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Besser als Rivale Generali Allianz trotzt der Coronakrise – gibt aber keine Prognose fürs Gesamtjahr ab

Europas größter Versicherer übertrifft die Erwartungen der Analysten. Das Topmanagement geht nicht von einem schnellen Ende der aktuellen Krise aus.
05.08.2020 Update: 05.08.2020 - 11:27 Uhr Kommentieren
Für den Vorstandsvorsitzenden zeigen die Quartalszahlen die Widerstandsfähigkeit der Allianz. Quelle: imago images/DeFodi
Oliver Bäte

Für den Vorstandsvorsitzenden zeigen die Quartalszahlen die Widerstandsfähigkeit der Allianz.

(Foto: imago images/DeFodi)

München Die Allianz bekommt im zweiten Quartal die Auswirkungen der Coronakrise zu spüren. Trotzdem liegt Europas größter Versicherer mit seinem Ergebnis am oberen Ende der Analystenschätzungen.

In den Monaten von April bis Juni erzielte die Allianz einen operativen Gewinn von 2,6 Milliarden Euro. Das sind knapp 19 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, als 3,2 Milliarden Euro verdient wurden. Jedoch erreichte die Allianz so das oberste Ende der Analystenschätzungen, die von einem Ergebnis in der Spanne von 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro ausgegangen waren. Konzernchef Oliver Bäte wertete die Zahl als robustes Ergebnis, das die „bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit“ des Konzerns zeige.

Damit schlägt sich die Allianz im ersten Halbjahr deutlich besser als der italienische Rivale Generali, der bereits vergangene Woche seine Ziffern vorlegte. Bei Generali sank der Gewinn im ersten Halbjahr um mehr als die Hälfte. Das hatte aber zum größten Teil mit Abschreibungen auf Finanzanlagen zu tun, die im Abschwung an den Märkten Wert verloren, wie Generali mitteilte. Auch im Gesamtjahr werde der Nettogewinn unter Vorjahr liegen, erklärte der Konzern.

Bei der Allianz mussten alle drei Geschäftsbereiche – die Sachversicherung, die Lebensversicherung sowie die Vermögensverwaltung – Abstriche gegenüber dem Vorjahreszeitraum hinnehmen. Sie hatten vor allem mit den Auswirkungen von Covid-19 zu tun.

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    Im Bereich der Sach- und Unfallversicherung kamen vermehrt Großschäden hinzu, sodass die Schaden-Kosten-Quote um 1,2 Punkte auf 95,5 Prozent anstieg. Mit dieser Zahl messen die Versicherer, ob sie in einem Bereich Geld verdienen. Bei Quoten unter 100 Prozent ist das der Fall. Laut Finanzvorstand Giulio Terzariol schlugen die Belastungen durch Covid-19 in der Sachversicherung mit insgesamt rund 400 Millionen Euro zu Buche.

    Coronakrise wirkt sich auf Vermögensverwaltung aus

    Im zweiten großen Bereich, der Lebens- und Krankenversicherung, verdiente der Konzern im zweiten Quartal weiterhin eine Milliarde Euro nach 1,2 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Aber beim Abschluss von Neuprodukten gab es gerade in den wichtigen Märkten in Deutschland und den USA spürbare Rückgänge. Hier zeichnet sich allerdings eine Entspannung ab. „Im Juni waren die Zahlen bereits besser als im April und Mai“, sagte Terzariol am Mittwoch. Sobald Lockerungen in Kraft treten, komme auch das Neugeschäft zurück.

    Die Vermögensverwaltung als kleinster Bereich zeigt sich dagegen weitgehend stabil. Das für Dritte verwaltete Vermögen stieg im Vergleich zum Ende des ersten Quartals sogar um 101 Milliarden Euro auf nun 1,658 Billionen Euro an. Positive Markteffekte und Mittelzuflüsse von Kunden waren der Grund.

    Insgesamt verwaltet die Allianz-Sparte damit die gewaltige Summe von 2,250 Billionen Euro. Für die Zukunft erwartet der Konzern hier jedoch geringere Dividendeneinnahmen durch die Coronakrise.

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    Auch bei der Solvenzquote, die leicht auf 187 Prozent gefallen ist, zeigen sich Auswirkungen. Sie liegt jedoch noch immer weit entfernt von der Marke von 160 Prozent, ab der beispielsweise die Dividendenausschüttung an die Aktionäre überdacht werden würde.

