Geldpolitik: Bank of England erhöht Leitzins trotz Ukraine-Kriegs
Die britische Notenbank hat zum dritten Mal seit Dezember den Leitzins erhöht.
Foto: REUTERSLondon. Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheit aufgrund des Ukrainekriegs setzt die Bank of England ihre Zinserhöhungen fort. Am Donnerstag hob sie den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent an. Es war schon der dritte Zinsschritt seit Dezember.
Die britischen Zentralbanker halten den Kampf gegen die Inflation weiterhin für ihre oberste Priorität. Die Teuerungsrate lag im Januar bei 5,5 Prozent – deutlich über dem Langfristziel von zwei Prozent.
Die Bank of England hatte bisher einen Höhepunkt von 7,25 Prozent im April erwartet. Nun teilte sie mit, dass die Inflation im kommenden Monat auf acht Prozent steigen könnte – und in der zweiten Jahreshälfte noch einige Prozentpunkte höher.
Der Krieg in der Ukraine habe die Preissteigerungen verschärft, erklärte die Notenbank. Auch die globalen Lieferkettenprobleme und die Aussichten für die Weltwirtschaft hätten sich weiter verschlechtert. „Die Wirtschaft hat in jüngster Zeit eine Reihe großer Schocks erlebt“, heißt es im Protokoll der geldpolitischen Sitzung. „Russlands Invasion in der Ukraine ist ein weiterer solcher Schock.“
Der nächste Inflationsschub wird im April erwartet, wenn die gesetzliche Energiepreis-Obergrenze um 54 Prozent angehoben wird. Ein ähnlich hoher Anstieg der Energiepreise wird bei der nächsten Festsetzung der Obergrenze im Oktober erwartet. Dann könnte die jährliche Energierechnung für den britischen Durchschnittshaushalt von 2000 auf mehr als 3000 Pfund im Jahr steigen.
Weitere Zinserhöhungen sind wahrscheinlich
Weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr bleiben wahrscheinlich. „Eine weitere moderate Straffung der Geldpolitik in den kommenden Monaten könnte angemessen sein“, teilte die Notenbank mit. Es gebe aber Risiken in beide Richtungen.
Viel wird davon abhängen, wie stark die Folgen des Ukrainekriegs die britische Wirtschaft treffen. Zuletzt war die Wirtschaftsleistung mit 0,8 Prozent im Januar überraschend stark gewachsen. Der ökonomische Schaden durch die Omikron-Welle der Coronapandemie war geringer als erwartet.
Großbritannien ist auch weniger abhängig von russischem Gas und Öl als etwa Deutschland. Bis Jahresende will die Regierung die Ölimporte aus Russland ganz stoppen. Allerdings werden die britischen Haushalte und Unternehmen von den gestiegenen Weltmarktpreisen für Öl und Gas ebenso hart getroffen wie der Rest Europas.
Die Stimmung bei Unternehmen sei noch gut, auch der Arbeitsmarkt sei robust, erklärte die Bank of England. Aber die Konsumlaune der Verbraucher habe sich aufgrund der steigenden Preise bereits spürbar verschlechtert. Das werde die wirtschaftliche Erholung in diesem Jahr bremsen.
Der Arbeitgeberverband CBI warnte davor, dass auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen infolge der Ukraine-Unsicherheit abnehme und mit neuen Steuererleichterungen angekurbelt werden müsse.