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Kommentar zur Deutschen BankJohn Cryan muss jetzt liefern

Die neue Deutsche Bank lässt sich nicht in einem Jahr erbauen. Das wissen auch die Kritiker von John Cryan. Und doch sind Großaktionäre ungeduldig. Der Vorstandschef braucht dringend einen guten Start ins neue Jahr.Michael Maisch 01.01.2018 - 15:31 Uhr Artikel anhören

Noch hat es Deutsche-Bank-Chef John Cryan selbst in der Hand, die Kritiker zu überzeugen.

Foto: AP

Interessant waren die Zeiten für das größte heimische Geldhaus in den vergangenen Jahren eigentlich immer, und oft genug auch ein Fluch. Gemessen an den Verwerfungen der Vorjahre, dem erzwungenen Abgang des Führungsduos Anshu Jain und Jürgen Fitschen 2015 und der tiefen Vertrauenskrise 2016, muss man das vergangene Jahr allerdings beinahe ruhig nennen.
Aber auch die Ruhe hat ihre Tücken. Einigen der einflussreichsten Großaktionäre der Bank war es eindeutig zu ruhig, vor allem, was den Börsenkurs angeht. Der lag am letzten Handelstag 2017 bei 15,87 Euro und damit ungefähr da, wo die Aktie das Jahr begonnen hatte. Dabei war die Bank so hoffnungsfroh gestartet. Zuerst gelang der kritische Vergleich mit den US-Behörden über faule Immobiliengeschäfte aus der Ära vor der Finanzkrise, dann konnte Vorstandschef Cryan bei den Aktionären über eine Kapitalerhöhung noch einmal acht Milliarden Euro einsammeln. Beides zusammen räumte die verhängnisvollen Zweifel an der Finanzkraft der Bank endgültig aus dem Weg.

Doch die Aufbruchstimmung verflog schnell, schon bald wurde klar, wie mühsam die Umsetzung der neuen Strategie werden würde, wie weit die Bank hinter den großen Konkurrenten aus den USA hinterherhinkt und wie lange es dauert, die in der Vertrauenskrise verlorenen Kunden wieder zurückzugewinnen. Eine ungesunde Gemengelage, die für Vorstandschef Cryan zur Bedrohung werden kann.

Zwar ist auch seinen Kritikern klar, dass sich die neue Deutsche Bank nicht in einem Jahr erbauen lässt, aber die Großaktionäre werden immer ungeduldiger. 2017 haben sie längst abgehakt, auf ein enttäuschendes drittes Quartal dürfte ein unspektakuläres viertes Quartal folgen. Doch schon das erste Halbjahr 2018, vielleicht sogar bereits die ersten drei Monate im neuen Jahr, traditionell die stärkste Zeit in der Bankenbranche, könnten darüber entscheiden, ob der Bank und dem Mann an ihrer Spitze wieder einmal ein „interessantes“ Jahr droht.

Die wichtigsten Anteilseigner, der chinesische Mischkonzern HNA, die Herrscherfamilie aus Katar, aber auch andere Großaktionäre fragen sich, ob Cryan Anfang des Jahres nicht zu viel Optimismus verbreitet hat. Und sie fragen sich, ob der als Sanierer durchaus geschätzte Vorstandschef wirklich der Richtige ist, um die Bank mit frischem Elan wieder auf Wachstum zu trimmen. Zu diesem latenten Misstrauen kommt eine große Unbekannte: der US-Finanzinvestor Cerberus, seit November mit mindestens drei Prozent an der Deutschen Bank beteiligt. Bislang schweigt sich die Beteiligungsgesellschaft über ihre Absichten beim Frankfurter Geldhaus aus. Aber Cerberus hat einen Ruf als knallharter Sanierer und wird sich kaum zurücklehnen und entspannt darauf warten, dass der Aktienkurs des neuen Großinvestments von selbst zu steigen beginnt. Eine ungemütliche Situation für Cryan, zumal sich der Topmanager, nach allem was man hört und liest, nicht gerade proaktiv um ein gutes und enges Verhältnis zu den größten Aktionären bemüht hat, um es einmal vorsichtig auszudrücken.

Was würde geschehen, wenn sich Aufsichtsratschef Paul Achleitner tatsächlich nach einem neuen Vorstandschef umschauen müsste? Mit Cryans beiden Stellvertretern, Privatkundenchef Christian Sewing und Chef-Investmentbanker Marcus Schenck, stünden zwar zwei interne Kandidaten bereit, aber die Großaktionäre scheinen den beiden den Job (noch) nicht zuzutrauen. Die Stellvertreter haben allerdings die Gelegenheit zu beweisen, dass sie doch für höhere Weihen taugen. Schließlich ruht auf ihren Schultern die Hauptlast des Umbaus.

Schenck muss die traditionelle Stärke der Bank, den Handel wieder in Schwung bringen. Gelingt ihm das, könnte die Stimmung der Großaktionäre schnell drehen. Sewing hat den wahrscheinlich komplexesten Teil der neuen Strategie vor sich: die Integration der Postbank. Nachdem der Verkauf der Bonner Tochter scheiterte, soll sie nun mit der Privatkundensparte der Mutter verschmolzen werden. Damit entsteht mit rund 20 Millionen Kunden ein neuer Riese auf dem deutschen Markt. Eine enorme Herausforderung für Sewing, aber auch eine große Chance.

Aber vielleicht wird 2018 ja gar nicht so interessant für die Deutsche Bank. Noch hat es Cryan selbst in der Hand, die Kritiker zu überzeugen. Denn allzu viele externe Kandidaten, die einen besseren Job an der Spitze der größten deutschen Bank machen könnten und ihn auch machen wollen, finden sich in der Finanzwelt nicht.

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