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Dietmar Hopp

Seine Drähte zur SAP sind noch immer gut.

(Foto: Katrin Binner/laif)

Lebensstationen SAP-Gründer, Investor, Mäzen, Wohltäter: Die vielen Rollen des Dietmar Hopp

Von Biotech bis Fußball: Als Unternehmer ist der zum Milliardär gewordenen Gründer ein Multitalent. Vier Stationen einer außergewöhnlichen Karriere.
03.09.2020 - 20:49 Uhr Kommentieren

Düsseldorf, Frankfurt, München Dietmar Hopp ist die vielleicht bemerkenswerteste Unternehmergestalt, die Deutschland seit dem Wirtschaftswunder hervorgebracht hat. Als Mitgründer von SAP glückte Hopp der größte unternehmerische Wurf.

Danach gelang ihm eine zweite Erfolgsstory mit Medizin-Investments, denen in der Coronakrise selbst Elon Musk Tribut zollt. Vom Softwareunternehmer zum Biotech-Investor, Sportmäzen und Wohltäter: Das Leben eines Ausnahme-Entrepreneurs in vier Stationen.

Software: SAP – Der „Vadder“ der Belegschaft

Eine Mannschaft für Dietmar, eine für Hasso: Als SAP ein mittelständisches Unternehmen war, das nur IT-Brancheninsider kannten, spielten die Mitarbeiter am Freitag nach Feierabend Fußball. Dabei teilten sie sich gern nach den Unternehmensbereichen und deren Chefs auf: den beiden SAP-Mitgründern Hopp und Plattner. Die beiden höchst unterschiedlichen Charaktere haben maßgeblichen Anteil daran, dass das Start-up zum Weltkonzern aufstieg – und die Gründer darüber selbst zu Milliardären wurden.

Die Geschichte von SAP begann bei IBM. Dietmar Hopp heuerte nach dem Studium der Nachrichtentechnik bei „Big Blue“ an, weil er dort am meisten verdienen konnte. Doch der Job frustrierte ihn: Als „Operator“ musste Hopp bei den Kunden von „Big Blue“ Software schreiben, für jeden Großrechner aufs Neue – ein mühsames Geschäft.

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    Er und sein jüngerer Kollege Hasso Plattner, der als Assistent bei ihm angefangen hatte, wollten ein Standardprogramm für alle Kunden entwickeln. Da ihr Arbeitgeber kein Interesse zeigte, gründeten sie 1972 mit drei weiteren Kollegen das Unternehmen „Systemanalyse und Programmentwicklung GbR“, kurz SAP. Beim Chemiekonzern ICI durften sie nach Feierabend und am Wochenende den Computer nutzen, um an ihrer Software zu tüfteln.

    Klaus Tschira, Hasso Plattner, Dietmar Hopp, Hans-Werner Hector (von links nach rechts) im Jahr 1988. Nicht im Bild: Mitgründer Claus Wellenreuther. Quelle: SAP
    SAP-Gründer mit großen Plänen (1988, v. l.)

    Klaus Tschira, Hasso Plattner, Dietmar Hopp, Hans-Werner Hector (von links nach rechts) im Jahr 1988. Nicht im Bild: Mitgründer Claus Wellenreuther.

    (Foto: SAP)

    Anstatt die Daten erst auf Lochkarten zu übertragen und diese dann in den Großrechner speisen zu müssen, konnten Kunden die Zahlen nun per Knopfdruck verarbeiten, und zwar auf einem Monitor – damals eine Besonderheit. Auf einmal konnten Unternehmen ihre Geschäftsprozesse transparent machen, bis in jede Zweigstelle und Sparte. Eine Revolution.

    SAP gewann schnell Kunden, und als ab Mitte der 1990er-Jahre das „Business Process Reengineering zum Management-Megatrend wurde, stieg der deutsche Softwarehersteller zum Global Player auf. Das Prinzip hat bis heute Bestand, trotz mehrerer technologischer Umbrüche. Mittlerweile nutzen 440.000 Kunden in aller Welt die Software-Lösungen des Konzerns.

