Ex-Ruhrgas-Chef: Burckhard Bergmann: „Gazprom ist das Heiligtum der russischen Energieversorgung“
„Wir hatten im Aufsichtsrat gute fachliche Diskussionen“, sagt Burckhard Bergmann über seine Zeit bei Gazprom.
Foto: imago stock&peopleEssen. Ein Besuch bei Burckhard Bergmann fühlt sich an wie eine Reise in die Vergangenheit. Der 80-Jährige sitzt im Vorstandsbüro eines Energiekonzerns, der nicht mehr existiert. Eine ganze Vorstandsetage mit verlassenen Gängen gibt es heute noch im 17-stöckigen Essener Ruhrturm, der ansonsten Einzelunternehmen, Gastronomie und Eventräume beherbergt.
Bergmann war jahrelang Chef von Ruhrgas. Deutschlands größtes Erdgasunternehmen wurde 2003 von Eon übernommen – und später in den heutigen Krisenkonzern Uniper ausgelagert. Der Manager, der Eon Ruhrgas 2008 verließ, baute enge Beziehungen zu Gazprom auf, schaffte es sogar in dessen Aufsichtsrat. Bergmann verhandelte für Deutschland Gaslieferverträge, die bis heute gelten würden – hätte Russland nicht den Gashahn zugedreht.
Der Überfall auf die Ukraine hat einen Teil seines beruflichen Lebenswerks zerstört. Eine Schuld für Deutschlands fatale Energieabhängigkeit von Russland sieht Bergmann bei sich nicht. „Ich habe immer darauf geachtet, dass der Anteil unseres größten Lieferanten nicht höher ist als 30 Prozent“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt.