Gasversorgung: Bundesregierung plant drei Milliarden Euro für schwimmende LNG-Terminals ein – Hamburg bietet sich als Standort an
Auch in der Hansestadt soll ein schwimmendes LNG-Terminal entstehen.
Foto: dpaHamburg. Die Bundesregierung hat für die Beschaffung von vier schwimmenden Flüssiggas-Terminals 2,94 Milliarden Euro im Haushalt eingestellt. Das geht aus dem zweiten Fortschrittsbericht Energiesicherheit hervor, den das Wirtschaftsministerium am Sonntag veröffentlichte. „Die entsprechenden Verträge sind auf der Zielgeraden“, heißt es weiter. Eine Inbetriebnahme der Anlagen zur LNG-Anlandung und Regasifizierung sei schnellstmöglich über die Unternehmen RWE und Uniper vorgesehen.
Zwei Standortentscheidungen seien zugunsten von Wilhelmshaven und Brunsbüttel bereits gefallen. Die Arbeiten in Wilhelmshaven begännen schon in Kürze und sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Anfang 2023 sei dann die Inbetriebnahme in Brunsbüttel vorgesehen.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte zuletzt Tempo gemacht, um die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern. Die vier Terminals sollen dazu beitragen.
Als weitere Standorte zur Stationierung einer schwimmenden LNG-Anlage kämen Stade, Rostock, Hamburg-Moorburg oder Eemshaven in den Niederlanden in Betracht, heißt es laut Ministerium weiter. In Hamburg könne bis Jahresende ein schwimmendes LNG-Terminal in Betrieb gehen, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher der „Welt“. „Die Kapazität beträgt acht Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr.“
Die Stadt hat bereits früher mitgeteilt, sie unterstütze den Vorschlag von Bundeswirtschaftsminister Habeck, Standorte für schwimmende LNG-Terminals zu suchen. „Mit unserem gut ausgebauten Erdgasnetz auch im Hafengebiet könnten bei uns die Leitungsbaumaßnahmen vermutlich vergleichsweise gering ausfallen“, erklärte die Stadtverwaltung .
Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums ist zudem ein LNG-Beschleunigungsgesetz geplant, mit dem es den Genehmigungsbehörden unter bestimmten Bedingungen vorübergehend ermöglicht werden soll, von Verfahrensanforderungen wie etwa Umweltverträglichkeits-Prüfungen abzusehen. Dies soll einen schnelleren Bau ermöglichen.
Nötig ist auch eine Anbindung der schwimmenden LNG-Terminals an das Gasnetz. Die schwimmenden Anlagen sollen eine schnellere Unabhängigkeit von russischem Pipelinegas ermöglichen und die Zeit überbrücken, bis stationäre Anlagen gebaut werden können.
26 Kilometer lange Pipeline bis Wilhelmshaven
Für die künftige Pipeline-Anbindung des geplanten Flüssigerdgas-Terminals in Wilhelmshaven hat bereits das Planfeststellungsverfahren begonnen. Der Antrag auf Planfeststellung sei am Freitag eingegangen, teilte die zuständige Genehmigungsbehörde, das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), in Hannover mit.
Die Antragsunterlagen sind ab 5. Mai im Internet und in den betroffenen Gemeinden einzusehen. Binnen einer Frist von einem Monat können Einwände gegen das Vorhaben eingereicht werden.
Der Gasnetzbetreiber Open Grid Europe (OGE) will die 26 Kilometer lange unterirdische Pipeline bauen – von dem geplanten LNG-Terminal in Wilhelmshaven bis zum nächsten Anschluss an das Gas-Fernleitungsnetz im ostfriesischen Etzel.
Mit der Pipeline steht und fällt auch, ab wann LNG in Wilhelmshaven angelandet werden kann. Erste Vorarbeiten für ein schwimmendes Importterminal sollen dort nächste Woche beginnen. Open Grid Europe rechnet nach früheren Angaben mit einem Baustart der Pipeline im August.
Falls nicht gegen das Vorhaben geklagt wird oder es zu Verzögerungen kommt, könnte die Leitung demnach bis Ende 2022 fertig gestellt sein. Spätestens ab Anfang 2023 soll laut der Landesregierung über Wilhelmshaven LNG importiert werden.