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Handelsexperte Jörg Funder„Corona hat den Brand bei Karstadt Kaufhof nur beschleunigt“

Karstadt Kaufhof ist nicht erst seit dem Lockdown in der Krise. Handelsexperte Jörg Funder erklärt, dass es in Deutschland nur Platz für 70 bis 80 zentral geführte Warenhäuser gibt.Florian Kolf 19.08.2020 - 17:19 Uhr

„Der Umbau des Warenhauskonzerns in einen modernen Händler ist kein Sprint, noch nicht mal ein Marathon.“

Foto: dpa

Herr Funder, ist Galeria Karstadt Kaufhof erst durch die Geschäftsschließungen in der Coronakrise in diese schwierige Lage geraten?
Der Konzern stand bereits vor der Coronakrise vor deutlichen Herausforderungen: hohe Mieten, Frequenzrückgang in den Innenstädten, eine Vielzahl von Filialen, hohe Kosten und eine unklare Positionierung im Markt. Dazu noch die aufwendige und schwierige Zusammenlegung zweier Unternehmen mit unterschiedlichen Strukturen und Systemen. Vor diesem Hintergrund wirkte die Zwangsschließung bei Corona wie ein Brandbeschleuniger. Insbesondere der Wegfall von Umsätzen bei weiterlaufenden Kosten tat dann sein Übriges.

Also nutzt Galeria das Insolvenzverfahren nur, um Schnitte zu machen, die ohnehin notwendig gewesen wären, aber vorher nicht durchzusetzen waren?
Die Coronakrise hat die Entwicklung sicherlich beschleunigt, und man ist nun zu Schritten gezwungen, die man vorher gegebenenfalls vermeiden wollte. Für uns jedoch galt auch schon vor der Coronakrise: In Deutschland gibt es, grob geschätzt, Platz für 70 bis 80 zentral geführte Warenhäuser.

Reichen die jetzt eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen, um das Unternehmen zukunftssicher zu machen?
Ich finde es schwierig, dass Kostenmaßnahmen so große Bedeutung beigemessen wird. Insbesondere die Einsparung von Mitarbeiterkosten auf den Verkaufsflächen sehe ich als schwierig an. Das Warenhaus steht für Service und Erlebnis. Daran muss dringend mit klaren Konzepten gearbeitet werden. Das schließt dabei auch den Ausbau eines kanalübergreifenden Einkaufserlebnisses on- wie off‧line mit ein.

Der Konzern hat aktuell einen Onlineanteil am Umsatz von 4,3 Prozent. Wie weit ist der Weg zu einem modernen Omnichannel-Händler?
Der Umbau des Warenhauskonzerns in einen modernen Händler ist kein Sprint, noch nicht mal ein Marathon. Vielmehr sogar ein Ultralauf. System und Kultur und die Arbeit an der Marke brauchen sicher Jahre, um mit modernen Omnichannel-Händlern mitzuhalten. Dabei steht der Wettbewerb nicht still. Schon heute ist sicher, dass sich der Handel viel mehr zu einem Technologiefeld mit einer sehr hohen Anwendungsbedeutung von Data Science und Künstlicher Intelligenz entwickelt. Hier will sich der Konzern rüsten, die Anforderungen scheinen jedoch kaum kurzfristig realisierbar.

Herr Funder, vielen Dank für das Interview.

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