Interview: Commerzbank-Chef warnt vor wachsender Inflationsgefahr – 2022 „herausforderndes Jahr“ für sein Institut
Der Commerzbank-Chef sieht sich bei der Sanierung der Bank auf Kurs, befürchtet aber schwierige Rahmenbedingungen 2022.
Foto: Commerzbank AG Pavel Becker Pavel Becker/ Commerzbank AGFrankfurt. Die Commerzbank stellt sich in den nächsten Monaten auf Gegenwind ein. „2022 wird nicht nur wegen der Coronakrise ein herausforderndes Jahr“, warnt Vorstandschef Manfred Knof im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Die Inflation belastet viele unserer Kunden, insbesondere die gestiegenen Energie- und Immobilienpreise.“ Zudem gebe es infolge der Pandemie nach wie vor Probleme bei den Lieferketten und große geopolitische Risiken.
Deutschlands zweitgrößte Privatbank sieht sich für drohende Kreditausfälle jedoch gut gewappnet und will darüber hinaus Wachstumschancen nutzen. „Im Privatkundenbereich werden wir das Wertpapiergeschäft und die Baufinanzierung weiter ausbauen“, kündigt Knof an. „Auch mit dem deutschen Mittelstand rechnen wir mit sehr soliden Geschäften, sowohl was die Vergabe von Krediten angeht als auch bei der Platzierung von Anleihen.“
Knof steht seit rund einem Jahr an der Spitze der Commerzbank. Er hat dem Institut einen radikalen Umbau verordnet, bis 2024 sollen 10.000 Stellen gestrichen werden. Nach einem Verlust von 2,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr hat das Institut laut Knof 2021 wieder schwarze Zahlen geschrieben. „Es ist ein großer Erfolg, dass wir trotz Restrukturierungsaufwendungen von einer Milliarde Euro 2021 ein leicht positives Ergebnis ausweisen werden.“ Mitarbeiter und Führungskräfte haben laut Knof einen höheren Bonus verdient als für 2020.