    Schon in den langen Nächten, in denen die fünf Gründer vor dem Großrechner hockten, bewies sich Hopp als Vordenker und Antreiber. Ohne ihn wäre der Erfolg von SAP nicht denkbar. Er führte das Unternehmen von 1988 bis 1998 und saß dann bis 2003 dem Aufsichtsrat vor. Er prägte die SAP-Kultur mit flachen Hierarchien, kostenlosem Kantinenessen und sportlichen Wettkämpfen.

    Drei der Mitgründer schieden mehr oder weniger früh aus dem operativen Geschäft von SAP aus, doch das Duo Plattner und Hopp blieb dabei. Während Plattner der Visionär war, der technische Entwicklungen früh erkannte, bewies sich Hopp als Menschenkenner, der bei Mitarbeitern und Kunden beliebt war – und für Ausgleich sorgte, wenn sein Kompagnon Plattner mal wieder zu cholerisch war. „Vadder Hopp“ nennen ihn die SAPler im kurpfälzischen Dialekt respektvoll bis heute.

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    Der Patriarch kann allerdings dünnhäutig sein. Wenn er sich persönlich angegriffen fühlt, ist es mit der Freundlichkeit vorbei. Als drei Mitarbeiter 2006 einen Betriebsrat gründen wollten, warnte er in einem offenen Brief vor einem Verlust der Unternehmenskultur, polemisierte gegen Gewerkschaften und drohte sogar mit der Verlegung der Zentrale. Dabei war Großaktionär Hopp da schon aus dem operativen Geschäft raus.

    Die Aufregung hat sich längst gelegt. SAP ist auch mit Betriebsrat der wertvollste deutsche Dax-Konzern geworden, und am Firmensitz wird seit Jahren kräftig gebaut, um ausreichend Platz für neue Mitarbeiter und Server zu schaffen. Und längst mischt sich Hopp nicht mehr öffentlich ins Geschäft ein. Anders als sein Mitgründer Hasso Plattner, der heute den Aufsichtsrat leitet und sich vorstellen kann, trotz seiner 76 Jahre noch „ein paar Jährchen mehr“ weiterzumachen, wie er dem Handelsblatt kürzlich sagte.

    Gute Drähte ins Unternehmen hat Hopp aber nach wie vor. Im Aufsichtsrat sitzen mit dem Mitgründer Hasso Plattner und Gerd Oswald zwei Vertraute. Auch zu Vorstandschef Christian Klein hat er eine enge Beziehung – der sei „die beste Wahl, die man treffen konnte“, sagte Hopp der „Rhein-Neckar-Zeitung“ einmal über Klein: „Er hat eine charismatische Ausstrahlung und wird die SAP entscheidend voranbringen.“ Man kennt sich, man schätzt sich.

    Für Hopp geht es dabei nicht nur um Sympathie. Mit einem Anteil von rund fünf Prozent zählt er nach wie vor zu den größten Aktionären, angesichts des hohen Aktienkurses ist dieser fast neun Milliarden Euro wert. Die gute Entwicklung des Konzerns ermöglicht es ihm, weiterhin in andere Dinge zu investieren. Christof Kerkmann

    Biotech: Dievini Hopp Biotech Holding – Steiniger Aufstieg

    Pressekonferenz von Dietmar Hopp (zugeschaltet) mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Staatssekretär Ulrich Nußbaum zur Bundesbeteiligung bei Curevac. Quelle: Reuters
    Gefragter Partner

    Pressekonferenz von Dietmar Hopp (zugeschaltet) mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Staatssekretär Ulrich Nußbaum zur Bundesbeteiligung bei Curevac.

    (Foto: Reuters)

    Das Abenteuer Biotechnologie begann für Dietmar Hopp 2004, als er die kleine Firma Heidelberg Pharma aus der Insolvenz heraus übernahm. Wenige Monate später nahm Friedrich von Bohlen, der frühere Chef und Mitgründer von Lion Bioscience, Kontakt zu Hopp auf, um den SAP-Mitgründer von einem Einstieg in die kleine italienische Firma Cosmo Pharmaceuticals zu überzeugen. Eine Investitionsgelegenheit, die von Bohlen, wie er sich selbst erinnert, als „Elfmeter ohne Torwart“ anpries.

