Ukraine-Krise: Militärisch ein Riese, wirtschaftlich ein Zwerg: So verspielt Putin das ökonomische Potenzial Russlands
Für 2022 rechnet das größte private russische Finanzinstitut, die Alfa Bank, mit nur noch 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum.
Foto: imago images/ITAR-TASSBerlin. Auf einem riesigen Bildschirm in seinem dunkelbraun getäfelten Zimmer hat Wladimir Putin elf Regierungsmitglieder und Gazprom-Chef Alexej Miller zugeschaltet. Der russische Präsident hält eine Rede. Es ist eine Rede der Versprechen an sein Volk, das seit Jahren unter einer Wirtschaftsmisere zu leiden hat. Kostenlose Gasanschlüsse in entlegenen Regionen soll das Volk bekommen. Die Renten sollen um 8,6 Prozent statt der geplanten 5,9 Prozent steigen.
Wenige Wochen ist das her – und die Lage hat sich seither verschlimmert. Es ist vor allem die hohe Inflation, die den Russen zu schaffen macht. In sieben Schritten hat die Notenbank den Leitzins 2021 auf zuletzt 8,5 Prozent erhöht.
Im vergangenen Jahr war die Inflation auf 8,4 Prozent hochgeschnellt – und war damit doppelt so hoch wie von der Notenbank prognostiziert. Für wichtige Lebensmittel gab es eine regelrechte Preisexplosion: Kartoffeln etwa kosteten 50 Prozent mehr, Kohl sogar 100 Prozent.
Das bringt auch den Kremlchef in Bedrängnis, denn der Unmut wächst. Umgerechnet 218 Euro beträgt die durchschnittliche Rente, der Arbeitslohn liegt bei 411 Euro, die Realeinkommen sinken seit der Krim-Annexion 2014.