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KommentarDie EU-Taxonomie stiftet für die Finanzbranche mehr grüne Verwirrung als Transparenz

Atomkraft und Erdgas als nachhaltig einzustufen ist absurd. Dabei wäre sehr einfach ein besserer Kompromiss möglich.Anke Rezmer 07.02.2022 - 17:03 Uhr Artikel anhören

Eine Projektion der Umweltschutzorganisation Greenpeace erstrahlt Ende Dezember auf dem Atomkraftwerk Grohnde.

Foto: dpa

Die Entscheidung der EU-Kommission, Atomkraft und Erdgas als nachhaltig zu definieren, zeigt einmal mehr: Wenn die Interessen großer EU-Staaten zu unterschiedlich sind, kommen absurde Ergebnisse zustande. Die Europäische Union (EU) will mit ihrer Taxonomie Transparenz für Anleger schaffen. Stattdessen gibt es vor allem eines: Verwirrung. Es gilt, rasch eine bessere Lösung zu finden – vorausgesetzt, EU-Rat oder -Parlament kippen das Ganze nicht ohnehin noch.

Man kann von Atomkraft halten, was man will. Bekanntlich wird diese Art der Energiegewinnung in Frankreich und vielen anderen EU-Staaten positiv gesehen. Sie erzeugt im laufenden Betrieb kein CO2. Aber nachhaltig ist die Kernspaltung im Beton-Ei nun wahrlich nicht: Sie verbraucht endliche Rohstoffvorräte und erzeugt ungeheuer gefährliche Abfälle. Und Erdgas ist zwar klimafreundlicher als Kohle, aber als fossiler Brennstoff eben auch nicht nachhaltig.

Die EU wollte der Finanzbranche ein Werkzeug an die Hand geben, um Geld künftig besser in umweltfreundlichere Kanäle zu lenken. Jetzt sehen Banken und Vermögensverwalter sich erst mal mit riesigen Auflagen konfrontiert, wenn die neuen Regeln in Kraft treten.

Banken müssen künftig entscheiden, welchem Kunden sie Kredit zu welchen Konditionen geben können, wenn Unternehmen A nachhaltig ist, B aber nicht. Vermögensverwalter sind besorgt, weil ihre Finanzaufsicht daran arbeitet, weitere EU-Regeln zu konkretisieren, nach denen sie ihre Produkte als mehr oder weniger nachhaltig eingruppieren sollen. Hinzu kommt: In diesem Jahr tritt eine EU-Vorschrift in Kraft, nach der Finanzberater das Thema Nachhaltigkeit aktiv mit ihren Kunden besprechen müssen.

Anleger – ob private oder institutionelle – haben ohnehin Mühe, sich in dem Wust an grünen Angeboten zurechtzufinden. Es gibt verschiedenste Kriterien dafür, was als nachhaltig gelten kann.

Da verwirrt es noch mehr, wenn die EU umstrittene Energieerzeugung als nachhaltig definiert, auch wenn das nur vorübergehend gelten soll. Großinvestoren definieren sich ihr Grün zwar meist selbst – und haben schon angekündigt, dass sie sich durch die EU-Taxonomie nicht wirklich beeinflussen lassen. Dennoch kann eine derart schräge Eingruppierung dazu führen, dass Anleger ihr Geld und Banker ihre Kredite fehlleiten.

Folgerichtig wäre es daher, den EU-Kompromiss wenigstens gesondert auszuweisen – etwa als grün plus Atomkraft. Erdgas haben viele Fondsanbieter noch in grünen Portfolios, weil sie andere Energieerzeuger als noch schmutziger ansehen. Auch diese Energie könnte aber in der Taxonomie getrennt ausgewiesen werden. Das wäre Transparenz statt Durcheinander.

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