Halbleiterhersteller: USA schränken Export von Chip-Technologie nach China weiter ein – und vergeben Milliarden-Subventionen
Wer Staatshilfe in Amerika annimmt, darf nicht in China investieren.
Foto: ReutersMünchen. Weihnachten im Hochsommer: Die Chipbranche darf sich über 52 Milliarden Dollar an Subventionen in den USA freuen. Das Parlament in Washington hat die Staatshilfe genehmigt, es fehlt nur noch die Unterschrift von Präsident Joe Biden unter dem „Chips Act“.
Die Industrie jubelt: „Der Kongress hat sich einer entscheidenden Herausforderung unserer Zeit gestellt und die historische Gelegenheit ergriffen, die amerikanische Halbleiterfertigung, das Chipdesign und die Forschung zu stärken“, sagte John Neuffer, Präsident der Branchenvereinigung Semiconductor Industry Association. Das Gesetz stärke die einheimische Wirtschaft und die nationale Sicherheit.
Samsung und TSMC: Fertigung sowohl in den USA als auch China
Die Milliardengabe der Steuerzahler hat indes einen Haken. Wer das Geld annimmt, darf nicht gleichzeitig in fortschrittliche Chip-Produktion in China investieren. Den Marktforschern von Trendforce zufolge betrifft das zwei wichtige Lieferanten: Samsung aus Korea und die Taiwaner TSMC. Sie sind die beiden führenden Auftragsfertiger weltweit und laut Trendforce die einzigen Konzerne, die sowohl in den USA als auch in China die Fertigung ausbauen.
Es ist nicht der einzige Versuch der USA, den Aufbau einer schlagkräftigen Chipindustrie in China zu verhindern. Die US-Behörden haben gerade erst das Geschäft von amerikanischen Chipzulieferern beschränkt. So dürfen die Firmen kein Equipment mehr in die
Halbleiterhersteller: Lieferungen nach China weiter verschärft
Volksrepublik liefern, das für die Produktion von Bauelementen mit Strukturgrößen unterhalb von 14 Nanometern geeignet ist.
Seit Ende 2020 lag die Grenze bei 10 Nanometern. Je kleiner die Zahl, desto fortschrittlicher die Chips. Das heißt: Nun wird auch der Export von Maschinen für Verfahren untersagt, die bereits länger etabliert sind.
„Wir wurden kürzlich darüber informiert, dass die Beschränkungen für Technologielieferungen nach China für Fabriken, die unter 14 Nanometer betrieben werden, ausgeweitet werden sollen“, sagte Tim Archer, der Chef des amerikanischen Chipausrüsters Lam Research. Der Chef des Wettbewerbers KLA, Rick Wallace, bestätigte den Vorstoß der US-Regierung. Der Bann würde einerseits chinesische Halbleiterhersteller wie SMIC treffen, andererseits ausländische Firmen in China wie TSMC.
Halbleiterindustrie: Jahrelanger Konflikt zwischen USA und China
Die USA und China liegen wegen der Chipindustrie seit Jahren im Clinch. Schon der frühere US-Präsident Donald Trump hat Chiplieferungen an den führenden chinesischen Tech-Konzern Huawei untersagt – unter Verweis auf die nationale Sicherheit.
Es hat seinen Grund, dass die Amerikaner gerade jetzt gegen die Chinesen vorgehen. Noch sehen sie die Chance, das Land bei den Chips zu stoppen. China verfügt zwar gemäß Trendforce über 24 Prozent aller Produktionskapazitäten weltweit; und in drei Jahren sollen es den Experten zufolge schon 27 Prozent sein.
Die allermodernsten Halbleiter mit Strukturgrößen von sieben Nanometer und weniger aber werden in dem Land praktisch überhaupt nicht produziert. Das dürfte angesichts der neuen Beschränkungen auch so bleiben, so die Prognose von Trendforce. Demgegenüber würden die USA bis 2025 von null auf zwölf Prozent Marktanteil bei den fortschrittlichsten Chips kommen. Aktuell dominiert Taiwan diesen Markt, gefolgt von Südkorea.
Intel, Samsung und TSMC bauen in Amerika
Derzeit errichten der US-Konzern Intel sowie TSMC und Samsung hochmoderne neue Werke in Amerika. Sie alle nehmen Subventionen in Anspruch. Intel-Chef Pat Gelsinger machte die Unterstützung aus dem Chips Act sogar zur Voraussetzung für die milliardenschweren Investitionen des nach Samsung zweitgrößten Halbleiterherstellers der Welt.
Trotz der Exportbeschränkungen der USA kommt China offenbar technologisch voran. Die Industriebeobachter von TechInsights berichteten jüngst, dass SMIC inzwischen Chips mit Sieben-Nanometer-Technologie zum Schürfen von Kryptowährungen produziere. Der Konzern aus Schanghai ist der größte und bekannteste Halbleiterhersteller Chinas. Allerdings sei es unwahrscheinlich, dass SMIC mit dem bestehenden Equipment derartige Chips profitabel in Serie herstellen könne, so das Urteil von Trendforce.
Ähnlich wie die USA will auch die EU die Chipindustrie mit hohen Subventionen anlocken. Allerdings ist der europäische Chips Act noch nicht verabschiedet. Wer das Staatsgeld annimmt, wird in Europa voraussichtlich ebenfalls neuen Regeln unterliegen. So will die EU-Kommission in die Produktion eingreifen und den Export beschränken, wenn es zu schwerwiegenden Lieferengpässen kommt.
Damit möchte Brüssel sicherstellen, dass die europäische Industrie bei einer Krise ausreichend mit den Bauteilen versorgt wird. Zu den Subventionsempfängern gehören STMicroelectronics, Globalfoundries und Intel.
Derweil konzentriert sich China aus der Not heraus darauf, Chips mit Strukturgrößen von 28 Nanometer und größer herzustellen. Für die deutsche Industrie ist das sehr relevant. Denn gerade in Autos und Industrieanlagen stecken immer mehr derartige Chips.
Erstpublikation: 03.08.2022, 14:35 Uhr.