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AnlagestrategieFondsmanager Andrew Balls: „Der Umgang mit der jüngsten Krise ist härter als zuvor“

Der Chef-Anlagestratege des US-Anleiheriesen Pimco muss Multi-Milliarden-Fonds durch die Krise manövrieren. Im Interview erklärt er, wo er jetzt noch Renditechancen sieht.Anke Rezmer 08.08.2020 - 10:00 Uhr

Der US-Anleiheriese verwaltet insgesamt 1,9 Billionen Dollar.

Foto: Reuters

Frankfurt. Andrew Balls schaut auf die Kapitalmärkte wie ein typischer Anleihe-Investor: vorsichtig, abwägend. In der Nullzinswelt, in der der Zinsschein als Puffer abhanden gekommen ist, sei es ungleich mühsamer, ein Bond-Portfolio sicher durch die aktuelle Coronakrise zu steuern und noch Rendite zu erzielen, sagt Balls. Der Fondsmanager und Chef-Anlagestratege verantwortet ein Vermögen von 120 Milliarden Dollar in globalen Bonds beim größten privaten Anleihe-Investor der Welt Pimco.

Der zum Allianz-Konzern gehörende Fondsanbieter managt insgesamt 1,9 Billionen Dollar. In seinem „Global Bond Fund“ setzt Balls aktuell stark auf mit Hypotheken besicherte Bonds und Unternehmensanleihen guter Bonität, um trotz rekordtiefer Zinsen noch etwas Ertrag einzustreichen.

Nach einer überdurchschnittlichen Performance von gut fünf Prozent jährlich über die vergangenen 15 Jahre meint der Fondsmanager, dass Investoren in nächster Zeit deutlich bescheidener werden müssen.

Herr Balls, wie manövrieren Sie Ihren rund 15 Milliarden Dollar schweren „Global Bond Fund“ durch die Corona-Unsicherheit?
Wichtig ist zunächst, in Zeiten von Unsicherheit auf ausreichend Liquidität und hohe Bonität bei Anleihen zu achten, damit das Portfolio robust genug bleibt. Im März, als klar wurde, dass sich das Virus schnell weltweit ausbreitet, hat die Sorge vor einem breiten wirtschaftlichen Stillstand auch kurz für Illiquidität am Bondmarkt gesorgt.

2008 betraf dies vor allem den Finanz- und Immobiliensektor. Aber in der Covidkrise haben die Notenbanken und die Politiker beeindruckend schnell mit Unterstützungsmaßnahmen reagiert. Das hat auch schnell wieder Investmentchancen geschaffen.

In der Finanzkrise 2008 haben wir uns gesorgt, dass eine Rezession den Euro kosten würde. Auch in der Schuldenkrise wurde länger diskutiert, etwa über Griechenlands Zukunft in der Euro-Zone.

Wo ergeben sich da konkret Anlagechancen?
Anleihen aus Euro-Ländern mit hohen Schulden und damit etwas höheren Zinsen wie Italien und Spanien sind grundsätzlich attraktiv.

Aber Nullzinsen der Europäischen Zentralbank und Negativrenditen bei vielen europäischen Staatsanleihen wie deutschen, holländischen oder französischen Papieren im Volumen von rund 16 Milliarden Euro machen die Renditejagd doch nicht leichter.
Nein, der Zinsschein als Renditepuffer ist nahezu weggeschmolzen. Der Umgang mit der jüngsten Krise ist härter als zuvor. Daher müssen wir sorgsam in jedem Segment prüfen, wo es noch vergleichsweise gute Chancen auf Performance gibt.

Wo finden Sie denn aktuell noch attraktive Papiere?
Wir setzen relativ stark auf mit Hypotheken besicherte Wertpapiere (Mortgage Backed Securities, MBS) der halbstaatlichen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac, aber auch anderer US-Hypothekenfinanzierer. Und auch auf Papiere mit verbrieften Hypotheken britischer Wohnimmobilienfinanzierer (Residential MBS, RMBS). Dort lassen sich Papiere guter Qualität und Renditen von rund zwei Prozent im Jahr in den USA und 1,25 Prozent in Großbritannien finden.

Achten Sie dabei auf gute Ratings? Anleger erinnern sich ja noch gut an die Finanzkrise 2008, in der Fannie Mae und Freddie Mac staatlich aufgefangen werden mussten.
Da haben die nicht selten guten Ratings ja nicht viel geholfen. Ratings bieten dort auch heute nicht immer völlige Gewissheit. Die Ratingagenturen bewerten oft zu vorsichtig. Es ist wichtig, auf die Struktur der Papiere zu achten sowie den Kapitalzufluss (Cashflow) aus den Hypotheken. Wenn der Mix stimmt, lässt sich auch mal ein Ausfall verkraften.

Auf was setzen Sie noch?
Auf Unternehmensanleihen mit guter Bonität. Hier sind besonders Bank- und Finanzbonds attraktiv, die ihre Kapitalausstattung in den vergangenen Jahren deutlich verbessert haben. Außerdem halten wir US-Staatsanleihen im Portfolio, die noch Zinserträge bringen, und einen kleineren Anteil Schwellenländer, etwa aus Israel, China und Peru – in der Coronakrise lauten die meisten Schwellenländerpapiere in stabileren harten Währungen wie Dollar.

Und was gefällt Ihnen nicht?
Vorsichtig sind wir bei Bonds aus Branchen, die durch die Covid-19-Pandemie besonders getroffen wurden, wie Hotels oder Fluglinien. Auch Anleihen mit niedrigerer Bonität finden wir in der Krise eher riskant.

Wie sichern Sie sich gegen mögliche Inflation ab?
In den nächsten Jahren rechnen wir nicht mit einem Preisniveauanstieg und steigenden Kapitalmarktzinsen. Daher laufen die meisten Anleihen im Fonds noch fünf bis zehn Jahre, das bringt etwas mehr ein als kurz laufende Papiere. Wenn sich die Wirtschaft aber spürbar erholt und Zinsen und Inflation anziehen könnten, werden wir die Laufzeiten verkürzen. Zudem haben wir ein paar inflationsgeschützte Anleihen im Portfolio.

In den vergangenen 15 Jahren hat Ihr Fonds mehr als fünf Prozent Rendite im Jahr erzielt und hat besser als die Konkurrenz und Vergleichsindizes abgeschnitten. Womit rechnen Sie in den nächsten Jahren?
Wenn wir im aktuellen Umfeld die Durchschnittsrendite der Papiere innerhalb unseres Portfolios betrachten, so lässt das eine Rendite von etwa zwei bis 2,5 Prozent pro Jahr erwarten.

Herr Balls, vielen Dank für das Interview.

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