Anlagetipps: Diese zehn Investmentfonds bieten gute Rendite-Chancen auch in der Coronakrise
Nur wenige Fondsmanager sind besser als der Markt.
Foto: Bloomberg/Getty ImagesFrankfurt. Die Manager von Investmentfonds werben um Kunden, indem sie mit ihrer Auswahl von Wertpapieren wie Aktien höhere Renditen als der breite Markt versprechen. Doch das ist leichter versprochen als erreicht, wie die Statistik zeigt.
Über zehn Jahre schaffen es nur extrem wenige Fondsmanager, besser als Börsen-Vergleichsindizes abzuschneiden. In den wichtigsten Aktienfondsklassen in Europa sind es beispielsweise nur einige Prozent der Fondslenker, wie Daten des Indexanbieters S&P Dow Jones zeigen.
Oftmals liegt das an mangelndem Mut und den Gebühren. Um sich nicht der Gefahr auszusetzen, zu hohe Risiken von Kursverlusten einzugehen, weichen viele Fondsmanager mit ihrer Anlagestrategie nicht weit von der Zusammensetzung eines Börsenindex ab. Da ihre Arbeit aber ordentlich entlohnt wird mit nicht selten 1,5 bis zwei Prozent Gebühren vom Fondsvermögen, schmälert das die Performance.
Bis zur Hälfte dieser Gebühr bekommt oft der Vertrieb als Lohn für Anlageberatung. Ein börsennotierter Indexfonds (ETF) bildet das gewünschte Segment des Aktienmarkts zu einem Bruchteil der Kosten nach.
Einen Fondsmanager zu finden, der seine Gebühren tatsächlich wert ist, kostet also einige Mühe. Orientierung wollen in dieser Situation Fondsratinghäuser mit ihren Bewertungen bieten. Die Dienstleister messen die risikogewichtete Rendite eines Fonds über meist fünf Jahre und überprüfen neben den Kosten auch Qualitätskriterien wie die Stabilität des Fondsmanagementteams.
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Denn ein einzelner Manager mit geschickter Hand bei der Auswahl von Papieren ist kein Garant für dauerhaften Erfolg eines Fonds, kann er doch jederzeit seinen Arbeitgeber wechseln. So verlockend es für das Marketing ist, einen Star unter den Fondsmanagern präsentieren zu können: Verlässlicher wirkt ein Team, das eine überzeugende Strategie verfolgt.
Die lockere Geldpolitik treibt die Finanzmärkte.
Foto: dpaGeben die Ratinghäuser einem Fonds eine gute Note, halten sie es für wahrscheinlich, dass der Fonds auch künftig überdurchschnittlich abschneidet. Für das Handelsblatt hat das Ratinghaus Scope Analysis Fonds verschiedener Ausrichtungen ausgesucht, die allesamt in den vergangenen 15 Jahren überdurchschnittliche Renditen erzielt und sich damit bereits in zwei Markteinbrüchen bewährt haben: der Finanzkrise von 2008 und dem Corona-Schock von 2020.
Neben dem Rating und der Performance fand auch die Fondsgröße Berücksichtigung: Sehr kleine Fonds hängen oft so stark an der Leistung eines einzelnen Managers, dass sie für Privatanleger nicht wirklich empfehlenswert sind.
Übrigens: Selbst wer seine Ersparnisse partout keinem Investmentfonds überlassen will, kann aus den Strategien der zehn erfolgreichsten Fonds und ihrer Manager viel für die eigene Geldanlage lernen.
Mischfonds
Seilern Global Trust
Seilern Investment Management gehört zu den eher unbekannten Fondshäusern in Europa. Dabei steuert der britische Vermögensverwalter den ertragreichsten Mischfonds in der Handelsblatt-Auswahl. Der „Seilern Global Trust“ kam nicht nur mit einem moderaten Verlust von zwei Prozent durch das krisengeschüttelte erste Halbjahr 2020. Er lieferte über die letzten 15 Jahre auch einen jährlichen Ertrag von 6,6 Prozent nach Gebühren – mehr schaffte kein anderer Mischfonds-Manager.
