Währungsmanipulation: Chinesischer Yuan profitiert von Rücknahme der US-Vorwürfe
Die chinesische Währung hat zuletzt wieder etwas aufgewertet.
Foto: AFPFrankfurt, Peking. US-Präsident Donald Trump hat China in den vergangenen Monaten immer wieder wegen seiner Währung attackiert. „Sowas nennt man Währungsmanipulation,“ schrieb er im August, als die chinesische Währung Yuan auf einen Tiefststand im Vergleich zum Dollar fiel. Nun leitet die US-Regierung eine Kehrtwende ein und streicht China von der Liste von Ländern, denen es vorwirft, ihre Währung zu manipulieren.
China habe sich überprüfbar dazu verpflichtet, die Landeswährung Yuan nicht mehr zu nutzen, um sich im internationalen Wettbewerb Vorteile zu verschaffen, hieß es in einem am Montag veröffentlichten Bericht des US-Finanzministeriums.
Der Schritt kann als weitere Entspannung im Handelsstreit gewertet werden, am Mittwoch soll dazu in Washington ein Teilabkommen unterzeichnet werden. Von dieser Meldungen profitiert die chinesische Währung. Der Dollar fiel am Dienstag im Gegenzug um bis zu 0,4 Prozent auf ein Sechs-Monats-Tief von 6,8661 Yuan. „Dies hat vor allem symbolische Bedeutung,“ sagt Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding. Langfristige Folgen für den Kurs des Yuan erwartet er dagegen nicht.
Das Wechselkursthema hängt eng mit dem Handelskonflikt zusammen. Erklärtes Ziel von US-Präsident Trump ist es, das Defizit der USA im Außenhandel zu drücken. Ein harter Dollar macht dies jedoch tendenziell schwieriger Steigt der Dollar und schwächelt der chinesische Yuan, so werden US-Exporte in China teurer – und damit weniger attraktiv. Umgekehrt werden chinesische Exporte in den USA attraktiver und können dadurch tendenziell heimische Produkte leichter verdrängen.
Die USA hatten China in diesem Jahr auf die Liste von Ländern gesetzt, denen sie vorwerfen, ihre Währung zu manipulieren. Auf der Liste stehen unter anderem auch Deutschland, Italien, Japan und neuerdings auch die Schweiz.
Für die Einstufung eines Landes als Währungsmanipulator sind drei Kriterien entscheidend:
- Das Land muss einen signifikanten Handelsüberschuss gegenüber den USA aufweisen.
- Das Land muss einen beträchtlichen Leistungsbilanzüberschuss erzielen, also einen positiven Saldo im Handel von Gütern und Dienstleistungen mit dem Ausland.
- Es muss Beweise geben, dass das Land am Devisenmarkt interveniert.
China erzielt einen hohen Handelsüberschuss gegenüber den USA und hatte jahrelang ebenso wie Deutschland hohe Leistungsbilanzüberschüsse. Zuletzt sind diese aber deutlich zurückgegangen.
Im Unterschied zum Euro oder Dollar ist die chinesische Währung Yuan am Markt tatsächlich nicht frei handelbar. Die Notenbank der Volksrepublik legt täglich einen Mittelwert fest, von dem der Kurs maximal zwei Prozent abweichen kann. Dabei orientiere man sich laut offizieller Vorgabe am Markt, heißt es. Der Kurs ist allerdings gesetzt, und so steht bei Kursbewegungen dann auch immer die Frage im Raum, ob sie von der chinesischen Regierung gesteuert wurden.
Notenbank verhinderte Abwertung
Als Trump im August noch höhere Zölle auf chinesische Waren ankündigte, fiel die psychologische Marke von mehr als sieben Yuan pro Dollar. Das befeuerte Spekulationen, dass die chinesische Regierung den Yuan-Kurs bewusst drückt.
Experten gehen allerdings davon aus, dass Regierung und Notenbank den Kurs des Yuan zuletzt eher gestützt haben, um die USA im Handelsstreit nicht weiter zu verärgern. Allenfalls habe die chinesische Regierung die Stützung der eigenen Währung nach der Zollankündigung zeitweise zurückgefahren. „Die chinesische Notenbank hat den Kurs des Yuan aus politischen Gründen eher hochgehalten,“ sagt Berenberg-Chefökonom Schmieding.
Ähnlich äußert sich auch Commerzbank-Devisenexpertin Thu Lan Nguyen: „Die chinesische Notenbank steuert in der Tat ihren Wechselkurs, in den letzten Jahren verhinderte sie jedoch primär, dass dieser nicht zu stark abwertet.“
Nguyen hält das Wechselkursthema allerdings noch nicht für erledigt. Die aktuelle Zurückhaltung von US-Präsident Trump bei dem Thema erklärt sie damit, dass es nicht in seinem Interesse liege, China kurz vor Abschluss des Teilabkommens im Handelsstreit zu verärgern. Damit sei das Thema aber noch nicht vom Tisch, meint Nguyen: „Mit Blick auf die US-Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr könnte es sogar sein, dass der Dollar noch viel stärker in seinen Fokus rückt.“