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  4. Zolldeal: Taiwans Chipriesen sollen 250 Milliarden Dollar in den USA investieren

US-ZölleVerkauft Taiwan seine Chipindustrie an Amerika?

Mit der Androhung von Zöllen zwingt US-Präsident Trump das Land dazu, Teile seiner Halbleiter-Produktion in die USA zu verlagern. In Taiwan sieht man Konsequenzen für die eigene Sicherheit.Martin Kölling 16.01.2026 - 14:28 Uhr Artikel anhören
TSMC-Chef Wei (l.), Donald Trump: Der weltgrößte Auftragsfertiger für Halbleiter will massiv in den USA investieren. Foto: REUTERS

Tokio. 250 Milliarden Dollar werden Taiwans Chipkonzerne im Rahmen eines neuen Handelsabkommens künftig in neue US-Werke investieren. Das teilten die Regierungen der USA und Taiwans am Freitag mit. Außerdem wird Taiwans Regierung Banken Kreditgarantien von bis zu 250 Milliarden Dollar gewähren, um Investitionen in amerikanischen Technologiesektoren zu unterstützen.

Im Gegenzug senkt die US-Regierung den Zoll auf Güter aus Taiwan von 20 auf 15 Prozent. Zugleich befreit Washington Halbleiter aus Taiwan von einer 100-prozentigen Abgabe auf eingeführte Chips, die US-Präsident Donald Trump verhängt hatte.

Die US-Regierung setzt mit ihrer Zollpolitik fort, was Präsident Joe Biden mit hohen Subventionen versucht hatte: die nach Ostasien abgewanderte Chipproduktion zurückzuholen nach Amerika. „Das Ziel besteht darin, 40 Prozent der gesamten taiwanischen Produktion in die USA zu verlagern“, sagte US-Handelsminister Howard Lutnick dem Sender CNBC. Mit dieser Aussage schürte er in Taiwan Sorgen um einen Ausverkauf der heimischen Chipindustrie.

TSMC im Visier Washingtons

Besonders hat es die Regierung auf das Unternehmen TSMC abgesehen, den weltweit größten Auftragsfertiger für Halbleiter. Nach Angaben des taiwanischen Marktforschers Trendforce hatte der Konzern im dritten Quartal 2025 einen globalen Marktanteil von 71 Prozent.

TSMC hatte seine US-Investitionen zunächst von ursprünglich 12 auf 65 Milliarden Dollar erhöht, vergangenes Jahr kündigte der Konzern weitere 100 Milliarden Dollar an. Anfang dieser Woche berichteten US-Medien von zusätzlichen 100 Milliarden für vier neue Werke, eine Meldung, die TSMC bislang nicht bestätigte. Unklar bleibt auch, inwieweit bereits angekündigte Investitionen in den Handelsdeal einfließen.

Handelsabkommen

Taiwan und die USA beschließen strategische KI-Partnerschaft

In Taiwan wachsen die Sorgen, das Abkommen könnte die wichtigste Industrie des Landes aushöhlen. Vor allem das sogenannte Silizium-Schutzschild gegen China sieht man gefährdet. China beansprucht Taiwan als Teil seines Territoriums und droht mit militärischer Eroberung. Dieses Schutzschild hat zwei Komponenten:

  • Taiwan ist ein unentbehrlicher Chiplieferant für China – mit einem Angriff würde Peking sich daher selbst schaden. Dieser Mechanismus schwächt sich aber mittlerweile durch Chinas eigene Chipfertigung ab.
  • Taiwan hat als Chiplieferant für US-Konzerne wie Nvidia, Apple und Alphabet große Bedeutung, zumindest jetzt noch. Solange dies der Fall ist, werden die USA Taiwan im Falle eines Angriffs schon aus Eigeninteresse Beistand leisten.

Die Opposition wirft der taiwanischen Regierung vor, durch die Exporte von Chipfabriken die Sicherheit des Landes zu gefährden. Als Beispiel führt sie die wachsenden TSMC-Investitionen in Arizona an, wo die Produktion von Hochleistungschips ausgebaut werden soll.

Voraussetzungen wie Japan und Südkorea

Präsident Lai Ching-te pries den Deal dagegen als Gewinn an – besonders für Unternehmen außerhalb des Chipsektors. Taiwans Zoll sinke nun auf das Niveau der rivalisierenden Nachbarstaaten Japan und Südkorea. „Die Wettbewerbsbedingungen sind damit ausgeglichen“, sagte er am Freitag. „Das bietet große Chancen für taiwanische Traditionsindustrien, die in die USA exportieren.“ Zudem investierten US-Konzerne nun verstärkt in Taiwan, besonders in Technologien der Künstlichen Intelligenz (KI).

Halbleiter-Produktion: Taiwan baut seine modernsten Fabriken weiterhin im eigenen Land. Foto: Getty Images

Wirtschaftsminister Kung Ming-hsin wiederum versicherte: „Taiwan wird weiterhin der weltweit wichtigste Hersteller von KI-Halbleitern bleiben.“ Seiner Prognose zufolge sinkt Taiwans Anteil an KI-Chips von gegenwärtig 90 Prozent lediglich auf 85 Prozent im Jahr 2030. Sechs Jahre später soll der Anteil immer noch 80 Prozent betragen. Die US-Kapazitäten würden in diesem Zeitraum auf 15 bis 20 Prozent steigen.

Das zunehmende Interesse der USA an Taiwans Chipindustrie hängt vor allem auch mit dem KI-Boom zusammen. So meldete TSMC am Donnerstag ein neues Rekordjahr. Der Mega-Trend KI werde sich in den kommenden Jahren fortsetzen, sagte Konzernchef C. C. Wei.

Beruhigend für Taiwan: TSMC baut seine modernsten Fabriken weiterhin in Taiwan – nicht nur aus patriotischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Motiven. Die Kosten für Investitionen und Produktion sind dort deutlich geringer als in den USA oder Deutschland, wo TSMC ebenfalls ein Werk errichtet.

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In Taiwan läuft bereits die Produktion von Halbleitern mit Zwei-Nanometer-Strukturen an, die bisher leistungsfähigsten Chips. Noch kleinere Strukturen sind in Planung. In den USA soll die Fertigung von Drei-Nanometer-Chips erst 2027 beginnen, die von Zwei-Nanometer-Chips Ende des Jahrzehnts.

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