„In der Euro-Krise war uns klar geworden, dass bei den niedrigen Zinsen Bonds ein sehr hohes Risiko haben – heute ein viel höheres als Aktien.“
Foto: Seilern Investment Management„Aber das ist schon ein sehr ungewöhnlicher Fonds, mit einer sehr extremen Vermögensaufteilung“, sagt Chef Tassilo Seilern, dessen Onkel Seilern Investment Management vor mehr als drei Jahrzehnten gründete. Sein Vater sitzt ebenfalls im Topmanagement. Es ist ein echtes Family-Business.
Die Strategie fällt aus dem Rahmen, weil sie seit mehreren Jahren komplett auf Anleihen verzichtet. Das bildet eine Ausnahme, denn normalerweise verteilen Mischfonds ihr Geld vor allem auf Aktien und Anleihen. „Aber in der Euro-Krise war uns klar geworden, dass bei den niedrigen Zinsen Bonds ein sehr hohes Risiko haben – heute ein viel höheres als Aktien“, sagt Seilern. Der Fonds hat 80 Prozent seines Geldes in Aktien und etwa ein Fünftel als Risikopuffer in Cash.
Den Aktienteil steuert Seilern ebenso ungewöhnlich: Im Fonds sind nur 22 Titel. Viele andere Manager setzen auf eine dreistellige Zahl von Einzelwerten. „Wir suchen Firmen, die auch in einer schweren Krise bestehen können, weil sie Marktführer in einem wachsenden Segment sind und Wettbewerbsvorteile haben“, sagt Seilern.
In dem Sinn sei die Coronakrise kein besonderes Ereignis, sondern eine Krise wie jede vorherige auch. Ein Blick auf die größten Positionen illustriert die Seilern-Vorstellung von resilienten, wachstumsstarken Unternehmen. Da finden sich Namen wie Alphabet, Nike und Mastercard.
FMM-Fonds
Alter bringt Erfahrung. Das gilt auf jeden Fall für Jens Ehrhardt. Der gebürtige Hamburger ist seit einem halben Jahrhundert im Finanzgeschäft und lancierte 1987 den ersten Mischfonds eines unabhängigen Vermögensverwalters in Deutschland. „Der FMM-Fonds ist ein klassischer Value-Fonds, das habe ich durchgehalten“, sagt der Gründer von DJE Kapital.
Doch in der jüngeren Zeit hat er auch typische Wachstumswerte wie Amazon gekauft, trotz schon stark gestiegener Kurse. Bei Tech-Titeln werden die Gewinne seiner Meinung nach weiter gut steigen. Und die Bewertungen seien noch weit von der Euphoriephase für die Internetunternehmen zur Jahrtausendwende entfernt, meint der Manager.
Einen Schwerpunkt hat Ehrhardt bei Versorgern etwa mit Eon. „Bei den Strom-Durchleitern kann nicht viel passieren, und die Dividendenrendite von fünf Prozent wird auch weiter steigen“, sagt er. Auf Anleihen dagegen verzichtet der Manager angesichts der Zinslandschaft fast völlig. Die Versorgeraktien mit ihren hohen Renditen sieht er als eine Art Anleihen-Ersatz. Mehr als ein Zehntel des Kapitals steckt in Gold und Goldminenaktien.
Der Manager sieht das als Risikopuffer gegen die Unsicherheiten in Wirtschaft und Politik. Und über ein Fünftel des Kapitals hält er inzwischen liquide. Zwar bleibt er seiner Dax-Prognose von 16.000 Punkten bis zum Frühjahr nächsten Jahres treu. Doch er schränkt ein: „Bis zum September könnten wir auch eine Korrekturphase erleben.“
Aktienfonds
MS Global Brands
Seit 28 Jahren managt William Lock Fonds. Der Aktienchef der Fondssparte der US-Bank Morgan Stanley und sein Team nehmen es im knapp 17 Milliarden US-Dollar schweren Aktienfonds „MS Global Brands“ mit den Schwergewichten der Wirtschaftswelt auf. Die größten zehn Positionen im Fonds machen bereits knapp 60 Prozent des Vermögens aus.
