Otto Group: Ökopionier Michael Otto wird 80
Der Unternehmer und Vordenker in Sachen Klima- und Umweltschutz in der Wirtschaft wird 80 Jahre alt.
Foto: IMAGO/Chris Emil JanßenHamburg. Umweltschutz gehört für den Versandriesen Otto schon seit Jahrzehnten zu den Unternehmenszielen. Ein Verdienst des langjährigen Chefs Michael Otto. 1986, als das Thema unter Firmenlenkern noch eher exotisch war, erklärte er als damaliger Chef der Otto Group die Umwelt zum offiziellen Unternehmensziel. Heute feiert der Hamburger Ehrenbürger seinen 80. Geburtstag.
Zur großen Feier am Samstag werden rund 300 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Kultur erwartet, darunter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), der frühere Bundespräsident Horst Köhler sowie Ex-Bahnchef Rüdiger Grube.
Michael Otto hatte 26 Jahre den Vorstandsvorsitz bei der Otto Group inne. Seit 2007 hält er als Aufsichtsratsvorsitzender weiter wichtige Fäden in der Hand. Seine Mehrheitsbeteiligung an Otto hatte er 2014 in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht. „Mir war dabei wichtig, dass die Familie immer das Sagen hat und der Hauptsitz unseres Unternehmens in Hamburg bleibt und beispielsweise nicht in irgendeine Steueroase verlagert werden kann“, so Otto.
Michael Otto machte die Otto Group zum fünftgrößten Onlinehändler weltweit
Sein Engagement hat Michael Otto in Medien Etikette wie „Werte-Unternehmer“ und „grüner Kapitalist“ eingebracht. Zudem gab es immer wieder renommierte Auszeichnungen wie den „Öko-Manager des Jahres“ (1991), den „Deutschen Umweltpreis“ (1997) und zuletzt den Weltwirtschaftlichen Preis des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW, 2021).
„Es gibt im Norden Deutschlands keine andere große Unternehmerpersönlichkeit wie Sie, die sich so früh und auch so konsequent für das Thema Nachhaltigkeit interessierte“, sagte der damalige IfW-Präsident Gabriel Felbermayr in seiner Laudatio. Von Unternehmerkollegen „auch schon einmal als Ökospinner tituliert“, habe es Otto gleichwohl geschafft, aus seinem Unternehmen den weltweit fünftgrößten Internethändler zu machen.
Möglich war dieser Unternehmenserfolg auch, weil Otto sehr früh die Chancen des Internets und der Internationalisierung erkannt hatte. Als in den 1990er-Jahren das Internet für alle geöffnet wurde, „waren wir bereits im Thema und starteten sehr früh die ersten Internetprojekte und etablierten 1995 als einer der ersten Versandhändler einen Onlineshop, obwohl damals in Deutschland nur 250.000 Menschen Zugang zum Internet hatten“, berichtet der ehemalige Otto-Chef.
Michael Otto will Otto Group bald an seinen Sohn übergeben
Seine Zukunft sieht Michael Otto weiter im Unternehmen. Mit Blick auf die Übergabe an seinen Sohn Benjamin Otto sagte der Hamburger Ehrenbürger dem „Spiegel“: „Das wird in den kommenden Jahren ein fließender Übergang.“ Er sei da mit seinem Sohn in bester Abstimmung. Als gestaltender Gesellschafter sei Benjamin bereits eingearbeitet, werde sich auch in der Unternehmensgruppe intensiver einbringen.
Dass es bei der Otto Group nach Rekordjahren inzwischen ernsthafte Krisen gibt – Mytoys wird eingestellt, bei About You ist der Börsenkurs eingebrochen –, hat laut Otto keinen Einfluss auf die Übergabe. Für die Terminierung habe das keine Rolle gespielt, sagte er. „Aber ja, selbstverständlich möchte ich das Unternehmen in einer möglichst guten Phase übergeben.“
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Ärger wie in anderen großen Unternehmerfamilien gibt es bei den Ottos offensichtlich kaum. Michael Otto und sein Sohn diskutierten über viele Themen und hätten etwa bei der Nachhaltigkeit oder der Digitalisierung eine hohe Übereinstimmung, sagte Otto. „Wenn wir unterschiedlicher Meinung sind, dann testen wir es und probieren aus, welcher Weg richtig ist. Das weiß man vorher ja meist nicht.“
Dass sein Sohn eines Tages alles verkaufen oder spenden könnte, sieht Michael Otto nicht. Er sei ja begeistert vom Geschäftsmodell. „Zudem habe ich die Mehrheit der Anteile in Abstimmung mit meinen Kindern in eine Stiftung gegeben.“ So bleibe Otto als Unternehmensgruppe erhalten, „und künftige Generationen werden sie über den Stiftungsrat weiter begleiten“.
Klima und Umwelt sind weiterhin wichtige Themen für Otto
Michael Otto ist immer noch sehr präsent in öffentlichen Debatten, etwa zum drohenden Klimakollaps. In seinem wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag erschienenen Sammelband „Das Michael Otto Prinzip“ beschreibt er, wie ihn 1972 Dennis Meadows' Bericht an den Club of Rome über die „Grenzen des Wachstums“ beeindruckt habe. „Dieser Bericht rüttelte eine ganze Generation auf – mich eingeschlossen“, schreibt Otto. Der Unternehmer gründete beispielsweise bereits 1993 seine eigene Umweltstiftung mit dem Ziel, den Schutz und Erhalt der Lebensgrundlage Wasser zu unterstützen.
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Das neue Bewusstsein für die begrenzte Belastbarkeit unseres Planeten sei sehr wichtig gewesen. „Dabei reicht es nicht, nur Forderungen und Ermahnungen an die Politik oder die Wirtschaft zu richten, sondern jeder muss bei sich selbst anfangen“, schreibt Otto. Dieses Prinzip der Verantwortungsübernahme gelte für jeden Bürger, aber selbstverständlich auch für jeden Unternehmer.
Otto unterstützt mit weiteren Stiftungen und regelmäßigen Finanzspritzen soziale, ökologische und kulturelle Projekte. „Die Wirtschaft muss den Menschen dienen und nicht umgekehrt“, lautet sein Credo.
Zuletzt spendete er zu seinem Geburtstag etwa eine Million Euro an eine NDR-Benefizaktion. Die „Hand in Hand für Norddeutschland“ soll unter anderem Menschen helfen, die in Folge des Ukrainekrieges flüchten mussten. „Ich war selbst einmal Geflüchteter“, begründet der 1943 im heutigen Chelmno in Polen geborene Otto die Spende. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs floh Otto im Alter von zwei Jahren mit seiner Familie in den Westen.