Interview mit Ex-IWF-Chefvolkswirt: Olivier Blanchard warnt: „Die Gefahr ist, das Inflations-Monster zu wecken“
Der Franzose gehört zu den Wortführern, die vor einer höheren Inflation in den USA warnen.
Foto: Bernd Roselieb für HandelsblattFrankfurt. Olivier Blanchard gehört zu den Ökonomen, die nicht auf ihrer Meinung beharren, wenn sich die Situation ändert. In den vergangenen Jahren hat er oft gemahnt, die Regierungen sollten angesichts der niedrigen Zinsen ruhig höhere Staatsschulden riskieren, wenn sie damit die Wirtschaft in Gang halten können. Vor Inflation hatte er keine Angst – im Gegenteil, er schlug der US-Notenbank Fed sogar vor, das Inflationsziel von zwei auf vier Prozent zu erhöhen.
Umso überraschender, dass er jetzt im Gespräch mit dem Handelsblatt eindringlich davor warnt, das „Monster“ der Inflation zu wecken. Die geplanten fast drei Billionen Dollar mit Schulden finanzierten Finanzspritzen der US-Regierung sind aus seiner Sicht einfach viel zu viel.
Er habe um Regen gebeten und einen Monsun bekommen, sagt er. Er fürchtet, dass die US-Wirtschaft überhitzt, die Inflation zu schnell hochschießt und die Fed so stark reagieren muss, dass sie der US-Wirtschaft die Luft abdreht.
Und vor allem: Aus seiner Sicht ist das Paket in dieser Größe gar nicht nötig und deswegen das Risiko nicht wert. „Warum läuft man in ein Minenfeld, wenn es dadurch nichts zu gewinnen gibt?“, fragt er daher.