Vor allem bekannte Konzerne aus den USA und Großbritannien stehen ganz oben auf der Liste: Konsumriesen sowie Tech- und Gesundheitsgrößen wie Reckitt Benckiser, Procter & Gamble, Microsoft, SAP und die beiden US-Medizintechnikanbieter Baxter International und Becton Dickinson.
Lock will langfristig höhere Renditen mit Unternehmen mit starken Marktpositionen und schwer nachzuahmenden immateriellen Vermögenswerten erzielen. Konjunkturabhängige Sparten wie Industrie, Finanzen, aber auch Kommunikationsdienste sind daher unterrepräsentiert.
In der Coronakrise sieht sich der Manager in seiner Strategie bestärkt: „Es gibt nur zwei Möglichkeiten, mit Aktien Geld zu verlieren“, sagt er. „Entweder bleiben die Gewinne aus, oder die Bewertungen brechen ein.“ Nach dem Anstieg des MSCI World Index um 46 Prozent seit dem Börsentief im März treiben ihn derzeit beide Sorgen um.
Doch Spitzenunternehmen sind seiner Ansicht nach in der Lage, nachhaltig hohe Renditen zu erwirtschaften. Der Lockdown habe solchen „Kapitalvermehrern“ wenig anhaben können, meint Lock.
Diese seien in bestimmten Segmenten des Aktienmarktes zu finden: Basiskonsumgüter, Software und IT-Dienstleistungen sowie im Gesundheitssektor.
Damit erklärt Lock die Überrendite seines Fonds: 2020 liegt der MS Global Brands zwar knapp im Minus. Über die vergangenen 15 Jahre hat Lock jedoch jährlich 9,7 Prozent Wertzuwachs nach Gebühren erreicht. Kurz- wie langfristig hat er Vergleichsindex und Konkurrenz hinter sich gelassen.
Comgest Monde
Zak Smerczak managt den „Comgest Monde“ seit vier Jahren, seine Kollegin Laure Negiar seit einer Dekade. Seit 1991 schon werde der weltweit anlegende Fonds des Aktienspezialisten Comgest aus Paris nach „eigentlich einfachen Regeln“ gesteuert, sagt Smerczak: In das 1,7 Milliarden Euro schwere Portfolio kommen Aktien von Unternehmen, deren nachvollziehbares Geschäftsmodell einen langfristig vorhersehbaren zweistelligen Gewinnzuwachs im Jahr hervorbringt und die wenig Schulden, aber einen hohen Cashflow haben.
Generell schließt Comgest wenig durchsichtige Branchen wie Banken und Rohstoffe, aber auch extrem konjunkturanfällige Sparten wie den Maschinenbau aus. Nachhaltig müssen die Firmen zudem agieren: „Denn wer Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung nicht beachtet, kann nicht dauerhaft zweistellig wachsen“, sagt der Fondsmanager. Unterstützt von 45 Analysten baut Comgest Monde ein konzentriertes Portfolio aus knapp 50 Titeln.
„Überzeugende Firmen müssen auch nachhaltig agieren, denn wer Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung nicht beachtet, kann nicht dauerhaft zweistellig wachsen.“
Foto: ComgestGut acht Prozent Performance pro Jahr nach laufenden Kosten erzielten die Manager in den vergangenen 15 Jahren, das ist besser als der Weltaktienindex MSCI World und deutlich mehr als der Durchschnitt der Konkurrenz. Besonders stark schneide der Fonds dabei in schwachen Marktphasen ab, meint Smerczak: „In Aufwärtsphasen lassen wir aber ein wenig Performance liegen, da wir auf Qualitätstitel setzen. Effektiv versuchen wir zu gewinnen, indem wir nicht verlieren.“
Das zeigte sich in den vergangenen Krisen ebenso wie aktuell: Im Jahr vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 boomten Rohstoff- und Bankaktien, da lag der Fonds hinter dem Weltaktienindex MSCI World zurück. Im Krisenjahr 2008 aber verlor er deutlich weniger als der Index. Zum Ende der Krise bauten die Fondsmanager das Portfolio um, kauften damals wenig beachtete, daher preiswerte Papiere wie Google (heute Alphabet), Microsoft, L’Oreal und einige japanische Firmen.