    Hopp investierte zehn Millionen und brachte den früheren Lion-Chef mit Hopps Anwalt Christof Hettich in Kontakt. Sie entwickelten ein Konzept für die Dievini Hopp Biotech Holding, die sich nachfolgend auch an Firmen wie AC Immune, Apogenix, Curevac und Molecular Health beteiligte. Die Idee: Durch eine Vielzahl von Beteiligungen soll das Risiko der Investments gestreut werden – ähnlich wie bei einem Wagniskapitalfonds.

    Alles in allem hat Hopp seither mehr als 1,4 Milliarden Euro in den Bereichen Biotech und Medizintechnik investiert. Zehn von ursprünglich 16 Firmen befinden sich auch heute noch im Portfolio von Dievini – und haben nach Einschätzung des Biotech-Investors inzwischen allesamt solide Aussichten auf Erfolg. Das Tätigkeitsspektrum reicht von der Alzheimer-Forschung bis zu Wirbelsäulenchirurgie und KI-basierten Analysesystemen für Mediziner und Pharmafirmen.

    Es war ein steiniger Weg zu den Sternen. Die ersten zehn Jahre waren von Rückschlägen geprägt. Zu den prominenten Fehlinvestments gehörten etwa die Münchener GPC Biotech und das Nachfolgerunternehmen Agennix, deren Krebsmittelkandidaten in den klinischen Prüfungen scheiterten. Gescheitert sind auch Firmen wie die ursprünglich auf Neurologieforschung konzentrierte Sygnis oder die im Herz-Kreislauf-Bereich engagierte Curacyte. Und auch aktuelle Beteiligungsfirmen wie Curevac, Immatics oder AC Immune mussten in der Vergangenheit Rückschläge verkraften.

    Hopps Biotech-Erfolgsbilanz fällt daher insgesamt weniger günstig aus als die der Münchener Unternehmer Andreas und Thomas Strüngmann, den anderen beiden Großinvestoren in der deutschen Biotechindustrie. Sie hatten weniger Flops zu verkraften, verbuchten lukrativere Firmenverkäufe und halten mit der Mainzer Biontech einen Impfstoffentwickler, der aktuell rund 40 Prozent höher bewertet wird als Curevac. 

    Sowohl in der Branche als auch in den Medien musste Hopp in der Vergangenheit einiges an Kritik und zuweilen auch Spott einstecken. Doch von solchen Rückschlägen ließ er sich nie beirren. Zu den Strüngmann-Brüdern pflegt er ein freundschaftliches Verhältnis.

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    Vor zwei Jahren versprach Hopp im Interview mit dem Handelsblatt: „Wir werden unseren Einsatz mindestens verdreifachen.“ Inzwischen kann er für sich beanspruchen, dass die Prognose keineswegs übertrieben war. Gemessen an der aktuellen Marktkapitalisierung von Curevac von gut neun Milliarden Euro repräsentiert der knapp 50-prozentige Anteil, den Hopp noch hält, immerhin einen Wert von fast fünf Milliarden Euro.

    Curevac allein würde damit schon genügen, um Hopps Renditeziel zu erreichen. Der Besuch von Tesla-Gründer und Multiunternehmer Elon Musk bei Curevac machte in dieser Woche auch einer breiten Öffentlichkeit deutlich, dass da in Tübingen eine weltweit beachtete Biotech-Größe herangereift ist.

    Die herausragende Stellung des Unternehmens im Hopp-Portfolio hat indessen nicht nur mit der Corona-Pandemie zu tun. Die Bedeutung ergibt sich vielmehr aus der besonders breiten Technologieplattform: Das Unternehmen gilt als Spezialist für mRNA-basierte Wirkstoffe. Die Abkürzung steht für Messenger-Ribonukleinsäure.

    Grundlage des Verfahrens ist die natürliche Funktion von Messenger-RNA als Zwischenglied zwischen Genen und Eiweißstoffen (Proteinen). mRNA transferiert die Baupläne für Proteine aus dem Zellkern zu den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen. Sie fungiert damit als zentrales Steuerelement für biologische Abläufe in den Zellen.

