1. Startseite
  2. Meinung
  3. Morning Briefing
  4. Morning Briefing von Hans-Jürgen Jakobs

Morning BriefingUN geißeln Virus-Krankheit

Hans-Jürgen Jakobs 26.03.2020 - 06:00 Uhr

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

zuweilen hat man in diesen Tagen das Gefühl, Komparse in einem Horror-Science-Fiction-Film zu sein. Bestätigt fühlen kann man sich in solchen Momenten von den Vereinten Nationen, die in der Corona-Pandemie eine „Bedrohung für die gesamte Menschheit“ sehen. UN-Generalsekretär António Guterres ruft deshalb weltweit zu Spenden zwecks Unterstützung der ärmsten Länder der Erde auf. Benötigt würden bis Jahresende zwei Milliarden Dollar. Offiziell sind bereits global mehr als 20.000 Menschen an Covid-19 gestorben, bei insgesamt mehr als 450.000 Fällen. Spanien meldet nun bereits über 3434 Tote und ist nach Italien das zweite Land mit höheren Opferzahlen als China (3150 Todesfälle). Traurige Rekorde.

Foto: dpa

Einen „Schweinezyklus“ kann es geben, wenn Bauern im Boom bei hohen Preisen zu viele Schweine züchten und danach das hohe Fleischangebot zum Preisverfall führt. Einen „Toilettenpapierzyklus“ kann es dagegen aber nicht geben, weil der Bedarf konstant ist – es sei denn, es herrscht Corona-Hysterie. Zuletzt kauften Verbraucher dreimal so viel wie im Schnitt der vorherigen sechs Monate. Übertroffen wird das nur von Desinfektionsmitteln: plus 800 Prozent. Christoph Werner, Herrscher über die dm-Drogeriemärkte, analysiert im Handelsblatt: Die Menschen seien jetzt nicht mehr im Büro oder in Hotels, sondern nur noch zu Hause – wo sie eben schnell merkten, wie sich die Rollen aufbrauchen. Werners Lieblingswitz über die Papier-Orgie handelt im Übrigen von einem Landwirt, der eine Furche durchs Ackerland zieht – und dann Toilettenpapier aussät

Viel wird über den Notstand von Einzelunternehmern, Betrieben und Branchen geredet – die mit Geldpaketen eingedeckt werden. Vergessen hat man dabei die Städte und Kommunen, wo eine Pleitewelle droht. „Infolge der Coronakrise kommt das Leben in den Städten und Gemeinden zum Stillstand“, sagt Gerd Landsberg vom Städte- und Gemeindebund. Die Rücklagen seien irgendwann aufgebraucht – fatal, wenn sich in Städten wie Coburg oder Frankfurt am Main auch noch die Gewerbesteuer dematerialisiert wie ein Luftballon, der auf ein Nadelkissen fällt. Landsbergs Lösung: umfassende Hilfe von Bund und Ländern. Es werden offenbar noch viele Rettungsschirme vom Himmel fallen.

Foto: dpa

In einer Mischung aus Mission und Gier hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) bekanntlich bis zuletzt versucht, Olympia in Tokio zu verwirklichen. Dieser Ehrgeiz war ein Gesundheitsrisiko. Zwei türkische Boxer und ihr Coach sind jetzt positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden, nachdem sie vorige Woche bei einem olympischen Ausscheidungsturnier in London („Road to Tokyo“) teilnahmen. Die Veranstaltung mit 350 Boxern aus 40 Ländern wurde erst nach drei Tagen abgebrochen. Es sei „unverantwortlich“ gewesen, dieses Turnier überhaupt zu starten, obwohl viele Bedenken gehabt hätten und fast jede andere Sportart pausierte, kritisiert der Chef des türkischen Boxverbands. Seine Beschwerde beim IOC dürfte auf einem hohen Papierstapel landen, der irgendwann in Vergessenheit gerät.

Ein voluminöses Sonderlob verteilt Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer an Parlament und Bundesregierung („maßgeschneiderter, konsequenter Job“) wegen der Corona-Krisenbekämpfung. Es handele sich um ein „gewaltiges und sehr zielführendes“ Hilfspaket. Und es habe jetzt keinen Zweck, „sich in eine Spirale von Negativspekulationen hineinzubegeben“, verkündet Kramer im Handelsblatt: „Es ist nicht das Ende aller Tage.“ Jetzt sei erst mal für einige Monate Liquidität gesorgt. Es sei im Übrigen richtig gewesen, die Regeln zum Schuldenmachen zu lockern.

Eine Enthüllung bewegt Amerika. Die Familie des früheren FBI-Agenten Robert Levinson erklärt in einem Statement, er sei im iranischen Gewahrsam gestorben. Man habe kürzlich diesbezügliche Informationen von US-Offiziellen erhalten. Levinson war vor dreizehn Jahren bei einem Einsatz im Iran verschwunden. Über den Zeitpunkt und die Todesart gibt es keine Informationen. Seine Familie dankt der Administration unter Präsident Donald Trump – und beschuldigt frühere Regierungen, sie hätten sich nicht genug um den Fall gekümmert.

Foto: dpa

Und dann ist da noch Erich Sixt, ein 75-Jähriger inmitten der Debatte, ob man Ältere im Kampf gegen das Coronavirus isolieren solle. Der CEO und Mehrheitsaktionär des Autovermieters erhielt vom – selbstverständlich strikt unabhängigen Aufsichtsrat – einen bis 2023 verlängerten Vertrag. Nach zwei, drei Monaten werde sich die Lage „schrittweise wieder normalisieren“ , sagt er im Handelsblatt-Interview und hält für die Nachwelt fest, dass Corona nicht die „schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“ sei – anders als von Angela Merkel behauptet. Sixt zählt Tschernobyl, Börsencrash, und 9/11 auf – alles erlebt, alles überlebt. Dass nun die Dividende ausfällt und Sixt-Stationen an Flughäfen wohl auf Kurzarbeit übergehen, sind da gewissermaßen Petitessen. Sixt: „Ich kenne die Weltuntergangsstimmung“, sie sei Teil der menschlichen Natur.

Ich wünsche Ihnen einen erfreulichen Tag voller Optimismus und Erkenntnistiefe. Vielleicht planen Sie als Highlight gegen den Corona-Blues eine der Musikdarbietungen im Netz ein, zum Beispiel einen 24-Stunden-Livestream aus New York, dem „Hochrisikogebiet“ (Mike Pence),:den Star-Cellist Jan Vogler organisiert hat. Der in Manhattan lebende Künstler hat für den morgigen Freitag -Beginn: 23 Uhr MEZ - etliche bekannte Künstler gewonnen. „Music Never Sleeps NYC“ soll Musiker in anderen Metropolen zu ähnlichen Aktionen inspirieren.

Es grüßt Sie herzlich Ihr

Verwandte Themen
Erich Sixt
dm

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt