1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Anlagestrategie
  4. Trends
  5. Anleihen: Wo Anleger bei Zinspapieren noch Ertrag erwarten dürfen

AnleihenWo Anleger bei Zinspapieren noch Ertrag erwarten dürfen

Zinspapiere sind beliebt wie eh und je, obwohl ihr wichtigstes Kaufargument abhandengekommen ist: die Rendite. Denn die Nachfrage nach sicheren Anleihen ist groß.Anke Rezmer, Jakob Blume 27.06.2020 - 12:00 Uhr

Die Geldpolitik der Notenbank dürfte noch lange locker bleiben.

Foto: dpa

Frankfurt. Mit einer derartig hohen Nachfrage hatten die Österreicher wohl selbst nicht gerechnet: Zwei Milliarden Euro sammelte die Finanzagentur der Regierung in Wien Mitte der Woche am Kapitalmarkt ein.

Das Datum der Rückzahlung dürfte kein Investor mehr erleben: Es liegt im Jahr 2120. Trotzdem war die Nachfrage riesig nach dem Papier, das nur 0,85 Prozent Kuponzinsen pro Jahr bietet. Investoren gaben Gebote über 17 Milliarden Euro ab, wie Daten des Finanzdienstes Bloomberg zeigen.

Die Nachfrage nach sicheren Anleihen ist nach wie vor groß. Das zeigte die Auktion der neuen hundertjährigen Anleihe Österreichs. Das unterstreichen auch die Statistiken des deutschen Fondsverbands BVI. Als die Coronakrise die Börsen schockte, floss nur in Anleihefonds noch erkennbar neues Kapital. Vor allem private Anleger steckten immerhin eine halbe Milliarde Euro frisches Geld hinein.

Trotz Nullzins managen die Fondsvermögensverwalter nach wie vor mehr als 200 Milliarden Euro Kundengelder. Mehr als noch einmal so viel Kapital steckt in aus verschiedenen Wertpapierarten gemischten Fonds, die ebenfalls oft einen deutlichen Bond-Anteil haben.

Für Anleiheanleger geht es nicht vorrangig um Rendite. Viele wollen eine sichere Bank für ihr Geld, das ansonsten am Aktienmarkt deutlich höheren Ausschlägen ausgesetzt wäre. Wenn ein Zinsschein oder ein Kursgewinn einer Anleihe dann noch etwas Performance fürs Depot bringt, ist das natürlich ebenso willkommen.

Und Kursgewinne hat es zuletzt sogar gegeben. Denn die beispiellosen Anleihe-Ankaufprogramme der großen Notenbanken haben eine künstliche Nachfrage geschaffen, die die Kurse der Papiere in die Höhe getrieben und ihre Renditen entsprechend immer weiter gedrückt hat.

Da die Renditen der marktbestimmenden Staatsanleihen der westlichen Länder aber nach Einschätzung von Bondexperten langsam ihren Boden gefunden haben, ist kaum noch mit weiteren Kursgewinnen zu rechnen. Daher müssen sich Anleger also insgesamt damit zufriedengeben, dass Anleihen das Depot stabiler machen. In einigen Nischen sehen Strategen allerdings noch Chancen auf eine gewisse Rendite.

„Die Suche nach Sicherheit treibt Anleger noch immer massiv in Anleihen“, sagt Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege beim US-Fondsriesen Blackrock. Dies, obwohl es zumindest bei den Klassikern in diesem Bereich, den als sicher geltenden Staatsanleihen der westlichen Welt, kaum noch Rendite gibt.

Staatspapiere unter null

Die für Großanleger als richtungsweisend geltende zehnjährige Bundesanleihe liegt schon seit Mai 2019 durchweg im Minus, kostet die Anleger also Geld. Aktuell ist sie bei –0,45 Prozent. US-Staatsanleihen bringen noch leicht positive Renditen von aktuell 0,7 Prozent. Die Aussichten für Anleger sind nicht ermutigend: „Das Risiko-Rendite-Profil ist so schlecht wie eigentlich nie zuvor“, sagt Herrmann von Blackrock.

Es gibt keine Zinsscheine mehr, und sobald die Renditen ein wenig steigen, kaufen Investoren wieder zu. Über ihre beispiellosen Anleihekaufprogramme mit dem Ziel, die weltweite Konjunktur anzukurbeln, sind zudem die Notenbanken die größten Nachfrager solcher Bonds. Zuletzt wurden diese Programme im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise extrem ausgeweitet.

Die Renditen kleben damit am Boden, dürften vorerst auch niedrig bleiben, weil die Geldflut anhält. Und wenn sich Wirtschaft und damit die Kapitalmarktzinsen doch etwas erholen sollten, drohen Kursverluste. Herrmann von Blackrock rechnet mit einem leichten Anstieg der Renditen bis Ende des Jahres Richtung –0,2 Prozent bei der zehnjährigen Bundesanleihe und Richtung ein Prozent bei der entsprechenden US-Treasury.

Daher nutzen Fondsmanager solche hochliquiden Staatsanleihen sicherer Emittenten wie Deutschland meist nur als Geldparkplatz. „Deutlich untergewichtet“ gegenüber Börsenvergleichsindizes hat Blackrock diese Papiere deswegen.

So halten die Bondsprofis Ausschau nach anderen Anlagesegmenten und Regionen, um noch etwas Rendite aufzuspüren. Und in einigen Bereichen hat sich die Situation nach Aussage von Strategen sogar zuletzt ein wenig entspannt.

„Die beiden Schwarzen Schwäne des Jahres 2020 – die Corona-Pandemie und der Kollaps des Ölpreises – haben auch dazu geführt, dass die Renditen von Firmenanleihen und Schwellenländerbonds deutlich gestiegen sind im Vergleich zu denen von Staatsanleihen der westlichen Welt“, sagt Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS.

Während die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe in der Krise bis auf –0,8 Prozent sackte, haben sich die Renditeaufschläge darauf von europäischen Firmenpapieren unterschiedlicher Bonität nach Kreuzkamps Berechnung verdreifacht. Sie liegen jetzt zwischen knapp drei und neun Prozent.

Bei US-Hochzinspapieren erreicht der Aufschlag gegenüber dem zehnjährigen Staatspapier sogar bis zu elf Prozentpunkte. Damit bieten also Firmenbonds wieder deutlich mehr als vor der Krise. Der Blackrock-Stratege findet Anleihen sogar wieder „spannend“.

Viele Anlageprofis und Strategen raten daher, vorrangig bei Firmenanleihen unterschiedlicher Qualität nach Rendite zu schauen. Auch Joachim Schallmeyer, leitender Kapitalmarktstratege der Sparkassenfondstochter Deka, rät aktuell zu Unternehmensanleihen: Die Papiere dürften ebenfalls „die Unterstützung der Notenbanken“ haben, die ihr Ankaufprogramm inzwischen auf die Firmenpapiere ausgeweitet haben.

Diese zusätzliche Nachfrage gibt den Kursen Auftrieb. Wichtig sei allerdings, auf die richtige Auswahl von Bonds zu achten, mahnt Kreuzkamp. Denn Renditen klafften deutlich weiter auseinander als Anfang des Jahres, als die Coronakrise noch in weiter Ferne schien.

Der Fokus vieler Fondsmanager und Strategen liegt aktuell auf defensiven hochqualitativen Firmenpapieren. Diese lassen sich vor allem in den USA finden. Kreuzkamp setzt auf Bonds defensiver Sektoren und mit kürzerer Laufzeit bis fünf Jahren und einem Rating noch guter Qualität von „BBB“. Die erhalten Unterstützung von der US-Notenbank (Fed). Herrmann von Blackrock gefallen dort vor allem Technologieunternehmen.

In Europa setzen die DWS-Fondsmanager ebenfalls auf Papiere, die von der EZB gekauft werden. Außerdem mögen sie Bankbonds aus Randländern der Euro-Zone.

