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Petra JustenhovenÄußerst knapper Wahlsieg: Was nun auf die neue PwC-Deutschlandchefin zukommt

Die 54-jährige Petra Justenhoven gewinnt überraschend den Machtkampf um die PwC-Deutschlandspitze. Doch die Partnerschaft zeigt sich gespalten und wegen der Steuer-Razzia verunsichert.Bert Fröndhoff, Volker Votsmeier 07.12.2021 - 15:29 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Sie wäre die erste Frau an der Spitze der deutschen Gesellschaft von PwC.

Foto: PwC / Frank Rumpenhorst

Düsseldorf. „Time flies“ – die Zeit vergeht wie im Flug: Mit dieser Weisheit präsentiert sich die aktuelle Geschäftsführung von PwC auf der Firmenwebsite mit persönlichen Fotos von früher und heute. Für den amtierenden Deutschlandchef Ulrich Störk haben diese Worte zum Wochenanfang eine neue Bedeutung bekommen: Er muss sein Amt nach nur vier Jahren wieder abgeben.

Seine Nachfolgerin wird im kommenden Sommer Petra Justenhoven, die in der PwC-Geschäftsführung bisher das klassische Geschäft mit der Abschlussprüfung verantwortet. Die 54-Jährige hat den firmeninternen Machtkampf gewonnen, wie das Handelsblatt aus der Geschäftsführung nahestehenden Kreisen erfuhr.

Allerdings denkbar knapp: Sie holte bei der am Montag beendeten Wahl 51 Prozent der Stimmen der mehr als 600 Partner. PwC selbst wollte auch am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz den Wechsel noch nicht offiziell bestätigen. Grund: Die Entscheidung wird derzeit noch in den Gremien von PwC beraten, bevor sich die Führung an die Öffentlichkeit wendet.

Für die größte deutsche Prüfungs- und Beratungsgesellschaft bedeutet es eine Zäsur: Erstmals übernimmt eine Frau die Führung – und sie wird keinen einfachen Job antreten. Justenhoven muss nicht nur das Wachstum des deutschen Prüfungsmarktführers vorantreiben. Sie muss auch die Partnerschaft vereinen, in der sich mit Blick auf das Wahlergebnis ein Riss zeigt.

Zu ihrem Start wird auch noch der Verdacht wegen schwerer Steuerhinterziehung gegen PwC auf der Agenda stehen. Die Staatsanwälte ermitteln gegen acht ehemalige und aktuelle Partner und haben vorige Woche Dienstag mehrere Standorte von PwC durchsucht. Lesen Sie hier mehr zu den Vorwürfen. Dass diese einen entscheidenden Einfluss auf die Wahl hatten, wird in Firmenkreisen verneint.

Störk unterstreicht Erfolg im operativen Geschäft

Ungewöhnlich aber ist, dass die Partner von PwC schon nach vier Jahren einen Wechsel in der Deutschlandführung einleiten. Störk, 52, wurde 2018 in das Amt gewählt und hatte sich aktuell zur Wiederwahl gestellt. Üblicherweise bleibt der Chef von PwC zwei Vierjahresperioden im Amt, so wie es bei Störks Vorgänger Norbert Winkeljohann der Fall war.

Ob einige Partner von der operativen Entwicklung enttäuscht sind, bleibt offen. Auf der Pressekonferenz am Dienstagmorgen klammerte Störk das Thema Führungswechsel aus und fokussierte sich auf die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2020/21, das am 30. Juni endete.

„Wir blicken auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zurück“, sagte er. „Vor allem die zweite Hälfte des Fiskaljahres war geprägt von einem starken Wachstumskurs, der sich sehr deutlich fortsetzt.“ Tatsächlich hat PwC das Pandemiejahr 2020/21 vergleichsweise gut weggesteckt, wendet aber beim Vergleich der Ergebnisse eine besondere Rechenweise an.

Grund dafür: Insgesamt sind die Erlöse bei vielen Consultingfirmen gesunken, weil ihre Berater im Coronajahr kaum gereist sind und den Kunden dementsprechend weniger Reisekosten in Rechnung stellten. Das drückt den Umsatz der Dienstleister, obwohl die Projekte nicht an Umfang eingebüßt haben.

PwC weist für 2020/21 eine Gesamtleistung aus, die um den in früheren Jahren üblichen Umsatzbeitrag aus Reisespesen ergänzt ist. Der Pandemieeffekt wird also ausgeklammert, um die Entwicklung besser vergleichbar zu machen. Danach kommt PwC auf eine Gesamtleistung von 2,39 Milliarden Euro, was einem Plus von 1,5 Prozent entspricht.

Ohne diese Bereinigung erreicht die Gesellschaft einen Wert von 2,3 Milliarden Euro, was einem leichten Rückgang entspricht. Dies liegt aber vor allem daran, dass PwC im Zuge der gesetzlich vorgeschriebenen Rotation mehrere größere Mandate als Abschlussprüfer verloren hat.

