Impfgipfel: Bund und Länder wollen Kinder und Jugendliche ab dem 7. Juni impfen
Der Bund will den Ländern für die Schülerimpfungen mehr als sechs Millionen Impfdosen der Hersteller Biontech und Pfizer zur Verfügung stellen.
Foto: ReutersBerlin. Bund und Länder planen, ab dem 7. Juni die Impfung von Kindern und Jugendlichen zu beginnen. Darauf haben sich die Ministerpräsidenten der Bundesländer und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Impfgipfel am Donnerstag geeinigt. Dann könnten sich auch Zwölf- bis 15-Jährige um einen Termin im Impfzentrum oder in der Arztpraxis bewerben.
Das bedeute aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von Impfstoffen allerdings nicht, dass bereits kurzfristig für diese Gruppe Termine verfügbar seien, heißt es in dem Beschluss. Merkel versicherte, dass der sichere Schulbetrieb von der Frage unabhängig betrachtet werden solle, ob ein Kind geimpft sei oder nicht.
Der Bund rechnet damit, dass für die Schülerimpfungen mehr als sechs Millionen Impfdosen der Hersteller Biontech und Pfizer nötig sein werden. „Zur Planung wird eine Impfbereitschaft von 60 Prozent angenommen, sodass der aktuell angenommene Bedarf bei jeweils 3,18 Millionen Dosen für die Erst- und die Zweitimpfung liegt“, heißt es in einem Papier, das das Bundesgesundheitsministeriums den Ländern im Vorfeld des Gipfels zur Verfügung stellte.
Zwei Faktoren werden die Planung laut Vorlage voraussichtlich noch beeinflussen: Zum einen sei der zeitliche Abstand zwischen der Erst- und Zweitimpfung noch nicht absehbar. In den USA und Kanada seien dafür drei Wochen vorgesehen. Zum anderen stehe die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) noch aus.
Die Kommission gab im Vorfeld das Signal, womöglich für den Biontech-Impfstoff keine generelle Empfehlung für Jüngere abzugeben. Sie will in rund anderthalb Wochen eine Entscheidung treffen. Eine Variante könne eine Impfempfehlung nur für chronisch Kranke sein. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte hingegen: „Es ist am Ende eine wohlabgewogene Entscheidung von Kindern, Eltern, Ärztinnen und Ärzten.“ Direkt nach einer Zulassung könne der Impfstoff genutzt werden.
Zudem sollen jene Bundesländer zusätzlichen Impfstoff erhalten, die bei einer Sonderlieferung an die Grenzregionen leer ausgingen. Ende März waren 351.000 Biontech-Dosen an die Bundesländer Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen geliefert worden, um der Lage in den Grenzgebieten zu Nachbarländern mit einem hohen Anteil an Virusvarianten Rechnung zu tragen.
Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), sagte nach dem Gipfel, beim Thema Impfstofflieferungen sei auch die Frage relevant gewesen, „mit wie viel Impfstoff wir rechnen können“. In letzter Zeit sei es zwischen den Bundesländern zu „Ungleichheiten“ gekommen, doch nun sei beschlossen worden, „dass es einen Ausgleich geben wird“.
In den vergangenen Wochen sei der Eindruck entstanden, „dass es eine eigene Impfkampagne für Kinder und Jugendliche geben wird“. Das sei aber nicht der Fall, denn dafür gebe es keinen zusätzlichen Impfstoff.
Lieferpläne für Biontech und Moderna nur bis Ende Juni
Aus dem Papier des Bundesgesundheitsministeriums geht auch hervor, dass im kommenden Monat voraussichtlich mehr als 31 Millionen Corona-Impfdosen ausgeliefert werden. Von den ursprünglich 80 Millionen für das gesamte zweite Quartal zugesagten Impfdosen wurden demnach bereits 31 Millionen geliefert.
Wochenweise Lieferpläne lägen bis Ende Juni nur von den Herstellern Biontech und Moderna vor. Für das dritte Quartal gibt es, abgesehen von Moderna, keine Lieferpläne. „Die Hersteller sind gefordert, diese so zeitnah als möglich zu übersenden“, heißt es. Erwartet würden dann mehr als 120 Millionen Impfstoffdosen.
Zwar soll in etwa einer Woche die Priorisierung wie beschlossen aufgehoben werden. Aber das Ressort von Spahn stellte fest: „Auch nach der Aufhebung der Impfpriorisierung stellen die Länder sicher, dass etwaige Nachzügler aus den Priorisierungsgruppen möglichst kurzfristig ein Impfangebot erhalten können.“
Die Länder könnten auch entscheiden, die Priorisierung in Impfzentren aufrechtzuerhalten. Mehr als 75 Prozent der über 60-Jährigen seien im Bundesschnitt mindestens einmal geimpft, über 30 Prozent voll geschützt.
Mit Agenturmaterial.