    Mithilfe von Messenger-RNA, so die Vision von Curevac und Co., lassen sich Körperzellen im Prinzip auf die Herstellung beliebiger Proteine umprogrammieren. mRNA könnte so als eine ganz neue Klasse von Arzneiwirkstoffen genutzt werden – und dies nicht nur im Impfstoffbereich, sondern zum Beispiel auch in der Krebstherapie. Noch gibt es zwar kein einziges Medikament auf Basis von mRNA.

    Die Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen bietet den RNA-Spezialisten nun aber eine einzigartige Chance, ihre Technologie in der Praxis zu beweisen. Nicht zuletzt diese Perspektive steht hinter den hohen Bewertungen, die auf mRNA spezialisierte Firmen derzeit an der Börse erzielen. Neben Curevac zählen dazu auch Biontech und Moderna.

    In Relation zu Curevac wirken die übrigen Beteiligungen im Hopp-Portfolio eher bescheiden, mit Marktkapitalisierungen zwischen 130 Millionen Euro bei Heidelberg Pharma und 1,4 Milliarden Euro bei der irischen Cosmo, an der Dievini fünf Prozent des Kapitals hält. Allerdings haben auch bei diesen Firmen zuletzt eher die positiven Nachrichten überwogen.

    Cosmo erhielt jüngst die Zulassung für ein neuartiges Diagnostikum für die Darmkrebsvorsorge. Cassiopea die Zulassung für ein Aknemedikament. Die Schweizer AC Immune, die 2019 mit ihrem Alzheimer-Wirkstoffe Crenezumab in zwei großen Phase-3-Studien scheiterte, hat inzwischen zumindest einen Teil der damaligen Wertverluste wieder aufgeholt.

    In Hopps Portfolio bildet ähnlich wie für die Biotechbranche insgesamt die Onkologie einen Schwerpunkt. So sind immerhin fünf der zehn Biotechbeteiligungen von Dievini voll oder zumindest teilweise auf dem Gebiet der Krebsdiagnostik und -therapie engagiert. Darunter auch Curevac, die ihre mRNA-Technologie eigentlich primär für den Einsatz in der Krebstherapie entwickelt hat, nicht für Impfstoffe. 

    Die Onkologieprojekte der Hopp-Firmen befinden sich überwiegend noch in der frühen klinischen Erprobung oder in der präklinischen Testphase. Dazu gehört etwa das Hauptprojekt von Heidelberg Pharma: ein Wirkstoff, der ein potentes Pilzgift in Tumorzellen transportieren soll. Die Apogenix testet ihr Hauptprodukt Asunercept in einer Phase-2-Studie gegen Glioblastome, eine gefährliche Art von Hirntumoren.

    Die dynamischste Entwicklung unter den Dievini-Firmen hat neben Curevac zuletzt die ebenfalls in Tübingen beheimatete Firma Immatics genommen, die sich zu den führenden deutschen Akteuren in der Erforschung von Immuntherapien gegen Krebs zählt. Grundlage ist in diesem Fall ein von Mitgründer Hans-Georg Rammensee entwickeltes Verfahren, mit dem kurze Eiweißfragmente, sogenannte Peptide, auf der Oberfläche von Krebszellen identifiziert werden können.

    Mit dem Versuch, aus diesen Peptiden eigene Krebsimpfstoffe zu entwickeln, ist Immatics zwar gescheitert. Inzwischen hat sich das Unternehmen aber als Spezialist für die Erforschung von tumor-spezifischen Rezeptoren positioniert und diese Fähigkeit für den Aufbau einer Serie hochkarätiger Partnerschaften mit den Pharmakonzernen Amgen, Glaxo-Smithkline und der zu Bristol-Myers Squibb gehörenden Biotechfirma Celgene genutzt.

    Für den weiteren Ausbau der Forschung hat sich Immatics im Juli mit einem Listing an der US-Technologiebörse Nasdaq gerüstet. Der Börsengang erfolgte im Zuge einer Fusion mit einer bereits gelisteten Zweckgesellschaft. Das Manöver spülte gut 200 Millionen Euro an frischem Kapital in die Kasse. Hopp ist mit 25 Prozent Anteil aber immer noch größter Einzelaktionär. Siegfried Hofmann

    Sport-Förderung: Stammplatz in der ersten Liga

    Erfolg mit System gesucht. Quelle: Reuters
    Hopp vor der heutigen Prezero-Arena in Sinsheim (2007)

    Erfolg mit System gesucht.