Mitte 2018 verringerten die Fondsmanager das Gewicht vieler dieser Positionen deutlich, weil die Bewertungen sich verdoppelt hatten. Nach dem Kursrutsch 2018 kauften die Fondsmanager „zuvor teure Lieblingswerte“ wie den führenden Halbleiterhersteller TSMC, den führenden Hersteller von Bildverarbeitungssystemen Keyence und den Entwickler von Online-Spielen Tencent zurück.
Nach dem Corona-Crash bauten Smerczak und Kollegen lange favorisierte Tech-Positionen wieder auf, um im Gegenzug „Profiteure der Coronakrise“ wie den Pharmakonzern Eli Lilly nach der raschen Erholung zu reduzieren. Auch 2020 liegt der Fonds mit einem knappen Werterhalt vor dem Index und der Konkurrenz. Als unterschätzt und aussichtsreich machen Smerczak und Co. nun aus: den Finanzkonzern HDFC Bank aus Indien, den Luxusanbieter LVMH, die krisengebeutelte MTU sowie die Versicherungen Ping An und AIA aus China.
Uniglobal
Ein Tanker lässt sich gut durch ein unruhiges Meer manövrieren. Marc Hellingrath steuert seit eineinhalb Jahren bei Union Investment den Aktienfonds „Uniglobal“ mit 8,5 Milliarden Euro Kundenvermögen. Langfristig erreicht die Strategie aus dem Fondshaus des genossenschaftlichen Bankenverbunds 7,8 Prozent Rendite nach Gebühren im Jahr. Auch die Corona-Verluste im ersten Halbjahr waren nur halb so hoch wie im Durchschnitt der Konkurrenten. „Aktuell haben wir viel richtig gemacht, aber man braucht auch Mut und Glück“, sagt Hellingrath.
Mit „richtig gemacht“ meint der Manager vier Entscheidungen: Er setzt stark auf US-Firmen, auf große Unternehmen, bevorzugt den Technologiesektor und verzichtet auf die Börsenverlierer Banken und Energiekonzerne. Hellingrath hält das in der aktuellen Lage für die natürliche Marschrichtung: „Ich denke einfach, ich bin kein Raketenwissenschaftler.“ Der Fondsmanager setzt beispielsweise auf die strukturellen Trends Digitalisierung und Medizintechnik.
Dazu passen die größten Bestände im Fonds: Aktien von Apple, Alphabet, Microsoft und Amazon. Hellingrath will die Trends spielen, solange sie laufen und auf keinen Fall zu früh aussteigen. „Viele fragen mich, warum ich die Apple nicht verkaufe, wo die doch so gut gelaufen ist“, sagt er. Doch solange Apple „weiter liefert“ – soll heißen: das Wachstum stimmt –, sieht er keinen Grund, sich von der Aktie zu trennen.
Der heimische Markt hat eher ein schlechtes Standing im Fonds. Unter den rund 80 Werten gibt es auch nur wenige deutsche Titel, etwa Infineon, Deutsche Börse und Münchner Rück, im Februar kaufte er Deutsche Post. Das meiste Geld steckt an der Wall Street: „Da ist die Liquidität viel besser, denn ich muss Titel auch verkaufen können, wenn es mal ein Problem gibt.“
Anleihefonds
Capital Group Global High Income Opportunities
Wer noch Rendite mit Anleihen finden will, muss raus in die Welt. Nach dieser Devise durchforsten David Daigle und Robert Neithart vom US-Fondsriesen Capital Group für ihren Fonds „Global High Opportunities“ aktuell vor allem die verschiedensten aufstrebenden Länder, die Emerging Markets, nach attraktiven, aber nicht zu riskanten Bonds.
Gut die Hälfte des Fondsvermögens von 1,1 Milliarden US-Dollar ist in Schwellenländerpapieren investiert, in der aktuellen Krise vor allem in den stabileren Bonds harter Währungen wie dem US-Dollar. Zu den größten Positionen gehören Staatsanleihen aus Russland, Mexiko, der Ukraine und Qatar.
