Gefragtes Bauland: Warum die Türkei trotz Corona einen Immobilienboom erlebt
Noch ist die Gegend weitestgehend vom Tourismus verschont geblieben.
Foto: Ozan Demircan / HandelsblattIstanbul. Yusuf Yüregil ist eigentlich Bürgermeister, doch inzwischen fühlt er sich wie ein Immobilienmakler. Beinahe jeden Tag fährt der Dorfoberste der Gemeinde Ge an der türkischen Südküste inzwischen zum Bezirksamt. Leute aus aller Welt kaufen Grundstücke in seinem Dorf, auch aus Deutschland und Frankreich zum Beispiel. Allerdings sind weniger die Grundstücke im Ort beliebt, sondern mehr die großflächigen Äcker in der Umgebung. „Fast die Hälfte aller Felder rings um den Ort sind verkauft“, erzählt Yüregil, „und das zu Preisen wie in den größeren Touristenorten.“
In der Türkei hat während der Covid-19-Pandemie ein Immobilienboom eingesetzt. Damit steigt nicht nur die Gefahr einer Blase. Schon im September 2019 beschrieb die Börse in Istanbul in einer eigenen Studie ein „explosives Verhalten“ am türkischen Immobilienmarkt. Doch der Boom hält an, trotz Pandemie.
Allein in den drei Sommermonaten haben Grundstücke im Wert von insgesamt 89 Milliarden Lira (9,6 Milliarden Euro) den Besitzer gewechselt. Die Preise sind in diesem Zeitraum um durchschnittlich 35 Prozent angestiegen, in manchen Provinzen sogar um bis zu 82 Prozent. Das zeigen Daten der türkischen Immobilien-Börse Gaboras. Demnach hat sich vor allem die Nachfrage nach Grundstücken unter 10.000 Quadratmetern rasant erhöht, die in erster Linie von Privatpersonen nachgefragt werden.