Coronakrise: Bund leiht sich fast 120 Milliarden Euro mehr Geld
Die Coronakrise macht die "schwarze Null" zur Geschichte.
Foto: APFrankfurt. Der Bund muss sich wegen der milliardenschweren Maßnahmen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise deutlich mehr Geld von Investoren leihen. Das ursprünglich für dieses Jahr angepeilte Volumen für die Ausgabe von Bundeswertpapieren soll um fast 120 Milliarden Euro steigen, wie die für das Schuldenmanagement verantwortliche Finanzagentur am Montag mitteilte. Das entspricht einem Anstieg von rund 30 Prozent.
„Der Finanzierungsbedarf des Bundes hat sich erhöht“, begründete Geschäftsführer Tammo Diemer diesen Schritt. „Grund ist das Maßnahmenpaket, dass die Bundesregierung zur Bewältigung der Pandemie auf den Weg gebracht hat.“ Das Kabinett hatte zuvor einen Nachtragshaushalt von 156 Milliarden Euro beschlossen.
Noch im Dezember hatte die Finanzagentur mit einen Emissionsvolumen von 216 Milliarden Euro für dieses Jahr geplant. Nun soll es voraussichtlich auf 335,5 Milliarden Euro steigen. Damit dürfte an den Finanzmärkten auch die Sorgen vor einer immer knapper werdenden Bundesanleihe ausgeräumt sein.
Die zusätzlichen Milliarden des Bundes verschaffen der Europäischen Zentralbank zusätzlichen Spielraum bei ihren Anleihekäufen. Die EZB hatte vergangene Woche angekündigt, monatlich insgesamt knapp 120 Milliarden Euro für Staats- und Unternehmensanleihen auszugeben.
Allerdings hat sich die Notenbank selbst auferlegt, nicht mehr als ein Drittel der ausstehenden Staatsanleihen eines Landes kaufen. Bei dem nun angekündigten Volumen der Anläufe hätte es nur wenige Monate gedauert, bis in Deutschland dieses Limit erreicht wäre.
Diese Limits will die EZB zwar ebenfalls lockern. Doch das ist politisch hoch umstritten sein. Da es nun mehr Bundesanleihen am Markt gibt, dürfte sich die Diskussion um die Limits der EZB jedoch nach hinten verschieben.
Neue Instrumente - etwa Anleihen mit extrem langen Laufzeiten von 50 Jahren oder mehr - will Finanzagenturchef Diemer jedoch nicht einsetzen. „Wir bewegen uns auf unseren etablierten Pfaden“, sagte Diemer dazu. „Alle Marktteilnehmer kommen gut zurecht mit unseren Instrumenten, die wir anbieten.“
Stattdessen sollen Investoren ab April mit unverzinslichen Schatzanweisungen mit zwölfmonatiger Laufzeit gelockt werden. Diese waren in den vergangenen Jahren wegen des sinkenden Refinanzierungsbedarfs des Bundes nicht mehr angeboten worden. „Tatsächlich ist es so, dass kurze Laufzeiten von Marktteilnehmern sehr gut gesucht werden“, sagte Diemer.
Wegen der starken Marktschwankungen an den Börsen ist die Nachfrage nach solchen als sicher geltenden Anlagemöglichkeiten bei Investoren höher. Zudem sollen ausstehende Bundesanleihen aufgestockt werden. Auch will die Finanzagentur ihren Eigenbestand bei 21 Bundesanleihen um jeweils zwei Milliarden Euro erhöhen.
Damit will die Finanzagentur sogenannte Repogeschäfte erleichtern. So kann der Bund künftig Kredite bei Banken aufnehmen und im Gegenzug Bundesanleihen aus dem Eigenbestand der Finanzagentur als Sicherheit hinterlegen.