Devisen: Währungsstrategen sehen viele Gründe für einen wieder schwächeren US-Dollar
Die US-Währung gehörte in der vergangenen Woche zu den großen Gewinnern am Devisenmarkt.
Foto: dpaGrund dafür war vor allem die Angst vor einer zweiten Coronawelle in Europa. Sie hat dazu geführt, dass Anleger zuletzt Risiken wieder stärker gemieden haben und ihr Kapital eher in den US-Dollar steckten, der als Zufluchtsort in der Krise gilt.
Die Frage ist allerdings, ob dieser Aufwärtstrend für den Dollar nachhaltig ist. Viele Devisenexperten sind skeptisch. „Dass der Dollar nach monatelanger Schwächephase sich mal wieder etwas erholen kann, sei unbenommen. Jedoch darf man sich schon wundern, dass diese Erholung wenige Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl stattfindet“, urteilt Commerzbank-Devisenexperte Ulrich Leuchtmann. Der Investmentstratege des französischen Vermögensverwalters Carmignac, Gergely Majoros, hält die US-Währung nach wie vor für überbewertet. Er sieht vor allem angesichts der extrem lockeren Geldpolitik und der massiven Staatsausgaben in den USA Potenzial für eine weitere Abwertung. „Historisch hat der Dollar immer dann besonders gelitten, wenn Geld- und Fiskalpolitik in den USA sehr expansiv waren“, sagt er. Noch deutlicher ist der Devisenchef der Deutschen Bank, George Saravelos. Er spricht in einer aktuellen Analyse vom „schlechtesten Policy-Mix für den Dollar seit dem Ende von Bretton Woods“. Eine Anspielung auf das historische Abkommen zur Währungsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg, das 1973 zusammenbrach.