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Opal-Minen in AustralienDie Suche nach dem schimmernden Glück

Dank der starken Nachfrage aus China und Indien erleben Opale eine Renaissance. Das lockt Edelsteinsucher aus aller Welt nach Australien. In der Erde suchen sie nach dem Glück – manch einer für immer.Urs Wälterlin 08.04.2017 - 14:28 Uhr Artikel anhören

Ausschließlich Privatpersonen suchen in Australien nach den Edelsteinen.

Foto: picture-alliance / NHPA/photosho

Sydney. Was für eine Erlösung. Draußen ist es weit über 40 Grad heiß, hier, acht Meter unter der Erde, sind es angenehme 21 Grad. White Cliffs, im australischen Outback, gut tausend Kilometer westlich von Sydney. 103 Einwohner, Wüste, Sand und Staub. Trostlos, könnte man meinen. Doch dieser Ort mit seinen unzähligen Minen, die überdimensionierten Kaninchenbauten gleichen, mit verwinkelten Schäften und Wänden aus braunrotem Gestein, dieser Ort ist für Glückssucher seit 200 Jahren ein Ort der Hoffnung. Er steht für die Hoffnung auf den großen Fund, der das Leben für immer verändert.

Auch für Graeme Dowton. Er zeigt auf einen dünnen Streifen gläsernes Gestein. Es leuchtet blau, rot und grün – Opal. „Es ist ein kleiner, vertikaler Saum“, sagt der Mittvierziger. „Man weiß nicht, ob er gleich hier endet oder er sich metertief in die Wand erstreckt.“

Opale gibt es zwar auch in Ländern wie Chile, Brasilien und Kanada sowie in Afrika. Mit fast 95 Prozent der weltweiten Produktion aber ist Australien der wichtigste Herkunftsort. Opale sind eine Fusion von Siliziumoxid und Wasser, entstanden über Millionen von Jahren im Boden längst ausgetrockneter Meere, unter dem Druck des umliegenden Gesteins. Das Ergebnis ist ein Stein, in dem die ganze Pracht der Natur eingefangen sei, wie Sammler schwärmen: die Farben des Regenbogens, Feuer, Blitze, das Schimmern des Meeres.

Die alten Griechen sahen im Opal die Tränen von Zeus. Die Römer glaubten, er überschütte seinen Träger mit Reichtum. Im Mittelalter galt der Stein als „böses Auge“, ähnlich den Augen von Tieren, die der „Hexerei fähig“ seien – also beispielsweise Katzen, Schlangen und Kröten. Königin Victoria von Großbritannien machte den Opal schließlich zu einem Prestigeobjekt: Die sonst eher düstere Monarchin trug Steine von exquisiter Farbe und Brillanz.

Und gerade erlebt Opal eine Renaissance. In den letzten zwei Jahren hat sich der Preis für Steine guter Qualität praktisch verdoppelt. Laut John Dunstan von der Vereinigung der australischen Opalförderer in Coober Pedy „betteln uns Händler aus Indien und China praktisch an, ihnen mehr zu liefern“. Eine wachsende Mittelschicht in den asiatischen Ländern kauft das mysteriöse Gestein als Glücksbringer und in der Hoffnung, dass es Böses abwende. Als Kapitalanlage ist es ebenfalls geschätzt.

Opalsucher Dowton greift nach einem faustgroßen Stück Fels. Er leckt ihn leicht an. „So sehe ich, ob unter dem Staub Opal ist“, erklärt er. Es ist dieselbe Methode, die seit 1890 angewendet wird. Damals suchten auf diesem isolierten Flecken Erde bis zu 2.000 Leute nach Opalen. Es gab Pubs, Läden und Bordelle. Die ersten Kumpel hatten nichts als eine Kerze und eine Axt, mit der sie nach den Edelsteinen gruben.

Inzwischen hebt Dowton das bröckelige Material mit einem hydraulischen Hammer, angetrieben von einem Dieselgenerator an der Oberfläche. Doch nicht die Maschine, sondern das Ohr ist sein wichtigstes Arbeitsinstrument. Trotz des schlechten Lichts unter Tage hätten auch die „Oldtimers“, wie Dowton seine Vorgänger liebevoll nennt, selten einen Stein verpasst. „Wenn eine metallene Axt oder ein Hammer auf einen Opal trifft, tönt es, als ob man auf Glas schlägt.“
Opalsucher hoffen auf großen Fund

Die Minenschäfte können 20 oder sogar 30 Meter in die Tiefe ragen.

