Gaskrise: So entsteht Deutschlands schnellstes LNG-Terminal – ohne Bürokratie, aber nicht ohne Protest
Die Hoffnungen in der Gaskrise ruhen auf Brunsbüttel.
Foto: dpa (2), Getty Images, PrivatBrunsbüttel. Axel Wendt ist nur einmal in seinem Leben umgezogen – und zwar eine Straße weiter. Der 56-Jährige lebt in einem hier typischen roten Ziegelhaus mit einer Hecke, die seinen Vorgarten vom Bürgersteig trennt. Untypisch ist nur die Lage: Brunsbüttel Süd. Denn eigentlich gilt: In Nord, da schläft, in Süd, da arbeitet man.
Vor seiner Tür hört Wendt das Poltern der Hafenanlage und das Wubbern der Hilfsmotoren, wenn Tanker am Hafen ankommen. „Am Ende hat die Wirtschaft immer einen längeren Arm als die Menschen vor Ort“, sagt Wendt, Vorsitzender des CDU-Ortsbeirates Brunsbüttel Süd.
In diesen Wochen, so scheint es, bestätigt sich das mal wieder. Wo Wendt als Kind geangelt hat, soll ein schwimmendes LNG-Terminal gebaut werden, eine Art Tankstelle für Flüssigerdgas. Nur: Dieses Mal entsteht das Projekt nicht, weil die Wirtschaft mal wieder einen längeren Arm hätte. Dieses Mal geht es ums nationale Interesse. Das macht die Lage nicht einfacher.
Brunsbüttel bekommt Deutschlands erstes LNG-Terminal
Brunsbüttel ist neben Wilhelmshaven, Stade und Lubmin einer der vier Orte, in denen der Bund „Floating Storage and Regasification Units“ (FSRU) plant – insgesamt fünf schwimmende LNG-Terminals. LNG ist verflüssigtes Erdgas, auf -161 bis -164 Grad abgekühlt. Politisch aber steht es für die schnelle Unabhängigkeit Deutschlands von russischem Erdgas, für einen schnellen Ausweg aus der Gaskrise.