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Morning BriefingAbschied vom Urlaubstraum? Reisen wird immer teurer

Teresa Stiens 07.03.2023 - 06:00 Uhr Artikel anhören

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie schon entschieden, wohin Sie dieses Jahr in den Urlaub fahren wollen? Soll es der Traumurlaub auf Bali sein, die Reise mit dem Wohnmobil durch Neuseeland oder geht es doch ganz klassisch nach Mallorca? In jedem Fall habe ich schlechte Nachrichten für Sie. Denn der Urlaub wird in diesem Jahr deutlich teurer.

Viele einst beliebte Reiseziele haben keine Lust mehr auf Massentourismus und setzen stattdessen auf Luxusurlauber mit prall gefüllten Portemonnaies. Das soziale Gefälle, es wird auch an der Hotelrezeption immer relevanter. Denn die rapide steigenden Preise führen dazu, dass sich viele Deutsche gar keine Urlaubsreisen mehr leisten können, die über ihren eigenen Balkon hinausgehen. Nur wer viel verdient, darf noch von Pool und Sandstrand träumen.

Zum heutigen Start der weltgrößten Tourismusmesse ITB wird klar, dass die Coronapandemie den Reisemarkt ordentlich durcheinandergewirbelt hat – und dass sich die Branche erst wieder finden muss. Denn bisher steht noch nicht fest, ob der Trend zum Luxusurlaub die finanziellen Verluste durch ausbleibende Buchungen von Normalverdienern ausgleichen kann.

Momentan sieht es eher nicht danach aus. Neuen Zahlen zufolge verzeichnete die Branche zum wirtschaftlich wichtigen Jahresbeginn knapp 46 Prozent weniger Buchungen und 15,2 Prozent weniger Umsatz als 2019, dem letzten Jahr vor der Covid-Zeitrechnung.

Foto: Stone/Getty Images

Erinnern Sie sich noch, dass wir Ende vergangener Woche an dieser Stelle von chinesischen Überwachungskameras für Deutschlands kritische Infrastruktur berichteten? Es ging um George Orwell und die Frage, auf wessen Bildschirmen unsere Videos eigentlich landen.

Jetzt hat die Bundesregierung eine weitreichende Entscheidung zu chinesischer Technologie bekanntgegeben, die Mobilfunkanbieter hierzulande in tiefe Verzweiflung stürzen dürfte. Denn Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica müssen sich darauf einstellen, schon verbaute Komponenten der chinesischen Hersteller Huawei und ZTE aus ihren Anlagen, die zur kritischen Infrastruktur zählen, zu entfernen. Die Kosten dafür tragen die Unternehmen selbst.

Und diese Kosten dürften nicht zu knapp ausfallen, denn Huawei ist für deutsche Mobilfunkbetreiber ein extrem wichtiger Partner. Schätzungsweise fast 60 Prozent der im deutschen Netz verbauten Komponenten stammen von dem chinesischen Unternehmen.

Seit Jahren diskutiert die Bundesregierung über die Beteiligung chinesischer Technologieanbieter an den 5G-Mobilfunknetzen und wägt dabei Warnungen der Geheimdienste gegen wirtschaftliche Interessen ab.

Dass die Entscheidung jetzt doch so klar getroffen wird, deutet darauf hin, dass sich die Interessensabwägung deutlich in Richtung Informationsschutz bewegt. Denn offenbar liegen der Bundesregierung Erkenntnisse vor, dass „sicherheitsrelevante“ Komponenten von Huawei und ZTE im großen Stil in den deutschen Netzen verbaut sind. Welche Konsequenzen das haben könnte, fasst ein hochrangiger Beamter zusammen: Es gehe um Technik, „die einen Staat in die Lage versetzen könnte, politische Macht auszuüben“.

In der Türkei gilt momentan das Motto „wenn sechs sich streiten, freut sich der Siebte“. Eigentlich hatten sich die Oppositionsparteien vorgenommen, mit einem gemeinsamen Kandidaten dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gefährlich zu werden. Doch das oppositionelle Sechserbündnis fällt bisher vor allem durch Personalstreitigkeiten auf und weniger durch konkrete politische Inhalte.

Erdogan selbst kann sich eine Tüte Popcorn genehmigen und den Dissens entspannt von außen beobachten. Schließlich ist er derjenige, der zwei Monate vor der Wahl von den Zerwürfnissen seiner Gegner am meisten profitiert.

Immerhin haben sich die sechs Oppositionsparteien jetzt auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können: Kemal Kilicdaroglu wird Erdogan herausfordern. Er gehört der sozialdemokratischen Partei des Landesvaters Atatürk, CHP, an. Dem Oppositionskandidaten werden durchaus Chancen auf den Sieg ausgerechnet – auch weil Erdogans schlechtes Krisenmanagement nach dem verheerenden Erdbeben die Türken maßlos enttäuscht hat.

Foto: IMAGO/NICOLAS MAETERLINCK, dpa (M)

In Israel indes versucht der Autor und Historiker Yuval Noah Harari seine Landsleute wachzurütteln. Es geht um eine geplante Justizreform, die der Politik weitreichende Macht über Richter und Rechtsprechung verleihen würde. Ein Bruch mit dem demokratischen Grundsatz der Gewaltenteilung.

„Heute haben wir einen exzellenten Grund, Angst zu haben, und wir haben einen exzellenten Grund zu handeln“, sagte Harari bei einer Kundgebung in Tel Aviv. Seine dortige Rede ist als Gastbeitrag im Handelsblatt erschienen. „Was diese Regierung in die Wege leitet, ist keine Justizreform – es ist ein antidemokratischer Staatsstreich!“, sagt Harari darin unter anderem.

Dass die Menschen in Israel auf die Straße gehen müssen, um gegen ein Ermächtigungsgesetz der politischen Führung zu protestieren, macht vor allem aus deutscher Perspektive sehr nachdenklich. Da ist es kaum verwunderlich, dass gerade ein Historiker wie Harari vehement vor einer solchen Reform warnt. Was im schlimmsten Fall daraus werden kann, haben die Geschichtsbücher für die Nachwelt warnend festgehalten.

Zum Abschluss darf ich mir selbst und allen anderen Frauen in Lohnarbeit noch ein frohes neues Jahr wünschen. Denn bis heute mussten wir statistisch gesehen noch arbeiten, um den Gehaltsrückstand gegenüber unseren männlichen Kollegen von 2022 aufzuholen. Der betrug 18 Prozent und 18 Prozent des neuen Jahres sind genau heute abgearbeitet.

Ich mache mir zur Feier des Tages jedenfalls einen Sekt auf – auch wenn der im Abgang eher bitter schmecken dürfte.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Sie für Ihre geleistete Arbeit angemessen entlohnt werden.

Es grüßt Sie herzlich

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Ihre

Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

PS: Die FDP stemmt sich gegen ein Aus für Neuwagen mit Verbrennungsmotor in der EU ab 2035. Eigentlich hatte die Bundesregierung auch mit Unterstützung der FDP diesem bereits zugestimmt. Wie stehen Sie zum neuerlichen Vorstoß der Liberalen? Ist es grundsätzlich richtig, dass ab 2035 alle Neuwagen in der EU emissionsfrei sein müssen? Sollen Verbrenner auch nach 2035 erlaubt bleiben, solange sie mit E-Fuels fahren? Wie wird sich die deutsche Autoindustrie verändern müssen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in fünf Sätzen an forum@handelsblatt.com. Ausgewählte Beiträge veröffentlichen wir mit Namensnennung am Donnerstag gedruckt und online.

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