Kommentar: Warum das Klagen über aktivistische Aktionäre oft nicht gerechtfertigt ist

Deutsche Manager müssen sich darauf einstellen, dass Kampagnen von aktivistischen Aktionäre in den kommenden Monaten zunehmen.
Foto: dpaWenn der aktivistische Hedgefonds Elliott Management mit seinem legendären Frontmann Paul Singer dem Vorstand einen Brief schreibt, dann schrillen beim Empfänger die Alarmglocken.
Denn Aktivisten wie Elliott melden sich in der Regel nur dann aus London oder New York zu Wort, wenn sie – nach langer und tiefer Analyse – Schwachstellen im Konzern gefunden haben. Dazu gehört in erster Linie ein Aktienkurs, der im Vergleich zur Konkurrenz oder zum Branchenindex schlechter abschneidet.
Dabei schauen die Kritiker nicht nur auf den Heimatmarkt, sondern vergleichen auch grenzüberschreitend. Aber auch Konglomerate, bei denen einzelne Geschäftsbereiche eine schwache Rendite liefern, ziehen die kritischen Anteilseigner an. Für sie ist das Kerngeschäft das Maß aller Dinge, darauf sollen sich die Chefs konzentrieren.
Das heißt, der schlechte Ruf, der aktivistischen Aktionären gerade hierzulande vorauseilt, ist nicht gerechtfertigt – zumindest nicht in seiner Pauschalität. Und deutsche Manager müssen sich darauf einstellen, dass die Kampagnen der aktivistischen Aktionäre in den kommenden Monaten eher noch zunehmen.
Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen haben die Hedgefonds den nordamerikanischen Markt weitgehend abgegrast, zum anderen ist Deutschland mit seinen zahlreichen Mischkonzernen und der industrielastigen Struktur wie ein reich gedeckter Tisch.
Den Dialog mit den Kritikern suchen
Aktivisten wie Elliott, Third Point oder Petrus Advisers sind äußerst fordernd, manchmal auch radikal. Allerdings wäre es ein Fehler, sie von vornherein als Feinde abzuqualifizieren, die nur auf den kurzfristigen Profit aus sind, indem sie etwa eine Aufspaltung von Konzernen fordern. Oftmals steigt der Aktienkurs der betroffenen Unternehmen schon dann, wenn ein Aktivist seine Forderungen veröffentlicht. Das ist ein Zeichen, dass auch andere Aktionäre Defizite und Reformbedarf sehen.
Wenn Vorstände und Aufsichtsräte der deutschen Unternehmen allein darauf hoffen, dass der Hedgefonds weiterzieht, ist das zu wenig. Aktivisten sind hartnäckig, eher schreiben sie einen zweiten Brief, wenn der erste ignoriert wird. Die richtige Strategie ist, den Dialog mit den Aktivisten zu suchen - auch, weil sie durchaus die Rolle eines Korrektivs spielen können. Passt die Konzernstruktur noch in die Zeit? Muss der Vorstand oder der Aufsichtsrat verjüngt oder diverser werden? Sind wir auf die Digitalisierung oder De-Globalisierung vorbereitet? Wer solche grundlegenden Fragen überzeugend beantwortet und entsprechende Szenarien durchspielt, der braucht die Aktivisten nicht zu fürchten.