Pandemie: Start der Omikron-Impfstoffe: Praxen bestellen 1,6 Millionen Dosen der neuen Vakzine
Vom Hersteller Moderna sollten in der ersten Woche zunächst 1,65 Millionen Dosen und in der zweiten Woche 2,38 Millionen Dosen BA.1-Impfstoff kommen.
Foto: IMAGO/Sylvio DittrichBerlin. Arztpraxen haben zum Start der an die Omikron-Variante BA.1 angepassten Impfstoffe in Deutschland deutlich weniger Dosen bestellt, als durch die Lieferungen der Hersteller möglich gewesen wäre.
Insgesamt orderten die Praxen mehr als 1,6 Millionen Dosen der neuen Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Das teilte das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) dem Handelsblatt mit.
Konkret bestellten rund 23.500 Praxen knapp 225.000 Vials des Vakzins von Biontech/Pfizer, was rund 1,35 Millionen Dosen entspricht. Vom neuen Moderna-Impfstoff bestellten rund 3500 Praxen knapp 55.000 Vials, was etwa 275.000 Dosen sind.
Die Bestellung der angepassten Vakzine war in dieser Woche erstmals möglich. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte vergangene Woche angekündigt, dass Deutschland in den beiden Wochen ab dem 5. September je fünf Millionen Dosen des angepassten Impfstoffes von Biontech/Pfizer erhalten werde. Vom Hersteller Moderna sollten in der ersten Woche zunächst 1,65 Millionen Dosen und in der zweiten Woche 2,38 Millionen Dosen BA.1-Impfstoff kommen.
Die bestellten Dosen liegen damit zwar unter den von den Herstellern gelieferten Mengen. Allerdings haben die Praxen laut ZI sechs Mal mehr Impfstoff bestellt als in der Vorwoche. „Die Vertragsärzte nehmen den Aufruf ernst, den Impfschutz der Impfwilligen mit Blick auf den Herbst aufzufrischen“, sagte ZI-Chef Dominik Stillfried dem Handelsblatt. Sie würden Personen mit erhöhtem Risiko gemäß Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) in den Vordergrund stellen. Die bestellten Lieferungen sollen in der Woche vom 5. September sowie der darauffolgenden an die Arztpraxen ausgeliefert werden.
Omikron-Impfstoffe: Warten auf angepasste Stiko-Empfehlung
Aktuell sei die Impfnachfrage der Patienten aber „auch aufgrund millionenfacher Infektionen aus der letzten Welle natürlich gering“, erklärte er. „Zudem ist es Anfang September noch recht früh für eine Impfung, die bis ins Frühjahr schützen soll.“ Man werde sehen müssen, wie es gelingt, die Impfbereitschaft der Risikopatienten in den nächsten Wochen anzuregen.
Die Bundesregierung erhofft sich von den neuen Impfstoffen neuen Schwung für die Impfkampagne, die quasi zum Erliegen gekommen ist.
Foto: IMAGO/Political-MomentsDie Bundesregierung erhofft sich von den neuen Impfstoffen neuen Schwung für die Impfkampagne, die quasi zum Erliegen gekommen ist. Derzeit lassen sich im Schnitt noch 18.000 Menschen am Tag impfen, zur Hochzeit im Dezember des vergangenen Jahres waren es rund 1,6 Millionen Menschen. In der Altersgruppe der Menschen ab 60 Jahren haben bislang nur rund 30 Prozent eine zweite Auffrischimpfung erhalten.
Die europäische Zulassungsbehörde Ema hatte die Impfstoffe vergangene Woche zugelassen. Eine aktualisierte Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) liegt jedoch noch nicht vor. Lauterbach hatte erklärt, dass sich die Kommission mit den Studiendaten „sehr intensiv“ beschäftige und zeitnah eine Empfehlung vorlegen wolle. Derzeit empfiehlt die Stiko eine vierte Impfung allen Menschen ab 60 Jahren und damit nicht auf die neuen Impfstoffe zu warten.
Ein Grund für die Zurückhaltung könnte auch sein, dass viele Menschen auf den an die Variante BA.4 und BA.5 angepassten Impfstoff von Biontech/Pfizer warten, dessen Zulassung durch die Behörde Ema Ende September beziehungsweise Anfang Oktober erwartet wird.
Dann soll laut Bundesgesundheitsministerium Deutschland auch zügig mit einer ersten Tranche von 9,5 Millionen Dosen beliefert werden. Derzeit dominiert die BA.5-Variante in Deutschland.