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Broetje-AutomationChinesen kaufen deutschen Luftfahrt-Zulieferer

Eine weitere deutsche Firma geht in chinesische Hände: Der Luftfahrtzulieferer Broetje-Automation wird von Shanghai Electric gekauft. Der chinesische Konzern investiert verstärkt in High-Tech-Firmen. 15.08.2016 - 17:38 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Broetje-Automation stellt unter anderem Nietmaschinen und -anlagen her, mit denen große Elemente eines Flugzeugs wie Rumpf, Flügel und Cockpit automatisch genietet, gefügt und montiert werden können.

Foto: dapd

Rastede/Frankfurt. Erneut hat ein chinesischer Konzern ein deutsches Unternehmen übernommen. Der chinesische Mischkonzern Shanghai Electric Group kaufte den niedersächsischen Luft- und Raumfahrtzulieferer Broetje-Automation (BA). Das teilte die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) als Haupteigentümer am Montag in Frankfurt mit. Auch der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr als Minderheitsgesellschafter und weitere Co-Investoren hätten ihre Anteile veräußert.

Broetje-Automation mit Sitz im niedersächsischen Rastede produziert unter anderem Nietmaschinen und -anlagen, mit denen große Elemente eines Flugzeugs wie Rumpf, Flügel und Cockpit aus Metall oder Kohlefaser automatisch genietet, gefügt und montiert werden können. Das Unternehmen zählt 850 Mitarbeiter.

Der Transaktionswert wurde mit insgesamt 200 Millionen Euro angegeben. Dabei werde ein Kaufpreis von rund 173,5 Millionen Euro von den Käufern an die Verkäufer gezahlt, teilte Shanghai Electronic (SEC) mit. Entsprechende Verträge seien am Samstag unterzeichnet worden. Der Vollzug stehe aber noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen
Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.
Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).
Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.
2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.
Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.
Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.
Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.
Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.
Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.
Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.
Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.
Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.
Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

An der Broetje-Automation GmbH war bislang der von der DGAB verwaltete „DBAG Fund V“ mit 77 Prozent beteiligt, Dürr hielt elf Prozent und das Unternehmensmanagement von Broetje ebenfalls elf Prozent. In diesem Jahr wird bei Broetje ein Umsatz von 190 Millionen Euro erwartet. DBAG hatte das Unternehmen im März 2012 übernommen. „Mit der Veräußerung erzielt die DBAG eine Rendite oberhalb ihrer üblichen Erwartungen“, hieß es.

BA-Geschäftsführer Bernd Schröder begrüßte die Entscheidung: „Wir sind seit mehr als sechs Jahren in China aktiv und bieten dort inzwischen unser gesamtes Produktportfolio an. Shanghai Electric ist unser Wunschpartner, da er die unabhängige Entwicklung des Unternehmens in den Schlüsselmärkten Europa, USA, Japan, Russland und insbesondere China unterstützen wird.“

SEC war erst kürzlich mit rund 20 Prozent beim angeschlagenen schwäbischen Maschinenbauer Manz eingestiegen. Manz stellt Maschinen für die Solar- und Batterieindustrie her, dazu Displays für Tablet-PCs, Smartphones und Notebooks.

rtr, dpa
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