Beratungssparten legen zu

Allein die Abgabe des Testat-Auftrags bei der Deutschen Bank kostete die Gesellschaft gut 60 Millionen Euro Umsatz. Die beiden Beratungssparten für Steuern/Recht und Managementconsulting (Advirosry) legten beide zu, auch wenn man die negativen Coronaeffekte durch geringere Reisespesen einrechnet. Auf vergleichbarer Basis wuchs der Advisory-Bereich sogar um zehn Prozent.

Insgesamt kommt PwC damit besser aus der Pandemie als etwa Konkurrent Deloitte, dem die Sondereffekte der Pandemie einen Umsatzrückgang von acht Prozent bescherten. Deloitte unterstreicht aber ebenso wie PwC, dass das Geschäft aktuell mit hohen zweistelligen Raten wächst.

Für die gescheiterte Wiederwahl Störks sprechen eher interne Gründe. So konnte Störk an die Führung und Ausstrahlung seines Vorgängers Winkeljohann zumindest nach Ansicht seiner Kritiker im eigenen Haus nicht anknüpfen. Sie werfen ihm auch vor, die zum Start gemachten Versprechen nicht eingehalten zu haben, heißt es in den Kreisen.

Störk wusste zwar, dass der überwiegende Teil der Geschäftsführung und der zweiten Führungsebene bis zuletzt hinter ihm stand. Doch Justenhoven habe es geschafft, bei der Wahl die „Basis“ für sich zu gewinnen.

Die Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin wird den Chefposten am 1. Juli kommenden Jahres antreten. Auf der Website von PwC, auf der die derzeitige Geschäftsführung vorgestellt wird, lässt sich Justenhoven mit den Worten zitieren: „Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt? Wie, wenn nicht zusammen?“

Tatsächlich würde auf die Managerin bei PwC keine einfache Integrationsaufgabe zukommen. Sie hat zwar gewonnen, aber von annähernd der Hälfte der Partner bekam sie keine Unterstützung. Absehbar ist, dass Justenhoven die Geschäftsführung umfassend umbauen wird und dass Partner in Führungspositionen das Unternehmen verlassen.

Die aus dem Allgäu stammende Managerin ist seit mehr als 25 Jahren bei PwC. 2007 rückte sie in die Partnerriege auf und wurde 2013 in die deutsche Geschäftsführung berufen, wo sie seit 2015 den Bereich Assurance leitet.

Der kulturelle Kit wird nicht der einzige Punkt auf der Agenda der künftige PwC-Chefin sein. Neben der operativen Performance der Gesellschaft dürfte sie besonderen Fokus auf die Weiterentwicklung der PwC-Belegschaft legen, vor allem mit Blick auf die Vereinbarkeit des herausfordernden Jobs des Beraters und Prüfers mit dem Privatleben.

Justenhoven war 2017 „Managerin des Jahres“

Justenhoven ist 2017 als „Managerin des Jahres“ mit dem Mestemacher-Preis der gleichnamigen Großbäckerei ausgezeichnet worden. Mit dem Preis würdigt das Unternehmen Topmanagerinnen, denen es beispielhaft gelingt, Karriere und Familie zu vereinbaren.

Auch werden bei ihrem Amtsantritt noch die Vorwürfe gegen PwC wegen Steuerhinterziehung akut sein. Die Großrazzia unter der Federführung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sorgt für große Überraschung und anhaltende Unruhe in der Belegschaft. Gleich 250 Ermittlungsbeamte schwirrten aus und durchsuchten zwei Tage lang Büros und Wohnungen von acht PwC-Managern.

Vier der Beschuldigten stehen auch aktuell noch im Dienst der Beratungsgesellschaft. Der Verdacht lautet auf schwere Steuerhinterziehung im Zeitraum 2012 bis 2017. Das verträgt sich nur schwer mit dem Selbstverständnis der Firma, die sich als „verantwortungsbewussten Steuerzahler“ bezeichnet. „Wir erledigen unsere Steuererklärungen – im In- und Ausland – mit hoher Genauigkeit, in bester Absicht und fristgerecht“, schreibt PwC auf seiner Homepage.

Die Finanz- und Strafverfolgungsbehörden sehen das offenbar anders. Konkret soll PwC in Deutschland erbrachte Beratungsleistungen über seine Schweizer Schwester-Gesellschaft abgerechnet haben. „Die Einbeziehung des schweizerischen Unternehmens soll ausschließlich der Verschleierung der Beratungsleistungen im Inland und somit der Umsatzsteuerhinterziehung gedient haben“, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.

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Das Volumen der potenziell hinterzogenen Steuern beziffert die Behörde auf elf Millionen Euro. Das ist vergleichsweise wenig Geld. Für PwC ist die Umsatzsteuer ohnehin nur ein durchlaufender Posten. Sie wird dem Kunden berechnet und direkt an das Finanzamt weitergeleitet. PwC könnte sich so jedoch einen Wettbewerbsvorteil verschafft haben, weil die Rechnung niedriger ausgefallen ist als bei der Konkurrenz.

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