Tagebuch aus der Ukraine: Leben als Kriegsflüchtling: „Der Tod treibt seine zynischen Spiele mit uns“
In den ersten Kriegswochen arbeitet und schläft das junge Paar in Kiew am sichersten Ort ihrer Wohnung: dem Flur. Inzwischen sehen sich die beiden nur noch über den Bildschirm. Tatiana Chontoroh ist nach Dortmund geflüchtet.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Als die russischen Panzer vor über 40 Tagen die Grenze zur Ukraine überqueren, verändert sich schlagartig auch das Leben von Tatiana Chontoroh und das ihres Mannes. Die 28-jährige IT-Designerin beginnt zunächst, in Kiew im Freiwilligendienst zu arbeiten. Doch weil sie ein Kind erwartet, flüchtet sie schließlich aus dem Grauen des Krieges nach Dortmund, zu ihrer besten Freundin Anna.
Von Deutschland aus hilft Chontoroh, Medizintransporte in Frontgebiete zu organisieren. Dann erreichen sie Bilder via Internet – vom Raketenangriff auf den Bahnhof von Kramatorsk, Bilder der Kriegsverbrechen aus Butscha und anderen Orten. Sie schreibt: „Sie töten Kinder, vergewaltigen junge Mädchen und ermorden sie? Sind das etwa die angeblichen Nationalisten, die die russischen Soldaten da umbringen?“
In Deutschland fühlt sie sich fremd. All der Schrecken in ihrer Heimat und die unsicheren Prognosen zerbrächen sie, schildert sie ihr Empfinden.
Tatiana Chontoroh erzählt ihre Geschichte, weil „ich möchte, dass Menschen auf der ganzen Welt unser Leben, unseren Schmerz und unseren Kampf kennenlernen“. Das Handelsblatt dokumentiert Einträge aus ihrem Tagebuch.