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ChemiekonzernBASF beendet Geschäfte in Russland und Belarus

Bis Anfang Juli will der Chemiekonzern seine Aktivitäten in den beiden Ländern einstellen. Ausnahme ist das Geschäft zur Unterstützung der Nahrungsmittelproduktion.Siegfried Hofmann 27.04.2022 - 12:48 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Derzeit sind 684 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Russland und Belarus beschäftigt.

Foto: dpa

Frankfurt. Der Chemiekonzern BASF verschärft seinen Kurs gegenüber Russland und will nun wegen des Kriegs in der Ukraine seine Aktivitäten in Russland und Belarus bis Anfang Juli komplett einstellen. Eine Ausnahme sei das Geschäft zur Unterstützung der Nahrungsmittelproduktion, teilte der Ludwigshafener Konzern am Mittwoch mit.

Bereits Anfang März hatte BASF angekündigt, keine neuen Geschäfte mehr in den Ländern abzuschließen, bestehende vertragliche Verpflichtungen aber weiter zu erfüllen. Nun folgt der nahezu komplette Stopp des Russlandgeschäfts. „Diese Entscheidung wurde aufgrund der jüngsten Entwicklungen in diesem Krieg und im internationalen Recht getroffen, einschließlich des fünften EU-Sanktionspakets“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Die Auswirkungen auf das operative Geschäft sind begrenzt. Der Chemiekonzern erzielt in Russland bisher rund ein Prozent seines Gesamtumsatzes von zuletzt 78 Milliarden Euro und beschäftigt nach eigenen Angaben noch 684 Mitarbeiter in beiden Ländern. In Russland ist BASF an zwölf Standorten tätig und beliefert neben der Landwirtschaft auch Kunden in der Automobil- und Bauwirtschaft sowie Hersteller von Gesundheits- und Pflegeprodukten und Abnehmer aus der Schwerindustrie.

Sehr viel stärker betroffen als im operativen Russlandgeschäft ist BASF bei seiner Mehrheitsbeteiligung Wintershall Dea. Der Öl- und Gasproduzent erzielt knapp 48 Prozent seiner Produktion in Russland und hält dort mehr als 60 Prozent seiner Öl- und Gasreserven. BASF ist am Kapital von Wintershall Dea noch mit 72,7 Prozent beteiligt. Der Konzern hält bisher trotz Differenzen mit dem Miteigentümer, der Investmentfirma Letter One des russischen Unternehmers Michail Fridman, an seinen Plänen fest, das Energieunternehmen an die Börse zu bringen.

Dieses Vorhaben dürfte jedoch aufgrund der aktuellen Konstellation in absehbarer Zeit kaum realisierbar sein. Wintershall Dea will am Donnerstag Quartalszahlen veröffentlichen. Der Öl- und Gaskonzern hatte Anfang März angekündigt, alle neuen Projekte zur Öl- und Gasförderung in Russland zu stoppen, Zahlungen nach Russland wurden eingestellt. An den bestehenden Erdgas-Förderprojekten Juschno Russkoje und Achimov in Sibirien hält das Unternehmen bisher aber fest. Die Finanzierung der vor dem Aus stehenden Ostseepipeline Nord Stream 2 in Höhe von rund einer Milliarde Euro wurde abgeschrieben.

Wintershall Dea dürfte daher das erste Quartal mit einem deutlichen Nettoverlust abgeschlossen haben. Das wiederum hat das Beteiligungsergebnis von BASF mit 1,1 Milliarden Euro belastet. Der Chemiekonzern verbuchte daher im ersten Quartal trotz einer deutlichen Verbesserung des operativen Ertrags unterm Strich einen Rückgang des Reingewinns von 1,7 auf 1,2 Milliarden Euro.

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