Versicherungskonzern: Allianz steigert Ergebnis um 45 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro
Der Allianz-Chef hat gute Zahlen vorgelegt.
Foto: imago images/sepp spieglMünchen. Die Allianz kehrt in vertraute Gewinnsphären zurück. Nach einem Einbruch im vergangenen Jahr hat Europas größter Versicherer im ersten Quartal wieder mehr als eine Milliarde Euro pro Monat verdient. Das zeigen die Zahlen, die der Konzern am Dienstagmorgen präsentiert hat.
Der operative Gewinn in den Monaten Januar bis März beträgt demnach 3,3 Milliarden Euro nach 2,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Die Auswirkungen der Coronakrise bezeichnet der Konzern inzwischen als „vernachlässigbar“. 17 Analysten, die die Allianz regelmäßig beobachten, hatten zuvor im Mittel mit einem Gewinn von 3,09 Milliarden Euro gerechnet.
Insgesamt ging es in allen drei Kernbereichen der Allianz – Sachversicherung, Lebens- und Krankenversicherung sowie Vermögensverwaltung – wieder bergauf. Konzernchef Oliver Bäte zeigt sich entsprechend zufrieden. Man sei „mit hervorragenden Ergebnissen über alle Geschäftsbereiche in das Jahr gestartet“, heißt es in der Pressemitteilung des Hauses.
Weil weniger Schäden aus Naturkatastrophen anfielen, gehört besonders die Sachversicherung im Auftaktquartal zu den großen Gewinnern. Hier stieg das operative Ergebnis um fast 47 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Damit wurden die hohen Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit 1,47 Milliarden Euro gerechnet hatten, sogar leicht übertroffen.
Im weltweiten Geschäft mit Kfz-, Haftpflicht- und Hausratversicherungen zeigen sich weiterhin die Auswirkungen der Krise. So ging der Gesamtumsatz in diesem Segment auf 19,7 Milliarden Euro zurück nach 20,3 Milliarden Euro vor einem Jahr. Die Entwicklung ist unter anderem auf Wechselkursveränderungen sowie auf Konsolidierungseffekte zurückzuführen.
Besonders bei der Tochter Allianz Partners, die etwa auf Reiseversicherungen spezialisiert ist, sind die Folgen der Pandemie noch deutlich spürbar. Auch die Geschäfte im Heimatmarkt Deutschland sowie in Großbritannien laufen noch nicht auf Vorkrisenniveau. Dagegen kommen der Industrieversicherer AGCS, der Kreditversicherer Euler Hermes sowie das Türkeigeschäft immer besser in Gang. Vor allem AGCS produzierte über viele Jahre Verluste.
Allianz Direct verliert Prämieneinnahmen
Auch beim neuen Online-Versicherer Allianz Direct steht dem Konzern noch eine längere Wegstrecke bevor, wie sich am Mittwoch zeigte. Der Direktversicherer, der Anfang vergangenen Jahres den mäßig erfolgreichen Vorgänger Allsecur ersetzte, verlor zuletzt deutlich an Prämieneinnahmen. In Deutschland waren es laut Finanzvorstand Giulio Terzariol bis zu 25 Prozent.
Der Grund dafür war vor allem, dass bisher viele Policen über so genannte Aggregatoren, also Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox, abgeschlossen wurden. So lässt sich zwar die Zahl der abgeschlossenen Verträge in gesättigten Märkten wie der Kfz-Versicherung schnell und kräftig steigern. Gleichzeitig gilt diese Art des Abschlusses aus Sicht der Versicherer als teuer und wenig profitabel.
„Wir wollen sauber starten“, begründete der Finanzvorstand den Entschluss, dass sich Allianz Direct zuletzt in größerem Stil von unprofitablem Geschäft getrennt hat. Die Schaden-Kosten-Quote habe zwar nicht im Verlustbereich gelegen, sei aber eindeutig zu hoch gewesen, so Terzariol.
Generell erwartet der Finanzvorstand, dass bei einer Rückkehr zu mehr Normalität auch Die Zahl der Autounfälle wieder zunehmen wird. „Das hat auch Auswirkungen auf die Prämien“, so Terzariol. Autofahrer müssen sich also mit dem erhofften Ende der Pandemie auch mit steigenden Versicherungsprämien abfinden.
Starkes Geschäft in der Lebens- und Krankenversicherung
In der Lebens- und Krankenversicherung legte der operative Gewinn kräftig zu. Hier erzielte die Allianz ein Ergebnis von 1,2 Milliarden Euro – ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und knapp 100 Millionen Euro mehr als von Analysten erwartet.
Der Zuwachs kam diesmal aus vielen Ländern und hängt auch mit der guten Entwicklung am Kapitalmarkt zusammen. Besonders in den USA führte das zu einem höheren Kapitalanlageergebnis. In Deutschland und Frankreich kam es zu niedrigeren Wertberichtigungen als vor einem Jahr, in Italien trugen höhere Verwaltungsgebühren zum Ergebnissprung bei. Finanzvorstand Terzariol geht davon aus, dass dieser Trend auch im weiteren Jahresverlauf anhält. „Ich erwarte eine anhaltende stabile Leistung in diesem Geschäftsfeld“, sagte er.
Das kleinste Konzernsegment, das Asset-Management, setzte nach den hohen Zuwächsen im Corona-Jahr 2020 seinen positiven Trend fort. Das operative Ergebnis der beiden Töchter Allianz Global Investors (AGI) und Pimco wuchs um rund zehn Prozent auf 747 Millionen Euro. Analysten hatten hier im Schnitt mit 719 Millionen Euro gerechnet.
Besonders das für Dritte verwaltete Vermögen erreichte mit 1,775 Billionen Euro ein Rekordniveau. 37,8 Milliarden Euro flossen AGI und Pimco im Auftaktquartal von Kunden zu – die höchste Summe seit dem Schlussquartal 2017. Gemeinsam mit dem eigenen Vermögen verwaltet der Konzern nun die Gesamtsumme von 2,432 Billionen Euro – ebenfalls ein Rekord.
„Und das ist noch nicht das Ende der Durchsage“, blickte Giulio Terzariol nach vorne. Seine Hoffnung stützt sich darauf, dass der Zuwachs im Auftaktquartal quer über alle Vermögensklassen und Regionen kam.
Auffällig war dabei das Geschäft in Asien, bei dem die Vermögensverwalter der Allianz bislang Nachholbedarf hatten. Inzwischen verwalten sie von dort mehr als 200 Milliarden Euro. „Das ist eine gute Ausgangslage für das zweite Quartal“, sagt der Finanzvorstand.
Die Gewinnprognose für das laufende Jahr hält die Allianz unverändert bei zwölf Milliarden Euro mit einer Spanne von einer Milliarde Euro nach oben sowie nach unten. Diese Marke hatte Konzernchef Bäte bei der Präsentation der Jahreszahlen 2020 Mitte Februar ausgegeben.