    Experten reagierten überwiegend positiv. „Die Ergebnisse der Allianz im zweiten Quartal waren widerstandsfähig und unterstützten das Ratingniveau, trotz der erheblichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf das Gesamtergebnis und die Schadensfälle in der Schaden- und Unfallversicherung“, erklärte Christian Badorff, Senior Analyst der Ratingagentur Moody’s. „Dank der soliden versicherungstechnischen Leistung in der Schaden- und Unfallversicherung, der Verbesserung der Anlageergebnisse und des stabilen Beitrags des Segments Asset-Management konnte sich das Quartalsergebnis gut behaupten.“

    Weiter kein Ausblick

    Angesichts des herausfordernden Umfelds habe die Allianz ein robustes Ergebnis berichtet, findet auch Thorsten Wenzel, Versicherungs-Analyst der DZ Bank. „Etwas enttäuschend sind die erneut leicht rückläufige Solvabilitätsquote und die Tatsache, dass weiter kein quantitativer Ausblick für das laufende Geschäftsjahr gegeben wird.“

    Denn trotz der insgesamt positiven Entwicklung gibt die Allianz noch immer keine Prognose für das laufende Jahr ab. Ende April hatte der Konzern mitgeteilt, dass die ursprünglich angepeilten zwölf Milliarden Euro mit einer Bandbreite von 500 Millionen Euro nach oben wie nach unten nicht erreicht würden. Dabei sind bereits mehr als sieben Monate des Geschäftsjahres vorüber, in der Tendenz müsste vieles absehbar sein.

    Bei der Allianz begründet man die Zurückhaltung mit der anhaltenden Unsicherheit, weshalb es weiterhin keinen Ausblick gebe. Allerdings wagte Finanzvorstand Terzariol zumindest eine Tendenz: „Wenn die Situation stabil bleibt, dann sehe ich im zweiten Halbjahr ein besseres Ergebnis als die 4,9 Milliarden Euro aus dem ersten Halbjahr.“

    Allerdings sei dafür die Voraussetzung, dass es zu keiner zweiten Corona-Welle mit einem neuerlichen Lockdown komme. Analysten rechnen derzeit im Schnitt mit einem operativen Ergebnis von 10,5 Milliarden Euro, es wären rund 1,5 Milliarden Euro weniger als im vergangenen Jahr.

    Vermögensverwalter AGI unter Druck

    Insgesamt geht das Topmanagement der Allianz von keinem schnellen Ende der aktuellen Krise aus. Stattdessen dürfte die Zahl der Insolvenzen zunehmen. Belastend wirken zudem Betriebsschließungen und Veranstaltungsausfälle sowie die Turbulenzen an den Kapitalmärkten. Operativ werde die Coronakrise allerdings in diesem Jahr verarbeitet sein, „ein bisschen noch in 2021“, sagte Bäte kürzlich.

    Deutlich länger dürfte das allerdings bei der Industrieversicherungstochter AGCS dauern, die im Haus als einer der größten Sorgenfälle gilt. Das inzwischen eingeleitete Transformationsprogramm zeigt zwar erste Erfolge, die dauerhafte Rückkehr in die schwarzen Zahlen ist jedoch ein schwerer Weg. Der neue Vorstandschef Joachim Müller hatte kürzlich deine deutlich verbesserte Profitabilität ab dem kommenden Jahr und bis 2024 den vollständigen Turnaround angekündigt.

    Finanzvorstand Terzariol, der in der Vergangenheit die AGCS oft scharf kritisierte, sieht den Industrieversicherer nun auf einem guten Weg. In der Kritik steht dagegen der Vermögensverwalter Allianz Global Investors (AGI), für den kürzlich ein Abbau-Programm bekannt wurde. Die Kostenquote soll von heute 73 Prozent auf 67 Prozent im kommenden Jahr sinken.

    Zudem droht AGI in den USA Ärger. Ein Lehrer-Pensionsfonds aus Arkansas hat nach eigenen Angaben mit drei „Structured Alpha“-Hedgefonds von AGI in der Coronakrise hohe Verluste gemacht und Klage eingereicht. Laut Terzariol hat der Versicherer keine Rückstellungen für die Rechtsstreitigkeiten gebildet, weil er eine juristische Niederlage für unwahrscheinlich hält.

    Beim Thema Quartalsberichterstattung rudert der Konzern mittlerweile zurück. Zu Jahresbeginn hatte der Versicherer hier einen Vorstoß gegen die Berichterstattung im Dreimonats-Rhythmus gestartet. „Wir haben gesehen, dass die Begeisterung nicht groß war. Und wir hören zu“, begründete Terzariol den Rückzieher.

    Mehr: Allianz Direct plant nach Startschwierigkeiten die Expansion.

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