Zwölf Thesen zur Führung im digitalen Zeitalter: Was die Führungskraft 4.0 drauf haben sollte
Trotz zunehmender Digitalisierung werden in Zukunft Chefs ihre Arbeitnehmer führen – und keine Menschen und Algorithmen. Die Management-Trainerin Barbara Liebermeister hat deshalb zwölf Thesen aufgestellt, wie es ihnen im digitalen Zeitalter gelingt, eine gute Führungskraft zu sein. Im März erschien ihr Buch „Digital ist egal: Mensch bleibt Mensch – Führung entscheidet“. Sie leitet das Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ).
Gerade in Zeiten, in denen sich Informations- und Kommunikationstechnologien immer rasanter entwickeln, sollten Führungskräfte der Expertin zufolge vor allem über Empathie und Sozialkompetenzen verfügen. Sie geben den Mitarbeitern Halt und Orientierung.
Smartphone, Tablet und Co. vereinfachen zwar häufig die Kommunikation, aber: „Kein Computerprogramm der Welt ersetzt agile Führungspersönlichkeiten, die für die Menschen in ihrem Umfeld Impuls- und Ideengeber sowie Motivatoren sind“, meint Liebermeister.
Die Expertin beobachtet, dass Führungskräfte immer seltener einen Wissensvorsprung gegenüber ihren Mitarbeitern haben. Das ist nicht weiter schlimm, wenn sie auf deren Expertise und Loyalität vertrauen. Denn: Zur Kernaufgabe von Chefs gehört Liebermeister zufolge, die Mitarbeiter mit Spezialwissen in Teams einzubinden und deren individuellen Stärken zu fördern.
Kreativität ist die Voraussetzung für Innovationen. Und: Sie ist eine der zentralen Fähigkeiten, die Menschen von Maschinen unterscheidet. Egal, ob der Chef Teamgeist fördern oder Konflikte lösen will – bei diesen Aufgaben helfen laut Management-Trainerin nur agile Führungspersönlichkeiten und keine Nullen und Einsen.
Moderne Führungskräfte sind keine Besser-Wisser. Sie begegnen ihren Mitarbeitern auf Augenhöhe. Anstatt Anweisungen zu geben, überlegen diese Chefs mit den Angestellten, welche Strategien den größten Erfolg fürs Unternehmen versprechen könnten.
„Je mehr emotions- und seelenlose Technik in den Unternehmen und ihrem Umfeld zum Einsatz kommt, umso bewusster müssen wir den persönlichen, emotionalen Umgang miteinander suchen und gestalten“, meint Liebermeister. Aus diesem Grund steige die Bedeutung von emotionaler Intelligenz für den Führungserfolg.
Je diffuser und instabiler das Arbeitsumfeld ist, umso stärker sehnen sich Mitarbeiter nach Orientierung und Sicherheit. Diesen Halt können ihnen Liebermeister zufolge nur die Führungskräfte bieten. Vorausgesetzt, Chef und Angestellter vertrauen sich und gehen respektvoll miteinander um.
„Leader aus Fleisch und Blut gefordert“, meint die Expertin. Heißt: Anstatt sich in seinem Büro zu verbarrikadieren und ausschließlich über Mails mit den Mitarbeitern zu kommunizieren, sollte der Chef als Mensch erfahrbar sein. Bei Problemen oder Verbesserungsvorschlägen gilt also, sich als Führungskraft kurz Zeit zu nehmen und mit dem Mitarbeiter gemeinsam eine Lösung zu finden. Andernfalls sind Missverständnisse vorprogrammiert, die sich negativ auf die Beziehung auswirken können.
Die Aussicht auf Prestige im Job lässt die Generation Y kalt. Für die Leistungsträger von Morgen stehen laut Liebermeister Sinnsuche und Selbstverwirklichung im Mittelpunkt. Die Einstellung teilen auch viele heutige Leistungsträger. „Gefragt sind kreative Führungsmethoden, die die individuellen Bedürfnisse berücksichtigen.“
Wegen der Digitalisierung wird es für Führungskräfte wichtiger, sich in die Gefühlswelt ihrer Angestellten hineinversetzen zu können. Die Folge: Der Mitarbeiter fühlt sich wohl und wertgeschätzt. Seine Motivation steigt, sich zu engagieren – eine wichtige Voraussetzung für Innovation.
„Führungskräfte sollten sich ihrer Werte, Überzeugungen und Stärken bewusst sein und diese kommunizieren, damit sie für ihre Mitarbeiter zu einer unverwechselbaren Marke werden“, sagt Liebermeister. Denn nur wer authentisch ist und zu seinen Werten steht, gewinnt das Vertrauen der Angestellten.
Für viele ist es leicht, sich über soziale Netzwerke wie Facebook oder Linkedin mit vielen Menschen zu vernetzen. Doch erfolgsentscheidend sind laut Management-Trainerin die Kontakte, die Führungskräfte offline pflegen. Denn: Beziehungen können zwar online angebahnt werden, Vertrauen setzt allerdings persönliche Begegnungen voraus. „Professionelles Netzwerken erfordert das Beste aus beiden Welten.“