Mit dem Fokus auf hochverzinste Bonds aus Schwellenländern wie auch von Unternehmen im weltweit ausgerichteten Fonds streben die Manager mit je gut einem Vierteljahrhundert Berufserfahrung „langfristig einen hohen Gesamtertrag“ an, sagt Peter Becker aus dem Londoner Bondsteam des Hauses.
Um zugleich ein stabiles Portfolio ohne „übermäßige Kreditrisiken“ aufzubauen, stützen sich die Fondsmanager auf die Kreditanalysten von Capital Group, die zu den gut 400 Anlageexperten des Fondshauses mit 1,7 Billionen Dollar Vermögen gehören. Außerdem achteten Daigle und Neithart in jeder Krise – also auch jetzt – auf eine ausreichend hohe Liquidität, um bei Kapitalabflüssen nicht unter Druck Bonds zu dann besonders schlechten Kursen verkaufen zu müssen.
Die Fondsmanager meiden Firmen, die in der Coronakrise besonders leiden, etwa aus Sektoren wie Energie, konjunkturabhängige Konsum- und Investitionsgüter. Vor allem dort „werden nicht nur die Firmengewinne sinken, sondern sich auch die Ausfallraten erhöhen“, erwartet Becker. Unter dem Strich liegen die Manager in diesem Jahr bisher zwar mit drei Prozent im Minus. Doch über die vergangenen 15 Jahre erreichten sie mit 6,3 Prozent pro Jahr inklusive Gebühren eine Spitzenrendite.
Pimco Global Bond Fund
Anleiheinvestoren gelten als vorsichtige Naturen – haben sie doch den Ruf, zunächst auf Risiken an den Märkten zu schauen. Und so passt es, wenn Andrew Balls, gefragt danach, wie er seinen 15 Milliarden US-Dollar schweren weltweit anlegenden Fonds „Global Bond Fund“ durch die Corona-Zeit bringt und noch Rendite erzielt, vor allem über „Unsicherheit“, „Liquidität“ und „Bonität“ spricht.
Nachvollziehbar, da die Corona-Angst in diesem Frühjahr auch kurz für Illiquidität am Bondmarkt gesorgt hatte. „Aber in der Covid-Krise haben die Notenbanken und die Politiker beeindruckend schnell mit Unterstützungsmaßnahmen reagiert – das hat rasch wieder Investmentchancen geschaffen“, erklärt der Fondsmanager und Chefanlagestratege für globale Bonds beim weltgrößten privaten Anleiheinvestor Pimco.
In der Finanzkrise 2008 hätten er und seine Kollegen sich gesorgt, dass eine Rezession den Euro zerstören würde, erzählt der Brite – das scheint nach der Einigung der EU auf ein Stützungspaket aktuell zumindest kein Thema zu sein. Daher findet der Manager Staatspapiere aus Euro-Ländern mit hohen Schulden und damit etwas höheren Zinsen wie Italien und Spanien generell attraktiv.
Doch Rendite lässt sich in einer Welt, in der die Zinsen nahezu auf nichts zusammengeschmolzen sind, nicht mehr nur mit Staatsanleihen der westlichen Welt erzielen. „Der Zinsschein als Renditepuffer ist nahezu weggeschmolzen, was auch den Umgang mit der jüngsten Krise härter macht“, sagt Balls. So müssen er und seine Kollegen „in jedem Bond-Segment prüfen, wo es noch vergleichsweise gute Chancen auf Performance gibt“.
Es braucht einen breiten Mix aus unterschiedlichen Anleihen. Relativ stark setzt Balls auf mit Hypotheken besicherte Wertpapiere (Mortgage Backed Securities, MBS) der halbstaatlichen US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac sowie anderer US-Hypothekenfinanzierer und auf Papiere mit verbrieften Hypotheken britischer Wohnimmobilienfinanzierer (Residential MBS, RMBS). Dort lasse sich gute Qualität und eine Rendite von bis zu zwei Prozent im Jahr finden, sagt er.
