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Morning BriefingUS-Truppen vor Venezuela – geht es wirklich um Drogenschmuggel?

Christian Rickens 27.11.2025 - 06:00 Uhr
Morning Briefing

US-Aufmarsch: Trumps Pläne in Venezuela

27.11.2025
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

von Woche zu Woche erhöht der US-Präsident den militärischen Druck auf das Regime in Venezuelas Hauptstadt Caracas um den Präsidenten Nicolás Maduro. Welche Motive stecken hinter der Verlegung von Schiffen und Flugzeugen, die eine „Feuerkraft“ umfassen, „um Caracas an einem Nachmittag dem Erdboden gleichzumachen“, wie Politexperte und Euroasia-Chef Ian Bremmer bemerkt?

Trump ist alles zuzutrauen. Ich glaube aber nicht, dass er eine Invasion wagen würde. Da haben die USA sehr schlechte Erfahrungen gemacht, siehe Afghanistan und Irak.

Allerdings sei „die US-Regierung fest entschlossen, alles unterhalb einer Invasion zu testen, um das Regime in Caracas zu stürzen“.

Anfang der Woche setzten die USA das Regime um den Präsidenten auf die US-Liste internationaler Terrororganisationen. Das eröffnet den Weg für weiterreichende Sanktionen und Spielräume für militärische Operationen.

Offiziell begründet Washington seinen aggressiven Kurs mit dem Kampf gegen den Drogenschmuggel. Die US-Marine hat seit September bei mindestens 21 Angriffen auf angebliche Drogenboote mindestens 83 Menschen getötet. Doch laut US-Experten gelangt nur ein kleiner Teil des in den USA konsumierten Kokains von Venezuela aus in die Staaten.

Populär wäre ein Krieg gegen Venezuela ohnehin nicht: Laut einer Umfrage des TV-Senders CBS lehnen 70 Prozent der befragten US‑Bürgerinnen und ‑Bürger „militärische Maßnahmen“ in Venezuela ab. Nur 13 Prozent sehen in Venezuela eine „große Bedrohung“.

Longread Venezuela Trump, Nicolas Maduro Foto: AFP, Picture Alliance, Reuters [M]

Das wiederum nährt den Verdacht, dass der Kampf gegen den Drogenhandel nur ein Vorwand sein könnte. Mit einem Regime-Change in Venezuela würde Trump gleich mehrere Ziele erreichen. Zum einen könnte Venezuela der US-Wirtschaft einen direkten Zugang zu reichen Rohstoff- und Energievorkommen vor der Haustür der USA bieten. Zudem könnte Trump den Einfluss der konkurrierenden Mächte China, Russland und auch Iran in Venezuela eindämmen.

Südafrika soll nicht am nächsten G20-Treffen teilnehmen

Trump will die Teilnahme Südafrikas am G20-Gipfel im kommenden Jahr in den USA verhindern. Der US-Präsident schrieb auf der Plattform „Truth Social“, auf seine Anweisung hin werde Südafrika keine Einladung für das Treffen im Dezember 2026 in Miami erhalten. Er warf Südafrika erneut vor, einen „Genozid“ an weißen Bauern zu begehen. Experten ebenso wie Südafrikas Regierung widersprechen der Darstellung eines angeblichen Völkermords entschieden.

Rachel Reeves am Mittwoch im Unterhaus: Die britische Finanzministerin stellte  ihre Haushaltspläne vor. Links hinter hier Premierminister Keir Starmer. Foto: AFP

Turbulenzen nach Panne beim britischen Haushalt

Mit einem Mix aus Steuererhöhungen von insgesamt 26 Milliarden Pfund (etwa 30 Milliarden Euro), mehr Kindergeld und weniger Schulden will die britische Labour-Regierung von Premierminister Keir Starmer das Königreich und sich selbst aus der Krise führen. Die Vorschläge seien „fair, aber notwendig“, sagte Finanzministerin Rachel Reeves, als sie am Mittwoch im Parlament ihren Haushaltsentwurf vorlegte.

Durch einen technischen Fehler des Office for Budget Responsibility (OBR) wurde der Haushaltsplan bereits kurz vor der Rede der Finanzministerin veröffentlicht und sorgte für Turbulenzen an den Kapitalmärkten. Die Renditen für zehnjährige britische Staatsanleihen schwankten zunächst stark und pendelten sich dann auf einem etwas niedrigeren Niveau bei ungefähr 4,45 Prozent ein.

