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KunstszeneWie der Unternehmer Yoram Roth Kunst und Arbeit verbinden und damit Geld verdienen will

Kunst und Coworking – klingt widersprüchlich. Doch die Häuser des Kunstinvestors haben sich in Metropolen wie New York und Los Angeles bereits etabliert. Nun kommt Roth in seine Heimatstadt Berlin.Mona Fromm 28.02.2023 - 16:58 Uhr Artikel anhören

Der Kunstunternehmer auf der Baustelle des Fotografiska-Museums in Berlin, das 2023 eröffnet.

Foto: Fotografiska

Berlin. Noch brauchen Yoram Roth und sein Team Schutzhelm und Sicherheitsweste, um das Fotografiska-Museum in Berlin zu betreten. Bohrer dröhnen im Hintergrund, die Wände sind verkleidet, Plane und Bauschutt liegen auf dem Boden.

Auch nach der Eröffnung in wenigen Monaten soll es hier nicht still werden. Die Besucherinnen und Besucher sollen offen diskutieren. An den Wänden könnten Fotos von David LaChapelle oder seltene Polaroids von Andy Warhol hängen, auf dem Boden liegt dann aber vielleicht eine Yogamatte.

Die Häuser der auf Fotokunst spezialisierten Fotografiska sind keine gewöhnliche Museen. Das 2010 in Schweden gegründete Unternehmen betreibt bisher drei Standorte, in Stockholm, New York und Tallinn. Besucher dürfen unter der Woche bis 23 Uhr, am Wochenende bis nach Mitternacht bleiben.

Yoram Roth will Begegnungsorte für Kreative schaffen

Die Anreize: Events, Partys, Kochabende. Mal mit DJs, mal mit Vorträgen bekannter Kunsthändler wie Jeffrey Deitch – oder Kurse, die Kunst und Yoga vereinen. Yoram Roth will auf diese Weise junge Städter ins Museum locken.

Der 54-Jährige ist Executive Chairman von Culture Works, seit März 2021 hält er bei der Kulturplattform die Mehrheit. Das Fotografiska ist ein Tochterunternehmen, ebenso wie die Marke „Neuehouse“ in den USA. Beide Konzepte drehen sich um die Interaktion, das Museum als Begegnungsort.

Die Frage, die beide Marken beantworten wollen: Was brauchen Menschen aus der Kunst-, Film- und Designbranche? Es ist demnach weder nur ein Atelier noch ausschließlich ein Büro. Bei Neuehouse ist so ein Raum für Kunstschaffende entstanden, in dem sie sich vernetzen können. Es sind Coworking-Spaces, die auf den ersten Blick wie ein Kunstmuseum wirken. Der Fokus liegt auf Kunden aus der Welt der Musik, Mode, Design und Kultur.

Das Museum für Fotografie wird bis spät abends geöffnet haben.

Foto: AmTacheles

Das gilt auch für den Fotografiska-Standort Berlin. „Wir sehen einen Nachholbedarf – vor allem bei jungen Kreativen – für den Wiederaufbau persönlicher und beruflicher Beziehungen und für den Austausch kultureller Erfahrungen“, erklärt Roth. Die Zielgruppe kennt er aus seinen bisherigen Investments.

So kaufte Roth vor vier Jahren das beliebte Berliner Tanzlokal Clärchens Ballhaus, zudem hat er Anteile am Medienunternehmen Tip Berlin Media Group erworben. Größere Kunden von Culture Works sind der Taschen-Verlag oder das Musiklabel Capitol Records.

Der Umsatz in Höhe von rund 100 Millionen Dollar pro Jahr teilt sich in etwa gleich auf die beiden Marken auf. Die Coworking-Sparte sei profitabel, „aber da wir in unserer Wachstumsphase sind, reinvestieren wir unser Geld in neue Locations“, sagt Roth.

Coworking Spaces in der Pandemie: Nachfrage hat sich dramatisch verändert

Dabei erlebten Coworking Spaces wegen der Coronapandemie eine kurze, aber harte Krise. Unternehmen schickten ihre Mitarbeitenden im großen Stil ins Homeoffice. „Die Nachfrage hatte sich ganz dramatisch verändert“, sagt Tobias Kollewe, Präsident des Bundesverbands Coworking Spaces Deutschland. „Seminar- und Meetingräume hatten vorher einen wesentlichen Teil des Geschäfts ausgemacht. Das ist in den ersten sechs Monaten der Pandemie auf nahezu null gesunken.“

An den Standorten von Neuehouse sollen sich kreative Menschen vernetzen.