Wichtig sei bei diesen Bonds, die in der Finanzkrise 2008 auch wegen zu blauäugiger Ratings in Misskredit gerieten, auf die Struktur der Papiere zu achten sowie auf den Kapitalzufluss aus den Hypotheken. Außerdem kaufen Fonds immer eine Vielzahl von Titeln: „Wenn der Mix stimmt, lässt sich auch mal ein Ausfall verkraften.“
Ansonsten finden sich im Fonds Firmenanleihen guter Bonität, US-Staatsanleihen und einige Schwellenländerbonds, in der Krise vorrangig in harten Dollar. Diese Strategie hat in diesem Jahr bisher immerhin ein kleines Plus gebracht, in den vergangenen 15 Jahren überdurchschnittliche 5,3 Prozent nach Gebühren im Jahr.
Allianz Internationaler Rentenfonds
Ralf Jülichmanns stellt sich auf die nächsten Monate ein: „Die Coronarisiken bleiben in den nächsten Monaten bestehen“, sagt der Manager des „Allianz Internationaler Rentenfonds“, der im ersten Halbjahr 2,3 Prozent Ertrag nach Gebühren erwirtschaftete.
Bei einer möglichen Verschärfung der Lage dürften geld- und fiskalpolitische Maßnahmen die Bonds weiter stützen, glaubt er. Erstklassige Staatsanleihen blieben als sichere Häfen gefragt. Im Fonds hat er außerdem relativ hohe Positionen an Firmentiteln sowie an Staatspapieren aus Portugal und Spanien.
„Wir wollen hier von den Mehrerträgen profitieren“, meint er mit Blick auf die höhere Verzinsung dieser Anleihen. Er lege einen Schwerpunkt auf Euro-Titel, denn die Europäische Union und die Gemeinschaftswährung würden wieder positiver wahrgenommen.
Nachhaltigkeitsfonds
DPAM Equities World Sustainable
Nachhaltiges Investieren lässt sich in gute Anlageerträge umsetzen. Das beweist beispielsweise ein Aktienfonds des belgischen Verwalters Degroof Petercam Asset Management (DPAM). Der „DPAM Equities World Sustainable“ erwirtschaftete in der Vergangenheit durchschnittlich knapp acht Prozent Jahresertrag. „Wir suchen große Unternehmen, die von langfristigen Trends profitieren und die unsere Nachhaltigkeitskriterien erfüllen“, sagt DPAM-Deutschlandchef Thomas Meyer.
Die Firmen müssten sich der UN-Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung verpflichtet sehen. Kontroverse Branchen wie Waffen, Glücksspiel und Tabak etwa schließe man grundsätzlich aus. Dazu komme die weitere Auswahl durch die eigenen Analysten.
Zu den großen Trends zählt Meyer Technologie, Demografie sowie den Aufschwung der Schwellenländer als Treiber der Gewinne für dort agierende Firmen. Mit rund 50 Titeln beschränkt sich der Fonds auf relativ wenige Einzelpositionen. Dazu gehören das chinesische Internetunternehmen Tencent, die US-amerikanische Tech-Adresse Nvidia und der Laborausstatter Thermo Fisher Scientific.
NN Global Sustainable Equity
Vom Boom des verantwortungsvollen Investierens profitiert auch der niederländische Vermögensverwalter NN Investment Partners. Der Aktienfonds „Global Sustainable Equity“ setzte sich im ersten Halbjahr mit einem Ertrag von acht Prozent nach Gebühren von den meisten Konkurrenten ab. NN-Experte Thomas Wendt erkennt: „Wir sehen, dass die ‚Fridays for Future‘-Bewegung für ein Umdenken sorgt, umweltschädigende Unternehmen Risiken haben.“
Gesucht seien innovative Firmen mit guten Finanzdaten, hohem Wachstum, hohen Eintrittsbarrieren für Konkurrenten – die außerdem den Anforderungen an nachhaltiges Wirtschaften gerecht würden.
Ein Grund für die jüngsten guten Fondserträge ist der Verzicht auf Ölaktien und der geringe Anteil konjunkturabhängiger Konsumunternehmen, deren Kurse während der Coronakrise gelitten haben. Dagegen hält der Fonds größere Bestände etwa an den gut gelaufenen Microsoft, Alphabet und Amazon. Dazu kommen Finanzdienstleister für bargeldloses Bezahlen, deren Services in Corona-Zeiten ebenfalls gefragt sind: Visa und Adyen.