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LuftfahrtkonzernAirbus kürzt seine Produktionsrate deutlich

Der europäische Luftfahrtkonzern fährt seine Produktion herunter. Betroffen ist vor allem die Fertigung der Kurz- und Mittelstreckenfamilie A 320.Jens Koenen 05.04.2020 - 16:25 Uhr

Mit der drastischen Maßnahme will Airbus vermeiden, dass man Flugzeuge auf Halde fertigt.

Foto: Bloomberg

Frankfurt. Es hatte sich abgezeichnet: Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus reduziert seine Produktionsrate offensichtlich deutlich. Das berichten mehrere Nachrichtenagenturen und Zeitungen. Unternehmenskenner bestätigten entsprechende Überlegungen. Airbus selbst dementiert die Informationen nicht, will sie aber auch nicht bestätigen. Man beobachte die Situation weltweit und stehe in einem kontinuierlichen Dialog mit Kunden, Lieferanten und institutionellen Partnern, heißt es.

Betroffen ist vor allem die Fertigung der beliebten Kurz- und Mittelstreckenfamilie A 320, die etwa in Hamburg-Finkenwerder produziert wird. Den Informationen zufolge soll die aktuelle Rate von 60 Jets pro Monat auf etwas mehr als 30 fast halbiert werden. Die des Langstreckenflugzeugs A 350 könnte ebenfalls um die Hälfte auf dann bis zu fünf Maschinen monatlich fallen. Noch keine klaren Informationen liegen zur A 330 neo vor.

Mit der drastischen Maßnahme will Airbus vermeiden, dass man Flugzeuge auf Halde fertigt. Denn in der aktuellen Situation – weltweit haben Airlines große Teile ihrer Flotte wegen der Reisebeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus geparkt – nimmt kaum eine Fluggesellschaft neue Jets ab. Liefertermine werden verschoben oder Bestellungen gar ganz storniert.

Dem Management dürfte die Entscheidung nicht leichtgefallen sein. Denn gerade in der Luftfahrt sind die Lieferketten äußerst sensibel. Ziel des Unternehmens muss es also sein, die „Supply-Chain“ möglichst intakt zu halten.

Michael Santo von der Unternehmensberatung H&Z analysiert seit Jahren rund 2000 Zulieferer. Deren Finanzkraft habe im Schnitt nachgelassen, sagt er: „Viele sind der Neuausrichtung durch Airbus gefolgt und finanzieren das Working-Capital selbst, kaufen die Teile selbst ein. Gleichzeitig ist der Preisdruck gewachsen. Zusammen drückt das die relativen Margen und treibt den Verschuldungsgrad nach oben.“

Santo schätzt, dass ab einer Krisendauer von zwei Monaten mit erheblichen Produktionsausfällen wohl 15 bis 20 Prozent der Komponentenzulieferer (Tier-2-Zulieferer) Insolvenz anmelden müssten.

In einer aktuellen Präsentation des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), die dem Handelsblatt vorliegt, heißt es: „Die deutsche Luftfahrtzulieferindustrie wird sich in frühestens fünf Jahren erholen.“ Laut BDLI gibt es in Deutschland rund 2 300 Zulieferbetriebe mit rund 115.000 Beschäftigten. 90 Prozent dieser Firmen haben weniger als 100 Millionen Euro Umsatz pro Jahr.

Gerade diese kleinen Firmen dürften besonders gefährdet sein. Die bisher verabschiedeten Hilfsprogramme würden kaum helfen, heißt es in der Präsentation. „Es ist Zeit für einen deutschen Luftfahrt-Fonds“, fordert der BDLI.

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