Insolventer Autovermieter: Hertz warnt Anleger bei neuen Aktien vor Totalverlust
Der US-Autovermieter warnt seine Anleger vor einem Kurzverfall.
Foto: ReutersNew York. Der insolvente US-Autovermieter Hertz hat potenzielle neue Investoren davor gewarnt, „so gut wie sicher“ all ihr Geld zu verlieren. Das Unternehmen gibt neue Firmenanteile aus, um seinen Rettungsplan zu finanzieren. Von den Anlegern werden aber abgesehen von Großaktienären und Anleihen-Besitzern wohl alle leer ausgehen und nichts von dem Rettungsplan zu spüren bekommen, gab Hertz bekannt.
Damit die neuen Aktien an Wert gewinnen, müssten sich die Geschäftsbedingungen schnell und signifikant verbessern – davon werde aber momentan nicht ausgegangen. Am Montag fielen die Hertz-Aktien um mehr als 30 Prozent auf 1,88 Dollar – was aber immer noch ein Plus ist verglichen mit dem Tag, als Hertz seinen Bankrott anmeldete. Der Kurs stieg von 56 Cent Ende Mai auf bis zu 5,53 Dollar Anfang Juni.
Vergangene Woche entschied ein Insolvenzgericht, dass Hertz Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Dollar ausgeben darf. Der Autovermieter plant, fast 250 Millionen neue Aktien auf den Markt zu bringen, um so die Umstrukturierung zu finanzieren. Dieser Schritt ist ungewöhnlich, denn normalerweise greifen Unternehmen dafür auf Kredite zurück. Durch die Einnahmen aus dem Aktienverkauf könne man neue Zinsen, Gebühren und Beschränkungen für die Finanzen von Hertz vermeiden, hieß es seitens des Unternehmens.
Trotz des weiteren Kursverfalls hält Hertz an diesem Plan fest. Die New Yorker Wall Street hat allerdings bereits damit angefangen, die Hertz-Aktien aus dem Angebot zu nehmen – ein weiteres Risiko für Investoren, auf das der Autovermieter offen hinweist.
Die Insolvenz des Autovermieters war in der Corona-Pandemie der bislang spektakulärste Pleitefall in den USA. Allerdings schrieb Hertz bereits vor der Coronakrise rote Zahlen und hatte hohe Schulden. 2019 verzeichnete das Unternehmen bereits das vierte Verlustjahr in Folge und einen Nettoverlust von 58 Millionen US-Dollar.
Allein im ersten Quartal 2020, das nur teilweise von der Coronakrise betroffen war, stieg der Verlust auf 356 Millionen Dollar. Der Einbruch des Reisegeschäfts im Zuge der Pandemie hat das Unternehmen schwer getroffen und zu einem „plötzlichen und dramatischen“ Einbruch bei Umsätzen geführt. Das Unternehmen hat also noch einen Berg anderer Schulden zurückzuzahlen, bevor Anleger überhaupt etwas von dem Geld aus dem Rettungsplan sehen.
Mit Material von Bloomberg.