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KommentarWasserstoff: Endlich handeln und nicht nur ankündigen

Die Bundesregierung setzt sich beim Thema Wasserstoff große Ziele. Dabei hätte sie schon viele Hürden vor Monaten und Jahren beseitigen können.Klaus Stratmann 02.02.2020 - 19:51 Uhr

Wasserstoff könnte als Ersatz für die herkömmlichen Kraftstoffe helfen, die Treibhausgase im Verkehrssektor zu reduzieren.

Foto: OMV Solutions GmbH

Der Entwurf der „Nationalen Wasserstoffstrategie“ aus dem Bundeswirtschaftsministerium spart nicht mit ehrgeizigen Zielen und selbstbewussten Ankündigungen. Wasserstoff spiele eine „zentrale Rolle bei der Vollendung der Energiewende“. Die Strategie definiere die Schritte, die notwendig seien, „um die Vorreiterrolle deutscher Unternehmen im Bereich der Wasserstofftechnologien auszubauen“.

Bei so viel Begeisterung für Wasserstoff verwundert es allerdings, dass es die Bundesregierung seit Jahren nicht schafft, viele kleine Hürden aus dem Weg zu räumen.

Dazu ein paar Beispiele. Der wohl eklatanteste Fall ist die Umsetzung der Renewable Energy Directive II (RED II) der EU in nationales Recht. Die Mineralölwirtschaft fordert seit Langem, dass der Einsatz von grünem Wasserstoff im Raffinerieprozess auf die Treibhausgas-Minderungsquote im Verkehrssektor angerechnet werden soll.

Damit wäre eine Alternative zur Beimischung von Biosprit geschaffen, und es entstünde ein Markt für grünen Wasserstoff. Seit Langem kommt die Bundesregierung in dieser Frage nicht voran. Das Thema taucht immer wieder auf, auch im Entwurf der Wasserstoffstrategie. Es könnte schon längst abgearbeitet sein. Wer diese niedrig hängenden Früchte bislang verschmäht hat, dem kann man die neue Begeisterung für Wasserstoff nur schwer abkaufen.

Dass die wohl ambitioniertesten Projekte zur Produktion von grünem Wasserstoff in Deutschland seit Monaten auf Eis liegen, weil sie nicht in den eng gefassten Rahmen der Stromnetzregulierung passen, lässt den Enthusiasmus der Bundesregierung ebenfalls in keinem guten Licht erscheinen: Die beiden Stromnetzbetreiber Amprion und Tennet planen unabhängig voneinander jeweils gemeinsam mit Partnern aus der Gaswirtschaft den Bau von Anlagen zur Produktion von grünem Wasserstoff mittels Windstrom.

Angepeilt ist die 100-Megawatt-Klasse. Das wäre der Vorstoß in die industrielle Dimension. Die Bundesnetzagentur zieht sich jedoch auf die Position zurück, der Bau solcher Anlagen gehöre nicht zu den Aufgaben eines Netzbetreibers. Immerhin enthält die Wasserstoffstrategie eine Formulierung, die so zu deuten ist, dass man die beiden Vorhaben als Pilotprojekte doch genehmigen könnte. Hoffentlich trügt der Eindruck nicht.

Dass Wasserstoff als eigene Gasbeschaffenheit im regulierten Gasnetz noch nicht einmal rechtlich anerkannt ist, ist ebenfalls stark erklärungsbedürftig.

Das Thema Wasserstoff ist nicht gestern vom Himmel gefallen. Die Bundesregierung hätte in den vergangenen Monaten und Jahren ohne großen Aufwand oder Mitteleinsatz bereits viel erreichen können. Jetzt muss sie wirklich liefern.

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