Softwarehersteller: Zäsur bei SAP: IG-Metall-Vertreter wird Vorsitzender des Betriebsrats
Das Thema Bezahlung dürfte ein maßgeblicher Punkt des neuen Betriebsrats werden.
Foto: picture alliance/dpaDüsseldorf. Erstmals stehen bei SAP zwei Gewerkschaftsvertreter an der Spitze des Betriebsrats. Am Donnerstag wählte das Gremium Eberhard Schick zum Vorsitzenden. Der 55-Jährige gehört zur Gruppierung „Pro Mitbestimmung“ der IG Metall, die kürzlich bei der Betriebsratswahl mit 19 Prozent die meisten Stimmen erhalten hatte. Als Stellvertreterin wurde Anne Schmitz von der Verdi-Liste „Upgrade“ bestimmt.
Beide Gruppierungen hatten bei der Betriebsratswahl der SAP SE, der Konzernmutter mit knapp 22.000 Mitarbeitern, ihre Position deutlich stärken können. „Pro Mitbestimmung“ erhielt neun Sitze, „Upgrade“ sechs. Ein Drittel aller 45 Mandate entfiel somit auf die DGB-Gewerkschaften – ein Höchststand für den Softwarehersteller. Bei SAP ist der Organisationsgrad gering, unabhängige Gruppen dominieren die Mitarbeitervertretungen.
Bei der Wahl konnten sich beide Mitarbeitervertreter auf breite Mehrheiten stützen. Die gewerkschaftlichen Gruppierungen einigten sich nach Handelsblatt-Informationen mit mehreren Vertretungen, Positionen wie Ausschussvorsitze im Konsens zu besetzen.
Darunter befanden sich auch die großen Listen „Triple-E“ und „Stark 22“. Schick sagte dem Handelsblatt: „Wir bemühen uns, im Betriebsrat konstruktiv zusammenzuarbeiten und alle Listen, die mitmachen wollen, fair zu beteiligen.“
In den vergangenen Jahren kam es wegen konträrer Positionen und teils persönlicher Animositäten immer wieder zu Konflikten. Die Querelen kulminierten darin, dass im vergangenen Sommer zwei Arbeitnehmervertreter nach Betrugsvorwürfen zurücktraten, darunter der damalige Vorsitzende Ralf Zeiger. Nun sende eine große Mehrheit ein Signal für konstruktive Zusammenarbeit, ist aus dem Gremium zu hören.
Der 55-Jährige zählte 2006 zu den Mitgründern des SAP-Betriebsrats.
Foto: HandelsblattAls wichtigste Themen sieht Schick derzeit zwei Bereiche: Zum einen die Bezahlung, in der Belegschaft herrscht Unzufriedenheit mit den letzten Gehaltsrunden – einen Tarifvertrag gibt es beim Softwarehersteller nicht. Zum anderen gebe es beim ortsunabhängigen Arbeiten einigen Klärungsbedarf. Der Konzern führt unter dem Namen „Pledge to Flex“ ein neues Modell ein, für das es aber keine angepasste Betriebsvereinbarung gibt.
Urgestein des SAP-Betriebsrats
Schick ist ein Urgestein des SAP-Betriebsrats: Er und zwei weitere Mitarbeiter initiierten 2006 die Gründung des Gremiums gegen massiven Widerstand des Vorstands, der Gründer und zahlreicher Mitarbeiter.
Dietmar Hopp warnte in einem offenen Brief vor einem Verlust der Unternehmenskultur, polemisierte gegen Gewerkschaften und drohte sogar mit der Verlegung der Zentrale. Dabei war der Großaktionär da schon aus dem operativen Geschäft raus.
Mittlerweile hat sich die Einstellung im Konzern deutlich verändert. Cawa Younosi, Personalchef von SAP Deutschland, ermutigte die Mitarbeiter, sich zur Wahl zu stellen. Und der Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzende Hasso Plattner sagte, die IG Metall sei ihm lieber als eine Gewerkschaft, die er nicht kenne: „Da kann man wenigstens zu einem Gewerkschaftsboss hingehen, wenn einem was nicht passt.“