Großbritannien steht wegen seiner Schuldenquote von rund 95 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) unter Beobachtung internationaler Investoren und zahlt die höchsten Kreditkosten unter den sieben führenden Industrienationen (G7).

Premier Starmer und Finanzministerin Reeves gehören zu den unbeliebtesten Politikern seit den 1970er-Jahren und müssen um ihr politisches Überleben fürchten. In der Labour-Partei wird offen über einen Sturz des Regierungschefs debattiert.

Im letzten Quartal des laufenden Jahres dürfte die britische Wirtschaft nur minimal um 0,1 Prozent wachsen. Im Jahr 2026 soll das Bruttoinlandsprodukt laut Prognose des OBR um 1,4 Prozent zulegen. Zum Vergleich: Für Deutschland erwartet die OECD 2026 ein Plus von 1,1 Prozent.

Co-AfD-Chefs Weidel und Chrupalla: Die Programme der Partei zeigen, wie die Partei in der Regierung die Wirtschaft beeinflussen könnte. Foto: REUTERS

Austritte bei Familienunternehmer-Verband

Der Verband der Familienunternehmer zeigt sich neuerdings offen für Gespräche mit der AfD. Die Drogeriemarktkette Rossmann und der Thermomix-Hersteller Vorwerk kündigten daraufhin ihre Mitgliedschaft bei den Familienunternehmern. Auch die Deutsche Bank reagiert – sie hat einen Vertrag für künftige Veranstaltungen des Verbands in ihrer Berliner Repräsentanz gekündigt.

Die Führung der AfD wiederum rechnet damit, dass durch die Öffnung des Verbands mittelfristig mehr Unternehmer Kontakt zu der Partei suchen werden. Was sie dort inhaltlich erwartet, hat mein Kollege Dietmar Neuerer zusammengetragen.

Beladen einer Boeing 777F in Frankfurt: Vorwürfe der Piloten gegen das Management beim Thema Sicherheit. Foto: picture alliance/dpa

Brandbrief bei Lufthansa Cargo

Es ist in der Geschichte von Lufthansa ein einmaliger Vorgang: Piloten der Frachttochter Lufthansa Cargo haben das eigene Unternehmen bei der Aufsichtsbehörde, dem Luftfahrt-Bundesamt, wegen angeblicher Verstöße gegen interne Sicherheitsvorgaben angezeigt. Die Personalvertretung übermittelte der Behörde am 15. September eine Liste mit mehreren mutmaßlichen „Compliance-Verstößen“.

Auch der Abschied des für „Safety & Compliance Monitoring“ zuständigen Piloten, also quasi des Sicherheitsmanagers der Fracht-Airline, sorgt für Aufregung. In einer internen Mail beklagt er wachsenden Druck und Widerstand gegen seine Arbeit.

Daraufhin verfassten mehr als 300 aktive und pensionierte Piloten einen Brandbrief an die Lufthansa-Führung und äußerten ihre Sorge um die Sicherheitskultur. Dem widerspricht Frank Bauer, im Cargo-Vorstand für das operative Geschäft zuständig. Flugsicherheit sei der entscheidende Grundpfeiler des Unternehmens, schreibt er an die Crews.

In Managementkreisen von Lufthansa Cargo wird vermutet, dass hinter dem Konflikt das Programm „Bold Moves Strategy“ stehen könnte. Für die Unternehmensführung ist es ein Wachstumsprogramm, viele Pilotinnen und Piloten nehmen es als Sparprogramm wahr. Ein Streitpunkt ist nach Informationen unseres Luftfahrt-Reporters Jens Koenen zum Beispiel die Größe der Crews auf besonders langen Flügen.

Berlin, bitte nicht nachmachen!

„Tatort“-Star Jan Josef Liefers und seine Frau Anna Loos haben dem „Spiegel“ ein Interview gegeben, in dem die beiden Schauspieler über die Herausforderungen von Liebesbeziehungen sprechen. Liefers rät an einer Stelle:

Achtung: Wenn Streit beginnt, beide sofort nackt ausziehen, ins Bett legen und dort weiter streiten.

Man könne sich nämlich unmöglich nackt im Bett liegend genauso streiten wie angezogen in der Küche.

Ich wäre den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des heutigen Koalitionsausschusses dankbar, wenn sie der Versuchung widerstünden, den Rentenstreit mit der Liefers-Methode beizulegen. Oder wenn zumindest Markus Söder dabei auf das übliche Selfie verzichten könnte.

Ihnen wünsche ich einen harmonischen Donnerstag.

Herzliche Grüße,

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Ihr

Christian Rickens

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