    (Foto: Reuters)

    Wer sich in der Fußballkabine bewährt, schafft den Aufstieg in der Wirtschaft leichter. Auch Dietmar Hopp, 80, steht für diese These: In der Jugend schon kickte er im Heimatdorf Hoffenheim – und war dann im SAP-Konzern, den er mitgegründet hat, für gutes Teambuilding bekannt. Aus eigener Erfahrung wisse er, so Hopp: „Sport bereitet viel Freude und formt den Charakter.“

    Nach der Konzernkarriere hat sich der Softwaremilliardär folglich dem Sportwesen der nordbadischen Region gewidmet – und zusammen mit Sohn Daniel Erstaunliches geleistet.

    Viel ist passiert: Der Aufstieg der Fußballer der TSG Hoffenheim aus der Kreis- in die Bundesliga, Europameisterschaften in dem von Hopp gegründeten und geleiteten Golf Club St. Leon-Rot, deutsche Meisterschaften der Handballer von Rhein-Neckar-Löwen und des Eishockey-Teams Adler Mannheim. Beide Mannschaften nutzen die fast 14.000 Menschen fassende Multifunktionshalle SAP Arena – die 2005 dank der Gelder von Dietmar Hopp entstanden war.

    Für die Menschen an Rhein und Neckar ist Patron Hopp ein Garant für Spitzensport. Ein Lokalpatriot, der mit Kapital und Know-how für einen Stammplatz in der ersten Liga sorgt. Man sei der Familie Hopp sehr dankbar und wisse „um die Bedeutung für den Sport in Mannheim und der Region“, erklärte Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz öffentlich. Das Lob schließt mehr als zehn Nachwuchszentren ein, die Hopps Verein „Anpfiff ins Leben“ unterhält. Hier erlernt der Nachwuchs nicht nur Fußball, Handball oder Eishockey, sondern wird auch schulisch sowie psychologisch betreut.

    Von all den Millionen, die Dietmar Hopp über seine gemeinnützige Stiftung auch in Medizin, Biotech und Kultur steckt, erzielen die Gelder für Sport die größte öffentliche Wirksamkeit. Er hat hier Erfolg mit System gesucht. Sport war wie ein Start-up, das einen Aufbauplan braucht. Und nicht sündteure Gagen für Superstars, wie Oligarchen und Scheichs das so gerne machen.

    Bei den Funktionären ist der Softwaremillionär zur grauen Eminenz geworden. Quelle: imago/MIS
    Hopp (r.) mit Bundestrainer Joachim Löw (2015)

    Bei den Funktionären ist der Softwaremillionär zur grauen Eminenz geworden.

    (Foto: imago/MIS)

    Rund 300 Millionen dürfte Hopp allein in den Fußball gesteckt haben, einen Teil davon in ein Stadion in Sinsheim. Alles begann 1989: Da war „seine“ TSG Hoffenheim aus der Bezirksliga abgestiegen. Hopp fühlte sich für die Rettung verantwortlich. Nachdem 2005 der Plan scheiterte, Hoffenheim mit FC Astoria Walldorf und SV Sandhausen zum FC Heidelberg 06 zu fusionieren, musste es die TSG allein schaffen. Und wurde dank eines Nachwuchs- und Leistungszentrums sowie innovativer Trainingsmethoden zum Pionier des Profifußballs. 2008/09 kickte man in der Bundesliga.

    Bei den Funktionären der Branche ist Hopp zur grauen Eminenz geworden. Respektiert und bewundert, vielen aber etwas fremd geblieben. Ein eher introvertierter Sozial-Ingenieur des Perfekten, niemand zum „Abkumpeln“. Ein Kapitalist, der gut fürs Gemeinwohl ist. „Die Kunst ist, dass Hoffenheim heute wie ein Traditionsverein wirkt und keiner vom ,Hopp-Klub‘ spricht“, sagt ein Fußballmanager.

