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MedienkonzernWas General Atlantic jetzt bei Pro Sieben Sat 1 vorhat

Für das Private-Equity-Haus General Atlantic zählt nach dem Einstieg beim Medienkonzern vor allen Dingen eins: das Umsatzwachstum.Joachim Hofer 25.02.2018 - 16:52 Uhr Artikel anhören

Der neue Investor General Atlantic fordert ein zweistelliges Umsatzwachstum.

Foto: dpa

München. Zehn Firmen, eine Vorgabe: groß werden. Nichts anderes fordert General Atlantic von den Unternehmen, die Pro Sieben Sat 1 in der neu geschaffenen E-Commerce-Sparte NuCom vereint. „Unser vorrangiges Ziel ist Umsatzwachstum. Damit schaffen wir Werte“, sagte Jörn Nikolay, Deutschlandchef des amerikanischen Finanzinvestors, dem Handelsblatt.

Am vergangenen Donnerstag ist General Atlantic bei NuCom eingestiegen. 300 Millionen Euro hat das Private-Equity-Haus für einen Anteil von 25,1 Prozent auf den Tisch gelegt. In den nächsten Jahren wollten die beiden Partner den Wert von NuCom massiv steigern, betonte Nikolay; auf drei, vier oder sogar fünf Milliarden Euro. Je nachdem, wie lange der Dax-Konzern und der Risikokapitalgeber zusammen arbeiten würden.

Um das zu erreichen, fordert der Manager ein jährliches Umsatzwachstum von NuCom, das sich an den anderen Unternehmen im Portfolio von General Atlantic orientiert. Vergangenes Jahr erzielten die 80 Beteiligungen ein durchschnittliches Plus von rund 30 Prozent. Ein Drittel mehr jedes Jahr, das ist also die Marke, an der sich NuCom orientieren kann.

Zu NuCom gehören zehn Unternehmen, unter anderem das Vergleichsportal Verivox, die Partnervermittlung Parship und Jochen Schweizer, ein Anbieter von Erlebnisgutscheinen. Eigenen Angaben zufolge kamen die Firmen vergangenes Jahr auf einen Umsatz von 650 Millionen Euro.

General Atlantic ist bei weltbekannten Start-ups wie Airbnb, Snapchat oder Uber engagiert. In Deutschland hat die Firma Millionen in Flixbus investiert. Insgesamt beziffert der Finanzinvestor den Wert seiner Beteiligungen auf 21 Milliarden Dollar (rund 17 Milliarden Euro).

Die beiden Unternehmen kennen sich schon länger und haben 2016 gemeinsam Käuferportal erworben, einen Internetvermittler von Dienstleistungen und Produkten rund ums Haus. „Wir haben in den vergangenen Jahren eine sehr gute Beziehung zu Pro Sieben Sat 1 aufgebaut“, so Nikolay.

Er will sich ganz Europa nach Möglichkeiten für Zukäufe umschauen.

Foto: General Atlantic

Das muss wohl so sein, denn von den Querelen an der Konzernspitze ließ sich der 39-Jährige nicht abschrecken. Der langjährige Vorstandschef Thomas Ebeling verließ vergangenen Donnerstag nach neun Jahren die Mediengruppe. Es war ein überhasteter Rückzug, der 59-Jährige besaß einen Vertrag bis 2019. Ihm war jedoch die schwache Entwicklung des Kerngeschäfts Werbefernsehen vergangenes Jahr angekreidet worden. Im Herbst hatte er zudem mit abfälligen Bemerkungen über „ein bisschen fettleibige“ Zuschauer Schlagzeilen gemacht.

Ebeling war es, der den Vorstoß vom angestammten Kerngeschäft Fernsehen in neue Bereiche wie den Onlinehandel vorangetrieben hatte. So stammt heute rund die Hälfte vom Umsatz aus Geschäften, die nichts mit den TV-Sendern zu tun haben; neben dem E-Commerce sind das unter anderem Filmproduzenten oder Youtube-Vermarkter.

Eine strategische Weichenstellung, die Beobachter Ebeling hoch anrechnen, wenngleich der Aktienkurs kräftig gestiegen ist, seit er seinen vorzeitigen Rückzug im Dezember angekündigt hatte. „Er hatte eine Vision, und er hat sie umgesetzt. Aber in den letzten zwei Jahren hatte er keine glückliche Hand mehr“, sagte Daniela Bergdolt, Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

General Atlantic könnte sich wieder von Pro Sieben Sat 1 trennen

Sein Nachfolger ist noch nicht an Bord. Der ehemalige Chef des Staubsaugerproduzenten Dyson, Max Conze, wird erst am 1. Juni sein neues Amt antreten. Nikolay stört das nicht, weil die einzelnen Beteiligungen sich auch so gut entwickelten: „Die Firmen haben tolle Managementteams.“

General Atlantic soll Pro Sieben Sat 1 dabei helfen, das Geschäft über den deutschsprachigen Raum hinaus auszubauen. Ebeling sagte an seinem letzten Arbeitstag am Donnerstag, der Einstieg des Partners sei der „Startschuss für den Portfolioausbau sowie die weitere Beschleunigung des Wachstums in diesem Bereich“. Dabei stünden auch Akquisitionen auf der Agenda. General Atlantic will genau da eingreifen. „Es gehört zu unserem Tagesgeschäft, uns in ganz Europa umzuschauen. Aber auch in Deutschland können wir sicher etwas zum Erfolg beitragen“, unterstrich Nikolay.

Die gesamte Sparte Onlinehandel und Beteiligungen, die NuCom beinhaltet, ist 2017 um 30 Prozent auf 996 Millionen Euro Umsatz gewachsen. Sie stand für rund ein Viertel aller Erlöse des Konzerns. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, kurz Ebitda, stieg um 23 Prozent auf 221 Millionen Euro. Der Konzernumsatz kletterte 2017 demgegenüber nur um sieben Prozent auf 4,1 Milliarden Euro, der Gewinn um sechs Prozent auf 471 Millionen.

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Medienkonzerne sind für General Atlantic nichts Neues. Von 2012 an hatten die Beteiligungsexperten bereits Axel Springer geholfen, das Geschäft mit Kleinanzeigen für Autos, Stellen und Immobilien im Internet auf- und auszubauen. Im Gegenzug bekamen die Amerikaner Aktien und waren zeitweise der zweitgrößte Anteilseigner der Berliner.

Wie sich General Atlantic eines Tages wieder von Pro Sieben Sat 1 trennen werde, sei offen, so Nikolay. Optionen gebe es aber viele. Ein Börsengang von NuCom sei möglich, ebenso ein Rückkauf der Anteile durch die Sendergruppe. Kasse machen könnten die Partner aber auch durch den Verkauf einzelner Firmen aus dem Portfolio.

Das kann durchaus lukrativ sein. Den Wert des Onlinereisebüros Etraveli verdoppelten die Münchener binnen zwei Jahren. Vergangenen Sommer trennte sich der Konzern von der Firma mit einem satten Gewinn. Analysten sehen das Engagement der Amerikaner bei Pro Sieben Sat 1 denn auch positiv. Die Partnerschaft mit General Atlantic sei ein Beleg für den strategischen Wert des Digitalgeschäfts von Pro Sieben Sat 1, urteilt Barclays-Analyst Julien Roch.

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