Foto: imago/UIG

Bis heute suchen ausschließlich Privatpersonen nach Opalen. Bergbauunternehmen interessiert der Edelstein nicht, da zu viel Erde bewegt werden muss, um an einen zu kommen. Hammer, Pickel und Muskelkraft sind noch immer wichtig beim Abbau von Opal – vor allem für Anfänger. Cashflow ist alles: Nur wer genügend große Mengen qualitativ hochwertigen Steins findet, kann sich Maschinen leisten. Und Diesel, der hier, mitten im Nirgendwo, ein Vermögen kostet.

Heute noch kann sich jeder für ein paar Dollar eine Pacht kaufen, sich einsam in der Wüste einen „Claim“ ausstecken und mit dem Graben beginnen. Das lockt Glückssucher aus der ganzen Welt an. Und Menschen auf der Flucht – vor der Polizei, vor der Steuer oder auch vor der Ehefrau. Doch in White Cliffs, Coober Pedy und den anderen Opalstädten Australiens wie Andamooka und Lightning Ridge fragt niemand nach der Vergangenheit. Jeder hat dieselben Rechte und dieselben Chancen, sein Glück zu machen.

Der Edelstein macht süchtig

Der Opal ist ein Edelstein, der süchtig macht. „Ich wollte für einen Monat bleiben. 52 Jahre später bin ich immer noch hier“, so Mick im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er lebt im südaustralischen Coober Pedy, der heimlichen Hauptstadt der australischen Opalindustrie. „Und ich bereue keine Minute“. Wie so viele Opal-Mineure stellt sich auch Mick nur mit Vornamen vor.

Er ist einer von denen, die Glück hatten. Wie viel Glück, das sagt er nicht. „Es gibt keine reichen Opalsucher“, sagt er schmunzelnd – wohl wissend, dass es unter ihnen auch ein paar Millionäre gibt. Viele Steine wechseln den Besitzer unter dem Tisch und damit auch unter Ausschluss des Steueramtes. So ist auch nicht sicher, wie viel Opal Australien insgesamt produziert. Schätzungen gehen von einer jährlichen Gesamtfördermenge im Wert zwischen 50 und mehreren Hundert Millionen Euro aus.

Einige Händler würden pro Karat eines Steins von bester Qualität bis zu 12 .000 Australische Dollar (umgerechnet 8.500 Euro) bezahlen, erzählt man sich in Coober Pedy. Verlässliche Zahlen gibt es allerdings nicht. Denn Opalsucher reden nicht gern. Schweigen ist wichtig im Opalgeschäft. Anfänger, die einen Millionenfund lautstark im Pub feiern, wissen weshalb. Während sie ihren Rausch ausschlafen, machen sich organisierte Diebe über ihre Mine her und graben den Opal aus. Wehe dem, der dabei erwischt wird. Opalstädte sind übersät mit ausgedienten Minenschäften, die zehn, 20 oder sogar 30 Meter tief sind. „Wer in einen solchen reinfällt, wird nie wieder gesehen“, sagt Mick. Diesmal schmunzelt er nicht.

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Die Industrie könne den historischen Aufschwung der Nachfrage nicht befriedigen, klagt Dunstan von der Opalfördervereinigung. Dabei gebe es gerade um das Örtchen Coober Pedy, das sich rund 850 Kilometer nördlich der südaustralischen Stadt Adelaide befindet, noch viele Steine im Boden. Um den Markt befriedigen zu können, „müssen wir Opale im Wert von 200 oder 300 Millionen Dollar fördern“. Doch dazu fehlt das Explorationskapital.

Und auch die Arbeitskräfte: Lebten in Coober Pedy in den achtziger Jahren noch etwa 800 Opalsucher, seien es heute vielleicht noch 100 Menschen, die ihr Glück auf diese Weise suchen. Auch Graeme Dowtons Nachfolge ist alles andere als gesichert. Während er schon als Sechsjähriger zum Pickel gegriffen habe, seien seine Kinder „mehr an Computern interessiert“ als an Hitze, Staub – und an der ewigen Hoffnung, dass hinter dem nächsten Stein der Fund des Lebens verborgen liegt.

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