    Anfangs, als Hoffenheim die Bundesliga aufmischte, warnte Uli Hoeneß vom FC Bayern München: „Da wird mehr Geld gezahlt als sie alle rumerzählen. Trotz der Finanzkrise hat der Herr Hopp schon noch ein paar Euro übrig.“ Längst aber sind Hopp und Hoeneß Freunde geworden. Inzwischen trainiert sogar Hoeneß-Neffe Sebastian die Hoffenheimer Profis. Der FC Bayern nahm Hopp Ende Februar in Schutz, als just Münchener Fans den Milliardär im Stadion auf Transparenten als „Hurensohn“ schmähten.

    Für die „Ultras“ unter den Fans ist Hopp das Symbol für Kommerzialisierung ihres Sports. 2005 hatte ihm die Deutsche Fußball Liga gestattet, 96 Prozent des Kapitals der TSG zu übernehmen, da er mehr als 20 Jahre lang den Verein gefördert habe. Üblicherweise besagt eine „50-plus-1“-Regel, dass Vereinsmitglieder die Mehrheit halten.

    Wir sind Familie Hopp sehr dankbar und wissen um die Bedeutung für den Sport in Mannheim und der Region. Peter Kurz (Oberbürgermeister Mannheim)

    „Wer im Fußball Geld für einen Verein gibt, wird von den eigenen Fans verherrlicht, die anderen sind neidisch“, erkannte Hopp. Doch die Beleidigungen der „Ultras“ treffen den Mäzen. Ihn, den Uneitlen, der seiner Region „etwas zurückgeben“ will. Der Bodenhaftung zum Prinzip erklärt und zum Golfen in St. Leon-Rot schon mal in Birkenstock-Latschen aufkreuzt.

    Energisch haben sich die Hopps gegen Vorwürfe gewehrt, sie sähen im Spitzensport nur ein Spielzeug für Zeitvertreib und Ego-Show. Es gehe ihnen um Geld für Infrastruktur und Jugendarbeit. Sozialarbeit auf hohem Niveau sozusagen. „Das ist anders als bei einem Investor wie Lars Windhorst bei Hertha BSC Berlin, der die Rendite auf sein eingesetztes Kapital sucht“, sagt ein Bundesliga-Berater.

    Die Lust am Sport hat Dietmar Hopp seinem Sohn Daniel vererbt, der früh die Geschäfte des Eishockeyklubs Adler Mannheim führte und auch die SAP Arena leitet. „Er ist nicht von Beruf Sohn“, lobt der Vater. Der 39-jährige Daniel wiederum preist den Wert „Fairness“ in seiner Erziehung: „Wenn du ein Match gewinnst, gratulieren dir alle, und das hält ein paar Tage an“, habe ihn der Senior gelehrt, „wenn du aber im Sport schummelst und erwischst wirst, hast du diesen Makel im Zweifel sehr lange.“ Alles eben eine Frage der Ehre. Hans-Jürgen Jakobs

    Soziale Projekte: Von der Geburt bis zum Sterben in Würde

    Hopp (Mitte) mit Charity- Prominenz beim „Kinderträume Golf-Cup“ 2014. Quelle: ddp
    Ein Scheck für Kinder

    Hopp (Mitte) mit Charity- Prominenz beim „Kinderträume Golf-Cup“ 2014.

    (Foto: ddp)

    Von „Alla Hopp“ bis „Zentrum für Inklusion“ — für mehr als 1000 gemeinnützige Projekte hat die Dietmar Hopp Stiftung in den bald 25 Jahren seit ihrer Gründung Geld zur Verfügung gestellt. Sport und Bewegung stehen dabei häufig oben an erster Stelle: So wie bei den 19 „Alla Hopp“-Bewegungs- und Begegnungsanlagen, die die Stiftung in den vergangenen Jahren in der Rhein-Neckar-Region geplant und deren Errichtung sie umgesetzt hat.

    Der Schwerpunkt der Stiftungsaktivitäten liegt in der Metropolregion rund um Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg. „Hier bin ich geboren und aufgewachsen und hier liegt die Wiege meines Erfolgs. Deshalb gebe ich jetzt gerne etwas an die Region zurück“, hat Dietmar Hopp einmal seine Motivation beschrieben. In Heidelberg geboren, ging Hopp in Sinsheim zur Schule, studierte Nachrichtentechnik in Karlsruhe und gründete später in Walldorf das Unternehmen SAP mit.