Foto: Nikolas Koenig

Dafür stieg die Nachfrage nach Einzelarbeitsplätzen. Dieser Bereich habe an Dynamik gewonnen, erklärt Kollewe, weil sich Remote-Arbeit durchgesetzt habe. „Viele Anbieter haben von der Pandemie ein Stück weit profitiert“, resümiert der Verbandspräsident.

Auch Culture Works kann diese Entwicklung für sich nutzen. „In Metropolen und Großstädten gibt es sicher eine Nachfrage nach branchenspezifischen Coworking Spaces“, sagt Kollewe. Als Beispiel nennt er den „Ruffinihaus Creative Hub“ in München. Seit Ende 2020 können sich dort Akteure aus der Kultur- und Kreativwirtschaft vernetzen.

Gerade in Berlin mit seiner ausgeprägten Kunstszene könnte ein spezialisiertes Konzept wie Neuehouse Zukunft haben – womöglich zusätzlich zum Fotografiska. Dieses Potenzial sieht auch Yoram Roth: „Berlin wäre auf jeden Fall Teil unserer langfristigen Überlegungen“, sagt Roth, der selbst früher als Fotokünstler arbeitete. Der Mittfünfziger trägt Jeans, Turnschuhe und ein T-Shirt mit V-Ausschnitt. Die kurzen Haare sind silbergrau.

Die Büros von Neuehouse sprechen exklusive Kunden an.

Foto: NeueHouse

Die jüngste Eröffnung von Neuehouse war Anfang Dezember in Venice Beach, bereits der dritte Standort in Los Angeles. In den modernen Büroräumen des Anbieters finden sich nicht nur Schreibtische mit Steckdosen, sondern immer auch eine vornehme Bar. Ledersofas und Samtsessel laden zum Verweilen und Vernetzen ein, an den Wänden hängen große Schwarz-Weiß-Fotografien.

Wer dort arbeiten will, muss Mitglied werden und je nach Abo zwischen 500 und 5000 Dollar pro Monat zahlen. Ansonsten verdient Culture Works Geld mit dem Museumseintritt, Gastronomie und Veranstaltungen.

Surf Locker und Yogakurse: Kunstunternehmer Yoram Roth spricht exklusive Kunden an

Die Kundschaft genießt einige Vorzüge. In Venice Beach können die Kreativen nach der morgendlichen Surfrunde duschen und ihre Neoprenanzüge in sogenannten Surf Lockers verstauen. In New York gab es Events mit Starregisseur Werner Herzog oder „Huffington Post“-Mitgründerin Arianna Huffington. „We are a little bit self-filtering“, sagt Roth in Bezug auf die Mitgliedschaft, heißt: Neuehouse sucht sich die Kundschaft ein bisschen aus.

Teil des Konzepts sind Vorführungen und Abendveranstaltungen.

Foto: NeueHouse

Roth wechselt mitten im Satz von Deutsch zu Englisch und zurück. Er hat in New York studiert und lange in den USA gewohnt. Das erste Mal gründete er mit 23 Jahren. Wenn Roth jetzt in Berlin im Clärchens sitzt, fühlt er sich sichtlich wohl. Sein Kiez, in dem er aufwuchs, ist nicht weit.

Sein verstorbener Vater, der Immobilienunternehmer Rafael Roth, war mit der Hypo-Vereinsbank (HVB) in Cum-Ex-Geschäfte verwickelt – unwissend, wie er stets betonte. Dennoch wurde gegen ihn ermittelt. Sohn Yoram führte als Erbe den juristischen Streit mit der HVB um gegenseitige Schadenersatzansprüche weiter. 2014 einigten sie sich auf einen Vergleich.

Unternehmer Yoram Roth sieht Nachholbedarf für den Wiederaufbau persönlicher und beruflicher Beziehungen.

Foto: NeueHouse

„Ganz im Hier und Jetzt verortet und gleichzeitig vorausschauend“, so beschreibt die Berliner Galeristin Annette Kicken den Kunstinvestor. Er sei „ein sehr dynamischer, zukunftsgewandter Unternehmer, der unbedingte Risikobereitschaft besitzt.“ So stehen bereits die nächsten Investitionen an. Neuehouse Miami soll bald eröffnen, Fotografiska Shanghai ist für den Sommer angekündigt.

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Roth ist derweil schwer an einem Ort zu greifen, er pendelt zwischen den Standorten seiner Firmen. Mit seinen Geschäften ist auch sein Alltag stetig im Wandel. „Ich lebe aus dem Koffer“, sagt der Unternehmer. Der Mann, der für seine Kunden Räume zum Verweilen schafft, hat selbst kaum Zeit zur Muße.

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