Cerberus-Chef Stephen Feinberg: Der verschwiegene Höllenhund
Der Investor lauert auf Deals.
New York. In der griechischen Mythologie ist Cerberus ein monströser Hund mit mehreren Köpfen. Er bewacht das Tor zur Unterwelt und passt auf, dass keine Toten daraus entweichen.
Stephen Feinberg hat nur einen Kopf. Der 57-jährige Chef von Cerberus Capital bewacht keine Toten, aber seine Gesellschaft kauft gerne Beteiligungen und Schulden von todkranken Unternehmen auf – mit dem Ziel, sie wieder zu neuem Leben zu erwecken. Doch sie steigt auch bei lebendigen Firmen ein – wie jetzt mit fünf Prozent bei der Commerzbank.
Außerdem geht Feinberg eher wie eine Raubkatze als wie ein Hund auf die Jagd. Er wartet auf eine günstige Gelegenheit – dann schlägt er zu. Der europäische Bankenmarkt reizt den Amerikaner schon länger. So hat er in die österreichische Bank Bawag investiert. In Deutschland liegt der gelernte Banker, der in der Bronx geboren ist, seit geraumer Zeit auf der Lauer. Schließlich ist dieses Land der wirtschaftliche Motor Deutschlands. Auf der anderen Seite stecken die Banken dort zum Teil in Schwierigkeiten. Für einen Beteiligungsexperten wie Feinberg ein gefundenes Fressen – Probleme sorgen für niedrige Einstiegspreise, das Umfeld gibt eine gute Zukunftsperspektive.
Zunächst war er in Deutschland auf eine noch fettere Beute aus: die Postbank. Sie ist gemessen am Kundenstamm ein Riese, von der wirtschaftlichen Stärke her dagegen kein brillantes Unternehmen. Die Deutsche Bank wollte die lange ungeliebte Tochter verkaufen. Doch die Verhandlungen scheiterten – zwar war die Beute attraktiv, aber der Preis zu hoch. Beteiligungsexperten wie Feinberg beherzigen den alten Spruch: Im Einkauf liegt der Gewinn.
Die Commerzbank steckte ebenfalls lange tief in Problemen. Nach der Finanzkrise überforderte sie sich mit der Übernahme der Dresdner Bank. Das freute deren Verkäufer, die Allianz, zwang die Commerzbank beinahe in die Knie und brachte ihr eine rettende Beteiligung des Staats ein. Jetzt ist Cerberus, eine Beteiligungsgesellschaft mit mehr als 30 Milliarden Dollar Volumen, zweitgrößter Eigner nach der Bundesrepublik Deutschland. Und anders als die Deutsche Bank macht die Commerzbank wirklich einen großen Teil ihres Geschäft in Deutschland. Für einen, der in Europas stärkste Volkswirtschaft einsteigen will, ergibt das durchaus Sinn.
Ford als Ferrari
Feinberg hat sein Handwerk bei der Investmentbank Drexel Burnham gelernt. Die war berühmt für das Geschäft mit Hochzinsanleihen, über die häufig Unternehmensübernahmen finanziert wurden – so gesehen eine gute Schule für die spätere Karriere. Im Jahr 1992 gründete Feinberg zusammen mit einem Partner Cerberus. Obwohl er Milliardär ist, pflegt er einen vergleichsweise unauffälligen Lebensstil. Laut dem Magazin „Rolling Stone“ sagte er im Jahr 2007 vor Investoren: „Wenn wir von jemandem bei Cerberus das Bild und ein Foto seiner Apartments in der Zeitung sehen, dann feuern wir ihn nicht nur. Wir bringen ihn um. Die Gefängnisstrafe ist das wert.“ Nach anderen Medienberichten fährt er lieber Ford als Ferrari und trinkt lieber Bier als Wein.
Bekannt wurde Feinberg aber durch seine Verbindungen zur Politik. Im Februar hieß es, US-Präsident Donald Trump, der ihn als „sehr talentierten Mann“ bezeichnet, wollte ihn einsetzen, um die Geheimdienste zu durchleuchten. Im April kam er ins Gespräch als Kontrolleur für die Verteidigungsausgaben. Bisher ist nichts daraus geworden. Aber im Juni berichtete die „New York Times“ über erneute Gespräche zwischen Trump-Beratern und Feinberg über militärische Fragen. Interessant: Der Cerberus-Chef kontrolliert DynCorp, eine Firma, die als Vertragspartner für das Militär im Geschäft ist.
Von Strategie versteht der Mann hinter dem Höllenhund also etwas. Und das kann der Commerzbank ja nur nützen.