    Das Stiftungsvermögen besteht überwiegend aus SAP-Aktien, die Dietmar Hopp aus seinem privaten Besitz eingebracht hat. Die Stiftung profitiert dabei von der seit Jahren steigenden Dividende des IT-Konzerns, der das wertvollste Unternehmen im Dax ist. Seit ihrer Gründung im Dezember 1995 bis Ende 2019 hat die Dietmar Hopp Stiftung, die zu den größten Privatstiftungen Europas zählt, insgesamt rund 800 Millionen Euro ausgeschüttet. Gefördert wird nur auf Antrag.

    Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt in den Bereichen Medizin, Soziales, Bildung und Sport. Hopp selbst ist die Förderung des Jugendsports besonders wichtig, weil Sport den Charakter formt, wie er sagt. Die Stiftung unterstützt Vereine oft ganz praktisch: Mit einer Flutlicht- oder einer Beregnungsanlage für den Sportrasen etwa. Auch ein abgebranntes Sportlerheim wurde vor Jahren mit Geldern der Stiftung wieder aufgebaut.

    Mehrere millionenschwere Förderprojekte gibt es im medizinischen Bereich: So gehen 100 Millionen Euro, die bisher größte Einzelspende der Stiftung, in den Bau eines Herzzentrums in Heidelberg, in dem alle herzmedizinischen Disziplinen unter einem Dach angeboten werden sollen. Ebenfalls in Heidelberg fördert die Stiftung mit 20 Millionen Euro das „Hopp Kindertumorzentrum“ der Universität und des Deutschen Krebsforschungszentrums.

    Überhaupt ist die Kinderheilkunde einer der Schwerpunkte der Stiftung. Hopp selbst ist beispielsweise das Neugeborenen-Screening ein Anliegen. Hier wird die Stoffwechselmedizin der Heidelberger Uniklinik seit 2001 unterstützt. Ein Tropfen Fersenblut reicht aus, um nach seltenen Stoffwechselerkrankungen zu suchen, die unerkannt und unbehandelt zu schweren geistigen und körperlichen Einschränkungen der Kinder führen können. Ein solch breites Screening wird in der Regelversorgung von den Kassen nicht übernommen.

    Zudem unterstützt die Stiftung medizinische Forschungsprojekte, ebenso wie die Prüfung neuer Therapieformen und Präventionsprogramme. Auch werden innovative Geräte für eine bessere technische Ausstattung medizinischer Einrichtungen finanziert. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt neben der Kinderheilkunde in den Bereichen Krebsforschung, Frauenheilkunde, Altersheilkunde und psychosoziale Medizin.

    Von der Geburt bis zum Sterben in Würde, so spannt die Stiftung den Bogen der geförderten Projekte im Bereich Soziales. Auch hier ist die Palette der Aktivitäten breit: Verschiedenste Begegnungsstätten und Therapiezentren für junge und alte Menschen, Urlaubsherbergen für Familien mit schwerstkranken Kindern oder seniorengerechte Wohnungen sind bereits von der Stiftung gefördert worden.

    Im Bereich Bildung hat sich die Dietmar Hopp Stiftung zum Ziel gesetzt, Kindern eine ganzheitliche Bildung zu ermöglichen. Also Wissen zu vermitteln und auch die geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten sowie die soziale Kompetenz zu erweitern. Von der Förderung profitieren Kindergärten, Schulen und Universitäten. Ein Techniklabor, digitale Schulbücher, ein Sommercamp für junge Forscher: Die Stiftung will nicht nur den Wissensdurst der Kinder stillen, sondern gezielt auch benachteiligte Schüler unterstützen. Viele Projekte widmen sich dabei Themen aus Naturwissenschaften und Technik.

    Um das Verständnis für den Klimawandel und ein nachhaltiges Leben und Wirtschaften zu fördern hat die Dietmar Hopp Stiftung 2014 zudem die Klimastiftung für Bürger gegründet. Seit Oktober vergangenen Jahres betreibt sie mit der Klima Arena in Sinsheim einen innovativen Ausstellungs- und außerschulischen Lernort für alle, die sich nachhaltig für Klima und Umwelt engagieren möchten. Maike Telgheder

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