Bermuda, Schweiz & Co.: Das sind die schlimmsten Steueroasen der Welt
Die internationale Entwicklungsorganisation Oxfam hat eine Liste mit den „schlimmsten Steueroasen“ vorgelegt. Geprüft wurden die Länder unter anderem auf Unternehmenssteuersätze, Gewährung von Steueranreizen und fehlende Mechanismen, um die Verlagerung von Gewinnen in andere Steueroasen zu verhindern. Die genannten Länder liegen keineswegs nur in der Karibik – auch europäische Staaten sind dabei.
Der letzte Staat in den Top 10: Zypern. Der Oxfam-Bericht zeigt, dass das schlechte Beispiel der Steueroasen Schule macht: Der durchschnittliche Unternehmenssteuersatz der G20 beispielsweise, betrug vor 25 Jahren noch 40 Prozent. Heute liegt er unter 30 Prozent.
Den Staaten brechen so immer mehr Einnahmen weg, die für Bildung, Gesundheitsversorgung und Armutsbekämpfung dringend benötigt würden. Auf Platz 9 im Ranking liegt Hong Kong.
Die Karibik-Insel Curacao ist gerade einem 444 Quadratkilometer groß – und laut Oxfam eine der größten Steueroasen der Welt. „Steueroasen stehen im Zentrum eines ruinösen Steuerwettlaufs. Sie müssen dringend trockengelegt werden. 90 Prozent der 200 weltgrößten Konzerne haben Ableger in Steueroasen“, kommentiert Oxfam-Experte Tobias Hauschild.
Laut Oxfam verlieren arme Länder durch Steuervermeidung von Unternehmen mindestens 100 Milliarden US-Dollar im Jahr. „In den Staatshaushalten würde dieses Geld ausreichen, um 124 Millionen Kindern den Besuch einer Schule zu ermöglichen und mit verbesserter Gesundheitsversorgung weiteren sechs Millionen Kindern das Leben zu retten“, sagt Hauschild. Luxemburg schafft es im Oxfam-Ranking auf Platz 7.
Firmen wie Apple und Starbucks haben es längst erkannt: Auch in Irland kann man Steuern sparen. Kein Wunder also, dass das Land auf Platz 6 im Ranking der Steueroasen auftaucht.
Auf Platz 5 folgt zugleich Singapur. Dem Stadtstaat in Südostasien wirft Oxfam vor allen Dingen übermäßige Steueranreize für Unternehmen vor. Zudem gebe es Beweise für groß angelegte Gewinnverlagerungen.
Auf Platz 4 im Ranking stehen die Nachbarn aus der Alpenrepublik. Der Bundesregierung kommt im Kampf gegen Steueroasen eine Schlüsselrolle zu, so Hauschild. Sie muss ihre G20-Präsidentschaft und ihr Gewicht in der EU nutzen, um den ruinösen Steuerwettlauf zu beenden.
Wer an Steueroasen denkt, dem kommt wohl kaum ein Bild der Niederlande in den Kopf. Besonders die übermäßigen Steueranreize und einige Beweise, dass in dem Land großangelegte Gewinnverlagerungen stattfinden, bescheren den Niederlanden den dritten Platz im Ranking.
Dass die Cayman-Inseln es ins Ranking geschafft haben, dürfte die wenigsten Beobachter verwundern. Die Inseln sind seit jeher als Steueroase bekannt. Oxfam zufolge gibt es auch hier keine Unternehmenssteuern.
Den ersten Platz des Rankings belegt Bermuda. Das britische Überseegebiet im Atlantik hat Oxfam zufolge eine Unternehmenssteuer von 0 Prozent. Zudem beteilige sich Bermuda nur in äußerst geringem Maße an internationalen Abkommen zur Steuervermeidung.