Berkshire Hathaway: Warren Buffett bleibt optimistisch: „Wetten Sie nie gegen Amerika“
Um den Berkshire Hathaway CEO gibt es einen großen Hype bei seinen Aktionären.
Foto: APNew York. So richtig zufrieden ist Warren Buffett nicht. „Das sieht nicht aus wie eine Hauptversammlung, es fühlt sich auch nicht so an“, stellte der Chef von Berkshire Hathaway am Samstag fest. „Vor allem, weil Charlie Munger nicht hier oben neben mir sitzt, mit dem ich seit 60 Jahren zusammen Geschäfte mache.“ Die Aktionärstreffen von Berkshire Hathaway sind eigentlich legendär. Im vergangenen Jahr kamen 42.000 Aktionäre aus der ganzen Welt an den Konzernsitz nach Omaha, Nebraska. Sie kaufen T-Shirts, Mützen, Boxershorts, die Buffett und seinen stellvertretenden Verwaltungsratsvorsitzenden Charlie Munger als Comic-Figuren zeigen.
Buffett wird wie ein Rockstar gefeiert. Der Berkshire-Chef, der in diesem Jahr 90 wird und das Konglomerat seit 55 Jahren führt, ist Kult. Kritische Fragen, Gemecker, aufbrausende Aktionäre, wie sie auf vielen anderen Hauptversammlungen regelmäßig zu beobachten gibt, sind bei Buffett die Ausnahme.
Doch in diesem Jahr ist alles anders. Wegen der Coronakrise wird die Hauptversammlung nur per Livestream im Internet übertragen. Statt Munger, Berkshires stellvertretender Verwaltungsratschef, sitzt Greg Abel in einem Tisch mit gut drei Metern Abstand auf der Bühne in der Messehalle in Omaha. Der 57-Jährige leitet die Energiesparte und zog vor zwei Jahren ebenfalls als Stellvertreter in den Verwaltungsrat ein. Dort beaufsichtigt er alle operativen Geschäfte außer der Versicherungssparte. Er gilt als wahrscheinlichster Kandidat für Buffetts Nachfolge.
Für den 96-jährigen Munger, der in Kalifornien wohnt, war es zu riskant war nach Omaha zu kommen. „Aber so können sich die Aktionäre ein Bild von Greg Abel machen, was sicher keine schlechte Idee ist“, sagte Larry Cunningham, Juraprofessor der Georgetown University und Autor mehrerer Berkshire-Bücher. Munger gehe es jedoch gut, versicherte Buffett, der sich mit ihm eigentlich stundenlang auf der Bühne die Bälle hin und her spielt und so die Aktionäre bei Laune hält. „Charlie hat Zoom zu seinem Repertoire hinzugefügt und hält nun ständig virtuelle Meetings ab“, stichelte Buffett. „Damit hat er mich technologisch überholt, aber das ist auch nicht so schwer. Es ist eher so, als würde man über eine Erdnuss steigen.“
„Nichts kann Amerika aufhalten“
Nach der anfänglichen Witze wurde Buffett jedoch ungewöhnlich nachdenklich. Abel und er saßen in einer leeren Halle. Über Politik und einzelne Investments wollte Buffett dieses Mal nicht reden, das hatte er bereits vorher klar gemacht. Eine gute Stunde lang widmete er sich stattdessen einem Exkurs in die Geschichte Amerikas und wie das Land frühere Krisen überstanden hat.
Corona sei zwar „dramatisch“ und habe auch deutliche Folgen für die Psyche des Landes. Doch Buffett, der ewige Optimist, gab sich zuversichtlich, dass die US-Wirtschaft diese schwere Rezession überwinden und zur alten Stärke zurückkehren werde. „Nichts kann Amerika aufhalten“, ist Buffett überzeugt. Das habe er auch während anderer großen Krisen, wie dem Zweiten Weltkrieg, nach dem 11. September und nach der Finanzkrise gedacht. „Amerika wird natürlich immer wieder auf die Probe gestellt, so wie auch jetzt. Doch am Ende zeigt sich: Man sollte niemals gegen Amerika wetten.“
Berkshire Hathaway, zu dem neben großen Aktienpaketen auch einer Versicherungs-, eine Industrie- und eine Energiestarte gehört ebenso wie rund 80 kleine und mittelständische Unternehmen, ist auf verschiedenen Ebenen von der Coronakrise betroffen. Und das schlimmste sei noch nicht vorbei. Da die Coronakrise in den USA nur in den letzten zwei Wochen des ersten Quartals wirklich begann, werde auch das zweite Quartal belastet werden, gab Buffett zu bedenken.
Ausstieg aus Airline-Investments
Anfang April traf der Berkshire-Chef bereits eine weitreichende Entscheidung: Er verkaufte Berkshires gesamten Anteile an den vier größten US-Fluggesellschaften, American Airlines, Delta, Southwest und United. Bislang war lediglich bekannt, dass er einen Teil der Aktien verkauft hatte. Das habe nichts mit dem Management der Unternehmen zu tun, versicherte Buffett. „Doch die Welt hat sich geändert für die Airlines.“ Niemand könne genau vorhersagen, wie stark der Flugverkehr nach der Coronakrise wieder steigen werde. Allerdings hat Buffett mit Verlust verkauft. Berkshire habe die Anteile für sieben bis acht Milliarden Dollar erworben und für rund sechs Milliarden Dollar verkauft, so Buffett. „Das war mein Fehler.“
Auch an anderer Stelle ist Berkshire von der Krise der Airlines betroffen. Die Tochter Precision Castparts ist ein wichtiger Zulieferer des Flugzeugbauers Boeing. Schon vor der Corona-Krise gab es dort Probleme, weil Boeing nach diversen Skandalen die Produktion der beliebten Maschine 737 Max stoppen musste. Nun sei ein zusätzlicher Dämpfer dazu gekommen. „Wir telefonieren jede Woche mit Boeing um ein Update über das Produktionsvolumen zu bekommen“ , erklärte Greg Abel.
Unter dem abgesagten Aktionärstreffen in Omaha leiden unterdessen auch die Stadt und eine reihe von Unternehmen. Mehr als 21 Millionen Dollar Umsatz macht die Stadt durch das Aktionärstreffen. Für Buffetts liebstes Steakhouse, Gorat’s, ist es das wichtigste Wochenende im Jahr mit 150.000 Umsatz und rund 3000 Gästen. Viele Aktionäre wollen an ihrem Wochenende in Omaha dort essen, wo ihr großes Idol ein und aus geht – gerade jetzt in der Rezession wäre das einen willkommener Stimulus gewesen.
Auch Berkshires eigene Unternehmen profitieren normalerweise von den Extra-Umsätzen. Sie locken die Aktionäre mit Rabatten und bekommen Zugang zu zehntausenden Kunden, die sonst vermutlich nicht bei ihnen einkaufen würden. Der Nebraska Furniture Mart, ein Möbelgeschäft, das seit Jahrzehnten zu Berkshire gehört, machte im vergangenen Jahr über neun Millionen Dollar Umsatz an dem Aktionärswochenende. Auch für die Juwelierkette Borsheims ist es das wichtigste Verkaufswochenende des Jahres.
Zwar können die Berkshire-Fans in diesem Jahr online mit Rabatt einkaufen, doch das wird nicht den selben Effekt haben.
Buffett gibt sich zuversichtlich, dass dieses Jahr eine Ausnahme bleiben wird. 2021 soll alles wieder so sein wie vorher, hofft er. „Auch Charlie wird nächstes Jahr wieder mit mir hier oben sitzen.“