1. Startseite
  2. Politik
  3. International
  4. World Vision: Skandal bei Hilfsorganisation?

World VisionSkandal bei Hilfsorganisation?

Unschöne Schlagzeilen über die Hilfsorganisation World Vision: Ein ranghoher Mitarbeiter soll Gelder in Millionenhöhe an die Hamas übermittelt haben. Die Organisation zeigt sich „schockiert“ über die Vorwürfe. 05.08.2016 - 08:28 Uhr Artikel anhören

Man gehe von einer Summe bis umgerechnet 45 Millionen Euro aus, die für militärische Zwecke missbraucht wurden, bestätigte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums.

Foto: AFP

Tel Aviv. Ein ranghoher palästinensischer Mitarbeiter der Organisation World Vision soll westliche Hilfsgelder in Millionenhöhe an die im Gazastreifen herrschende Hamas weitergeleitet haben.

Mohammed el-Halabi, Leiter der Zweigstelle der internationalen Hilfsorganisation in Gaza, sei am 15. Juni am Eres-Kontrollpunkt zwischen Israel und dem Gazastreifen festgenommen worden, teilte Israels Inlandsgeheimdienst Schin Bet am Donnerstag mit. Ein Sprecher der radikalislamischen Hamas in Gaza wies die Vorwürfe als „Lügen“ zurück.

Die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas
Die radikal-islamische Hamas ist die zweitgrößte Palästinenserorganisation. Die 1987 gegründete Gruppe bestreitet das Existenzrecht Israels und fordert die gewaltsame Errichtung eines islamischen Palästinas vom Mittelmeer bis zum Jordan. Ihr militärischer Arm, die Kassam-Brigaden, hat in der Vergangenheit Dutzende tödliche Anschläge auf Israelis verübt.
Seit 2007 herrscht die Hamas im palästinensischen Gazastreifen. Damals vertrieb sie die gemäßigtere Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gewaltsam aus dem Küstenstreifen.
Seither haben die militanten Palästinenser mehr als 17.000 Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert, wie die israelische Armee sagt. Die Fatah herrscht seit 2007 nur noch in den nicht von Israel verwalteten Teilen des Westjordanlandes. Es gibt jedoch auch im Westjordanland aktive Hamas-Zellen.
Die Hamas und ihre Milizen werden unter anderem von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft.
Nach 2007 änderte die Hamas ihre Strategie und zeigte grundsätzlich Bereitschaft zu einer langfristigen Waffenruhe mit Israel. Diese ist jedoch nicht in Sicht. Bis zu einer solchen Vereinbarung setzt die auch im Sozialbereich engagierte Organisation weiter auf den „bewaffneten Widerstand“.

Man gehe von einer Summe bis umgerechnet 45 Millionen Euro aus, die für militärische Zwecke missbraucht wurden, bestätigte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums. El-Halabi wurde am Donnerstag vor einem Bezirksgericht in Beerscheva angeklagt.

World Vision erklärte, el-Halabi sei als zuverlässiger und gewissenhafter Kollege bekannt. „Nach derzeitigem Informationsstand gibt es keinen Anlass, anzunehmen, dass die Anschuldigungen begründet sind.“ Man sei „schockiert“. World Vision werde alle nötigen Schritte in die Wege leiten, um den Sachverhalt schnellstens aufzuklären.

Die Hilfsorganisation wies in ihrer Stellungnahme außerdem darauf hin, dass World Vision über strenge Kontrollmechanismen verfüge, um eine „unsachgemäße Mittelverwendung zu reduzieren“.

Verwandte Themen
Terrorismus
Palästina
Israel
Extremismus
Interaktive Karte

Die Krisenherde in Nahost und Nordafrika

In der Mitteilung von Schin Bet hieß es, El-Halabi sei heimlich Mitglied des militärischen Hamas-Arms und habe westliche Hilfsgelder gezielt an die Terrororganisation übermittelt. Etwa 60 Prozent des Jahresbudgets für World Vision Gaza – jährlich 6,4 Millionen Euro – sei an die Hamas gegangen. Diese habe die Finanzmittel, die unter anderem aus Europa und den USA stammten, in militärische Projekte wie den Bau unterirdischer Tunnel sowie Waffenkäufe investiert.

El-Halabi habe ein komplexes System zur Weiterleitung der Gelder an Hamas entwickelt – etwa unter dem Deckmantel humanitärer und landwirtschaftlicher Projekte. Der Fall beweise „den zynischen Missbrauch, den Hamas mit internationalen Hilfsmitteln treibt“, hieß es in der Mitteilung.

dpa
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt