich kenne jeden hier, und sie kennen mich. Wir kümmern uns hier umeinander.“ Schlechtes Benehmen wird nicht geduldet. „Ich arbeite hier nicht, um mir Gefluche anzuhören.“
Eine ganz andere Antwort auf die Krise hat die Pub-Kette JD Wetherspoon. In den 900 Wetherspoon-Kneipen wird das billigste Bier der Stadt serviert – etwa 2,50 Pfund (3,40 Euro) für ein Pint – und oft auch das billigste Frühstück: mit Erfolg. Im Wetherspoon zu frühstücken, wird immer beliebter, das zeigen auch die Geschäftszahlen der Kette.
Mit der Diversifizierung kehre der Pub nun wieder zu seiner Ursprungsfunktion als sozialer Treffpunkt für alle zurück, sagt Historiker Mark Hailwood von der Universität Oxford. Musik, Essen, politische Debatten – all dies gehörte in der Vergangenheit dazu. „Der Pub hat sich auch früher den Bedürfnissen der Kundschaft angepasst“, meint er. Für ihn ist der Überlebenskampf mancher Pubs auch ein positives Zeichen des gesellschaftlichen Wandels.
Für immer weniger Männer sei es nun in Ordnung oder wünschenswert, jeden Tag nach der Arbeit Stunden im Pub zu verbringen, während die Familie daheimsitze. „Männer wollen sich zunehmend in die Familie und Kindererziehung aktiv einbringen“, argumentiert Hailwood. Für die Biere und Darts mit den Kumpels im Pub bleibt dann kaum mehr Zeit.
Pub-Betreiber Bannister sieht dieses für ihn „kontinentaleuropäische“ Lebensgefühl weniger gelassen: „Jetzt haben alle Whirlpools und Grillpartys auf der Terrasse... Es sind nicht andere Pubs, die uns das Geschäft vermiesen, es ist die Party daheim.“