Geldpolitik: „Gefahr einer Stagflation“ – Chefökonomin der Weltbank warnt vor einem globalen Inflationsschub
„Je mehr die weltweiten Zinssätze steigen, desto größer ist die finanzielle Anfälligkeit in Schwellen- und Entwicklungsländern.“
Foto: Getty ImagesBerlin . Die Weltbank hat die Geldpolitik der großen Notenbanken in den Industrieländern scharf kritisiert und vor einer Lohn-Preis-Spirale gewarnt. „Wir können davon ausgehen, dass die Lohnforderungen aufgrund des angespannten Arbeitsmarktes in den USA steigen werden“, sagte Weltbank-Chefökonomin Carmen Reinhart im Gespräch mit dem Handelsblatt. Hinzu komme, dass die Notenbanken den Preis- und Lohnsteigerungen wahrscheinlich erst sehr spät etwas – und dann nur wenig – entgegensetzen würden. Das mache die Inflation hartnäckiger.
Reinhart widersprach auch der Einschätzung von EZB-Chefin Christine Lagarde, die kürzlich darauf hingewiesen hatte, dass es in Europa nicht die gleichen Signale einer wirtschaftlichen Überhitzung gebe wie in den USA. „Die Vorstellung, dass man eine Überhitzung braucht, um Inflation zu bekommen, ist einfach nicht belegt“, hielt Reinhart der Notenbankerin dagegen.
In den meisten Ländern habe sich das Pro-Kopf-Einkommen noch nicht erholt, aber die Inflation steige trotzdem weiter. „Es besteht die Gefahr einer Stagflation, auch wenn es verfrüht ist, dies jetzt schon so zu nennen.“