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Erneuerbare EnergienMassive Störung der Satellitenverbindung: Enercon meldet fast 6000 betroffene Windanlagen

Der Störfall bei einem Satellitenanbieter weckt Sorgen vor einem Hackerangriff. Betroffen sind Anlagen mit einer Gesamtleistung von elf Gigawatt.Larissa Holzki, Lars-Marten Nagel, Michael Verfürden und Kathrin Witsch 28.02.2022 - 17:09 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Massiver Störfall: Die Fernwartung Tausender Anlagen ist derzeit gestört. Bei Ausfällen müssen Teams die Anlagen aufsuchen.

Foto: dpa

Düsseldorf, Berlin. Eine massive Störung des europäischen Satelliteninternets schränkt den Betrieb Tausender Windenergieanlagen in Zentraleuropa ein. Das hat der große deutsche Windenergieanlagen-Hersteller Enercon dem Handelsblatt am Montag bestätigt.

Betroffen ist demnach die Fernüberwachung und -steuerung von 5800 Anlagen mit einer Gesamtleistung von elf Gigawatt. Ob auch Anlagen weiterer Anbieter betroffen sind, war am Montagnachmittag noch unklar.

Weil die Anlagen zur kritischen Infrastruktur zählen, meldete Enercon den Vorfall an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Das Unternehmen teilte mit, dass es in engem Kontakt mit der Behörde stehe. Ein BSI-Sprecher sagte dazu am Montagnachmittag, dass die Störung und die dadurch eingeschränkte Wartung von Windkraftanlagen der Behörde bekannt sei. „Auswirkungen auf die Stromnetzstabilität sind allerdings aufgrund redundanter Kommunikationsmöglichkeiten der zuständigen Netzbetreiber derzeit nicht zu erwarten.“ Das betroffene Unternehmen untersuche die Ursache im engen Austausch mit den Behörden.

Enercon betonte, dass die Anlagen weiterhin in Betrieb seien und derzeit keine Gefahr bestehe. Sie würden bis zu einer Lösung des Problems im Automatikmodus laufen und könnten sich „grundsätzlich autark und selbstständig regulieren“. Der Zugriff aus der Ferne ist jedoch nicht mehr möglich, weshalb der Turbinenhersteller aus Aurich im Störfall sein Servicepersonal zur Prüfung zu den einzelnen Anlagen schicken muss. Das Unternehmen arbeite „mit Hochdruck“ daran, die Störung zu beheben.

Auch ein Sprecher des Bundesverbands Windenergie betonte: „Wichtig ist zu wissen, dass die Windenergieanlagen auch ohne Internet laufen.“

Ukraine-Krieg: Kontakt zu fast 6000 Windkraftanlagen gestört

Der Verband teilte mit, dass die Probleme mit den Anlagen auf den Ausfall des Breitbandsatelliten KA-Sat zurückzuführen seien. KA-Sat versorgt Europa und die Mittelmeerregion mit Satelliteninternet. Für Betreiber von Windanlagen ist das attraktiv, weil ihre Anlagen oft in ländlichen Regionen stehen, wo auf anderem Wege kein schnelles Internet verfügbar ist.

Laut Bundesverband Windenergie sind vom Ausfall nur Betreiber betroffen, die ihre Anlagen über Lösungen des Anbieters Euroskypark steuern. Das Saarbrücker Unternehmen biete „Verbindungsservices und Lösungen für industrielle Anwendungen und sicherheitskritische Infrastrukturen“ an. Die Firma war am Nachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Ursache gestörter Steuerung von Windkraftanlagen unklar

Die genaue Ursache der Satellitenstörung, die am vergangenen Donnerstagmorgen auftrat, ist noch nicht bekannt. Die Kommunikationsdienste fielen aber nahezu zeitgleich mit Beginn der russischen Invasion in die Ukraine aus. Betroffen sind europaweit rund 30.000 Satellitenterminals, die von unterschiedlichen Branchen genutzt werden.

Experten sehen drei mögliche Ursachen der Probleme: Erstens könnte die Verbindung durch eine Cyberattacke gestört sein, sagte ein Manager eines Satellitenunternehmens dem Handelsblatt. Vor solchen Angriffen warnen deutsche Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Konflikt bereits seit Wochen. In diesem Fall wären Angreifer in das Computernetzwerk der Satellitenbetreiber eingedrungen.

Hackerangriff, technischer Fehler oder zerstörte Bodenstation möglich

Zweitens kommt demnach auch eine elektronische Störung infrage. Grund könnte ein klassischer technischer Defekt sein – aber auch elektronische Kriegsführung. Möglicherweise wird die Verbindung absichtlich unterbunden, etwa durch einen mit Hightech und Antennen ausgestatteten Lastkraftwagen.

Eine dritte Möglichkeit sieht der Experte darin, dass in der Ukraine Bodenstationen bei einem Raketenangriff zerstört worden sein könnten. Heutige Satelliten funktionieren in etwa wie ein Spiegel: Das Internetsignal wird von der Bodenstation zu einem großen Satelliten im geostationären Orbit geschickt, der das Signal dann wieder nach unten reflektiert, beispielsweise zu privaten Internetnutzern und Windkraftanlagen. Ist die Bodenstation gestört, kommen bei und von den Nutzern keine Daten mehr an.

Krisenstab wegen gestörter Satelliten-Anbindung zu Windkraftanlagen

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