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Private EquityHandlungsbedarf beim Thema Wachstumskapital – „In Deutschland haben wir ein Umsetzungsproblem“

Die Chefin des Branchenverbands Beteiligungsgesellschaften fordert, den Fonds zur Finanzierung von Neugründungen in Deutschland endlich ans Laufen zu bringen.Peter Köhler 23.02.2020 - 15:48 Uhr

Die Chefin des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften hofft, dass der Zukunftsfonds für Venture Capital bald realisiert wird.

Foto: Handelsblatt

Ulrike Hinrichs fürchtet, die deutschen Start-ups könnten wegen des Mangels an Wachstumskapital international den Anschluss verlieren oder von angelsächsischen Wagnisfinanzierern aufgekauft werden. Von der Politik fordert sie, endlich den Zukunftsfonds auf den Weg zu bringen, der schon im vergangenen Jahr an den Start gehen sollte. Die 51-jährige geschäftsführende Vorständin des Bundesverbands Deutscher (BVK) hofft, dass der Dachfonds bis zum Sommer von der Bundesregierung umgesetzt wird. Mithilfe privater Geldgeber könnten in den kommenden Jahren mehrere Milliarden Euro mobilisiert werden.

Frau Hinrichs, vom Zukunftsfonds für Venture Capital ist nichts zu sehen. Warten die Gründer und Beteiligungsmanager auch dieses Jahr vergebens?
Das will ich nicht hoffen. Die Politik ist deutlich im Hintertreffen, aber bis zum Sommer sollte der Zukunftsfonds stehen. Ansonsten hat er auch kaum eine Chance, noch vor den Bundestagswahlen das Licht der Welt zu erblicken. Das kann eigentlich niemand wollen.

Was ist die Idee hinter der Initiative?
Die Politiker und auch die Venture-Capital-Branche sehen großen Handlungsbedarf beim Thema Wachstumskapital. Wir brauchen einen kapitalstarken Dachfonds, der in einzelne deutsche und europäische Risikokapitalfonds investiert. Wir können es uns nicht länger leisten, dass angelsächsische Fonds unsere besten Jungunternehmen aufkaufen. Außerdem müssen wir auch Start-ups aus dem Ausland nach Deutschland locken.

Wie groß muss der Zukunftsfonds sein?
In einer ersten Runde sollten es mindestens 500 Millionen Euro sein. Mit Finanzierungsrunden von 30 Millionen oder 40 Millionen Euro kann man schon viel bewegen, das sind gute Hebel, um auch entsprechende Summen von privaten Geldgebern zu mobilisieren. Auf Sicht von zehn Jahren sind sicher zehn Milliarden Euro realistisch.

Kann der Zukunftsfonds die Lücke zum Silicon Valley schließen?
Nein, sicher nicht, aber Deutschland kann seine Position in Europa verbessern. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt, liegen wir mit den Venture-Capital-Investments nur im europäischen Mittelfeld. Mit dem Zukunftsfonds käme ein großer Sprung nach vorn zustande. Der US-Markt ist 30-mal so groß, das werden wir nicht so einfach einholen.

Wer soll den Fonds managen?
Wir hätten gern einen privat gemanagten Dachfonds gesehen. Nur das will die Politik nicht. So ist die KfW Capital sicher die beste Adresse. Die Tochter der staatlichen Förderbank KfW investiert bereits zwei Milliarden Euro in Fonds, die die frühen Gründungsphasen abdecken. Da wäre der Zukunftsfonds die richtige Erweiterung nach oben. Da geht es um Jungunternehmer, die schon Umsätze generieren und die Wachstumskapital für die Auslandsexpansion oder für Übernahmen brauchen. #

Wo sehen Sie die größten Defizite bei der Finanzierung junger Unternehmer?
In Deutschland haben wir kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Wir wissen, was zu tun ist, aber es geschieht nichts.

Was können institutionelle Investoren tun, um den Standort Deutschland attraktiver zu machen?
Die Versicherungen legen jährlich 1,5 Billionen Euro an. Je länger die Niedrigzinsphase anhält, umso mehr Geld könnte auch in Venture-Capital-Fonds fließen. Und wenn man das Stiftungsrecht reformieren würde, lässt sich auch über diese Schiene mehr Kapital für Gründer mobilisieren.

Frau Hinrichs, vielen Dank für das Interview.

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