Auch Herrmann von Blackrock hat einige südeuropäische Banken im Visier, da die Coronakrise bekanntlich keine Bankenkrise sei. Außerdem biete vor allem der relativ große Gesundheitssektor des Kontinents eine Auswahl qualitativ hochwertiger, liquider Papiere, meint er. Zu seinen Favoriten zählen ferner Kabelanbieter, Halbleiter- und Softwarefirmen.

Besondere Risiken erkennt Kreuzkamp dagegen bei Papieren aus durch die Pandemie besonders betroffenen Sparten wie Auto, Luftfahrt und Tourismus.

Ein weiteres Segment des Bondmarkts gilt als spannend, aber zugleich schwierig: der Hochzinsanleihemarkt, also die Papiere von Emittenten schwächerer Bonität. Bis zu fünf Prozent der Papiere am Hochqualitätsmarkt dürften noch in den Ramschbereich heruntergestuft werden, erwarten Experten. Doch häufig haben solche „Fallen Angels“ schon nach zwei Monaten wieder rund ein Fünftel zugelegt und so ihren Kurssturz zum Teil wettgemacht.

Kreuzkamp schaut sich genauer stark im Kurs gefallene Papiere und neue Emissionen der Sparten Auto und Luftfahrt an. Auch in konjunktursensibleren Bereichen mit ausreichend Liquidität wie Chemie und Logistik sieht er Chancen.

Auch Herrmann von Blackrock findet Hochzinspapiere relativ spannend, weil da noch etwas Rendite zu erzielen ist. Im Durchschnitt bringen Hochzinsbonds in der Euro-Zone mit mittlerer Laufzeit immerhin noch 4,5 Prozent Rendite im Jahr ein, in den USA sogar 6,4 Prozent.

Zum Vergleich: Europäische Firmenbonds höherer Qualität werfen gerade noch 0,5 bis ein Prozent Rendite ab. Allerdings gilt es, bestimmte anfällige Sektoren zu meiden wie den US-Energiesektor, in dem „noch Firmenpleiten zu befürchten sind“.

Generell als aussichtsreiche Bond-Anlageregion gelten Schwellenländer. Doch auch diese halten Strategen inzwischen für schwierig, weil die Kurse vieler Anleihen zuletzt weit geklettert sind. Hinzu kommen Corona-Risiken, vor allem in Lateinamerika. Von Anleihen in harten Währungen wie dem US-Dollar rät Herrmann daher ab.

Spannender findet der Stratege dagegen länger laufende chinesische Staatsanleihen, die noch knapp drei Prozent bieten. Perspektivisch dürfte die Wirtschaft des Landes auch wegen der älter werdenden Bevölkerung künftig langsamer wachsen. In solchen Phasen legen Bondkurse tendenziell zu.

Einstieg über Fonds

Eine bequeme Art für private Anleger, in Bonds zu investieren, sind Fonds oder Indizes nachbildende Produkte, die ETF (siehe Tabelle). Je nach Geschmack könnten Anleger auf das Geschick eines Fondsmanagers setzen oder aber zu geringeren Kosten auf einen ganzen Markt.

Generell empfehlen Strategen für sehr etablierte Märkte wie den US-Staatsanleihemarkt eher ETF, da es schwierig ist, dort höhere Renditen zu erzielen. Die Gebühren für aktive Fonds lohnen eher in weniger ausgeschöpften Märkten, in denen noch Renditepotenzial zu heben ist. 

Grundsätzlich sollten private Anleger ihre Depotstrategie mit Anleihen auf die Niedrigzinsphase einstellen, also den Anteil der Papiere im Vergleich zu früheren Zeiten reduzieren, wie Herrmann von Blackrock rät. Denn sie bringen wenig Rendite ein, und es besteht kaum Aussicht auf weiter fallende Zinsen und Kursgewinne.

Für sinnvoll hält er, einen kleineren Teil in speziellere Anleihen mit gewissen Ertragschancen zu investieren. Das restliche Kapital, das als Puffer dienen soll, könnte auf Konten oder in Geldmarktpapieren geparkt werden.

Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt