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  5. Blackstone, KKR, Carlyle: Private Equity vor Generationswechsel

Blackstone, KKR, Carlyle, ApolloDie Legenden der Beteiligungsbranche ziehen sich langsam zurück

In der billionenschweren Private-Equity-Industrie steht ein Generationswechsel an. Frauen spielen dabei bislang keine Rolle.Peter Köhler 14.02.2018 - 20:18 Uhr Artikel anhören

Der Blackstone-Chef regelt seine Nachfolge.

Foto: Bloomberg

Frankfurt. Vor nunmehr 30 Jahren wurde an der Wall Street eine ganz neue Ära eingeläutet. Die Private-Equity-Gesellschaft Kohlberg Kravis Roberts – abgekürzt KKR – übernahm in einem spektakulären Milliardendeal den Mischkonzern RJR Nabisco, um ihn später zu filetieren und die Einzelteile weiterzuverkaufen. Das rüde Vorgehen war Stoff für den Bestseller „Barbarians at the Gate“ und gleichzeitig die Geburtsstunde einer Erfolgsbranche.

Die jungen Wilden von damals sind mittlerweile durch die Bank steinreich und gehören zum Establishment. Und das gilt als Problem, eine Verjüngung der Beteiligungsbranche ist längst überfällig. Denn die Gründer der Beteiligungsgesellschaften Carlyle, Apollo, KKR und Blackstone haben das Renteneintrittsalter allesamt überschritten, die KKR-Mitgründer Henry Kravis und George Roberts sind beispielsweise deutlich über 70 Jahre alt.

Große Aufgaben warten

Der jüngste Stabwechsel in der Branche wurde am Mittwoch beim Finanzinvestor Blackstone vollzogen. Der 48-jährige Jon Gray wird zukünftig als President und Chief Operating Officer an Gründer Stephen Schwarzman berichten, der als Chief Executive Officer den Generationswechsel begleitet. Gray ist ein Hausgewächs von Blackstone, seine bisherige Karriere machte er mit Immobilientransaktionen, die neben Firmenübernahmen ein wesentliches Standbein von Blackstone sind. Gray wird zwar in seinem Umfeld als detailbesessener, zielstrebiger Workaholic beschrieben, gleichzeitig genießt seine Familie mit den vier Töchtern aber einen hohen Stellenwert. Wenn alle einmal beisammen sind, geht er zum Mittagessen auch schon mal nach Hause, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die neue Generation der Private-Equity-Manager steht vor enormen Herausforderungen und Umbrüchen. Die Zahl der Beteiligungsfonds hat weltweit stark zugenommen, entsprechend hart ist der Wettbewerb um lukrative Deals. Im vergangenen Jahr wurden weltweit 453 Milliarden Dollar neu eingesammelt, so viel wie noch nie zuvor, das geht aus Daten des Informationsdienstes Preqin hervor.

Gleichzeitig hat sich ein Vermögen von einer Billion Dollar angehäuft, das die Beteiligungsgesellschaften investieren müssen. Hier machen die institutionellen Geldgeber Druck, die ihre zugesagten Mittel im Einsatz sehen wollen, schließlich fallen jedes Jahr Managementgebühren an. Kein Wunder, dass laut Preqin 62 Prozent der Manager die hohen Bewertungen und Kaufpreise als größte Herausforderung für 2018 ansehen, danach folgen mit 42 Prozent Bedenken, man könne die versprochenen Renditen nicht mehr liefern.

Das sind die Herausforderungen, die die Nachfolger der ersten Private-Equity-Generation meistern müssen. Den Anfang machte 2017 KKR, wo Scott Nuttall und Joseph Bae zusammen das operative Geschäft übernahmen – die Gründer aber weiter ein wachsames Auge haben. Mit den beiden Mittvierzigern stehe nun „das richtige Team für die nächsten Jahrzehnte bereit“, ließen Kravis und Roberts verlauten.

Auch die Beteiligungsgesellschaft Carlyle hat 2017 die Weichen für die Nachfolge der Unternehmensgründer gestellt. Glenn Youngkin und Kewsong Lee übernahmen als Co-Vorstandschefs die operative Führung des Private-Equity-Hauses, die Gründer David Rubenstein und Bill Conway – beide 68 zum Zeitpunkt der Ankündigung – ziehen sich auf die Rolle als Co-Executive Chairman zurück. Der über 70-jährige Dan D’Aniello bleibt als Chairman Emeritus im Board.

Topetage ohne Frauen

Zwar sieht es bei Carlyle nach einer echten Zepterübergabe aus, aber auch hier hat Rubenstein immer wieder klargemacht, dass er den Ruhestand für ungesund hält. „Wer über 70 oder über 80 ist und noch arbeitet, der fällt nicht so leicht um. Nehmen Sie den Unternehmer John D. Rockefeller, der arbeitete sehr lange und wurde 97 Jahre alt“, hatte Rubenstein in einem Handelsblatt-Interview gesagt. Sein Motto laute: niemals aufgeben und niemals aufhören zu arbeiten.

Ein weiteres Problem, für das die Private-Equity-Industrie noch keine Lösung gefunden hat, ist der Frauenmangel. Tatsächlich ist bei den jüngsten Veränderungen im Topmanagement der führenden Beteiligungsgesellschaften keine Frau involviert. „Initiativen wie Level 20 verfolgen das Ziel, den Anteil der Frauen in Seniorpositionen nachhaltig zu erhöhen.

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Dazu müssen nicht nur Frauen aus der Branche gezielt gefördert werden, sondern auch Frauen außerhalb der Branche für Private Equity begeistert werden“, meint Beteiligungsexpertin Dörte Höppner. Level 20 hat jetzt auch in Deutschland zum Ziel, den Frauenanteil in Führungspositionen auf 20 Prozent zu steigern. „Frauen in Private Equity brauchen Vorbilder und müssen sich stärker vernetzen“, glaubt Daniela Braemisch von der Personalberatung PER.

Dass sich eine Karriere in der Private-Equity-Branche nach wie vor lohnt, beweist Leon Black, der Mitgründer von Apollo Global Management. Das Gehalt und vor allem die Dividendenzahlungen addierten sich 2017 auf 191,3 Millionen Dollar, das waren 45 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Laut dem Bloomberg Billionaires Index beläuft sich das Vermögen des 66-jährigen Finanzinvestors jetzt auf rund 5,9 Milliarden Dollar.

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